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Heidi@Home: Teds deeply unhip Mix

Was Lorelai in der Karaoke Bar singt, Ross und Rachel rappen und Barney Stinson gerne in der Limo in den CD-Player schiebt...
Mit Serienintros habe ich mich ja vor einiger Zeit schon einmal beschäftigt, interessant finde ich aber auch wie Musik sonst in Serien eingesetzt wird, wie Songs und ihre Interpreten durch Serien berühmt werden oder bereits bekannte Stücke durch den Einsatz in einer Serie bleibend mit dieser verknüpft und assoziiert werden.

In manchen Serien spielt Musik generell eine wichtige Rolle, wie etwa bei „Gilmore Girls“. Rorys Freundin Lane etwa muss ihre Platten vor der eigenen Mutter verstecken, die moderne und „rebellische“ Musik aus religiösen Gründen ablehnt, und spielt heimlich in einer Indie-Band. Rory und Lane unterhalten sich einmal darüber, wie deprimiert sie sich fühlen, ob es eher ein Nick Cave-Trübsinn ist, oder ein Joy Divison-Traurigkeit, oder doch gar eine Johnny Cash-Depression. Zum prägnanten Song der Serie wird aber lustigerweise ein Stück wirklicher Populärmusik, nämlich Whitney Houstons „I will always love you“. Und zwar deshalb, weil Lorelai diesen Song für Rory sehr charmant in einer Karaoke Bar interpretiert, dann Luke erscheint und der Text irgendwie zu diesem (Nicht)Verhältnis passt, das Lorelai und Luke schon seit unzähligen Staffeln miteinander haben.

Ein Lovesong ist es auch, den man mit „Dawson’s Creek“ verbindet und der schon in der ersten Folge auftaucht, nämlich als Joey Dawson etwas altklug erklärt, sie wären zwar von Kindheit an befreundet, wären aber nun Teenager und könnten deshalb nicht weiterhin im selben Bett schlafen wie früher. Daraufhin kommt es zum Streit und Joey läuft enttäuscht zu ihrem Boot, um nachhause zu rudern, Dawson ruft ihr nach und im Hintergrund erklingen die Pretenders „I’ll stand by you“ – und transportieren das, was Dawson und Joey trotz allem eint und wahrscheinlich immer verbinden wird.

Während der Pretenders-Song bereits ein populärer Klassiker war, wurde ein ganz neuer Song dank „Grey’s Anatomy“ zu einem echten Hit. Es handelt sich dabei um „Chasing Cars“ von der Indie-Rock Combo Snow Petrol, der beim sehr dramatischen Finale der zweiten Staffel der Serie eingesetzt wurde. Der Song untermalt eine schwierige Liebesentscheidung und gleichzeitig einen Todesfall. Die Krankenhausserie „Emergency Room“ wiederum verwendet den Song „Somewhere over the rainbow“ in der lebensfrohen Version des Hawaiianers Israel Kamakawiw’ole für das Sterben des Arztes Mark Greene. Auf seinen Wunsch hin feiert seine Familie im Urlaub auf Hawai draußen das Leben, während er alleine im Bett bleibt – das macht diesen Song und die Szene so bittersüß.

Aber natürlich werden Songs nicht nur in sehr tragischen Serienmomenten eingesetzt, manchmal sind sie auch Ursprung von witzigen Szenen. Der Bon Jovi Gassenhauer „You give love a bad name“ ist eines von Barney Stinsons Lieblingsliedern, auf der Silvesterfahrt in einer gemieteten Limousine setzt er es immer wieder ein, um seinen deprimierten Freundeskreis aufzuheitern und aufzuputschen. Bei „Friends“ versucht Ross seine Babytochter Emma zum Lachen zu bringen, was sich als schwierig herausstellt. Irgendwann singt er ihr den Song „I like big butts“ von Sir Mix-a-lot vor, und sie gluckst fröhlich. Rachel ist zuerst verärgert, dass Ross „offensive novelty“ Rap benutzt, um das Baby zu unterhalten, weiß sich aber letztendlich auch kein anderes Mittel, und singt Emma schließlich selbst dieses Lied vor. Legendär sind natürlich auch die Anwälte in „Ally McBeal“, die zu Barry White und „My first, my last, my everything“ in der gemischten Toilette tanzen. Ob White die Assoziation seinen Songs mit einer Toilette gefreut haben mag? Da er selbst einmal Gast in der Serie war, hat es ihn vermutlich nicht gestört.

Und dann ist da schließlich noch Teds deeply unhip mix. Ted ist Claires Freund in „Six Feet Under“, im Gegensatz zu ihr Republikaner, wertkonservativ und hört „christian music“, was sie entsetzlich findet, aber er erklärt, wenn er ein Lied mag, dann kauft er eben die CD. Woraufhin sie zu ihm sagt, er wäre „the most deeply unhip person“, die sie kenne. Als Claire schließlich in der Finalfolge der Serie Los Angeles verlässt, um nach New York zu gehen, da schenkt Ted ihr eine von ihm selbst zusammengestellte CD, seinen unhip mix. Der erste Song darauf ist „Breathe me“ von Sia – der Song, den Claire hört, als sie mit dem Auto losfährt, und ihr Elternhaus hinter sich lässt, der Song, der „Six Feet Under“ nach fünf Staffeln perfekt abschließt. Selten hat ein Song in einer Serie die Stimmung des Moments so perfekt eingefangen, dass man lachen, aber vor allem weinen möchte, über die Schönheit der Komposition aus Klang und Bildern.
Die Autorin
heidi
Heidi@Home


Forum

  • Musik

    Nicht zu vergessen auch die Probleme, die durch den Einsatz von Songs entstehen können. So sind durch die Problem mit den Musikrechten einige Serien bei uns nie auf DVD erschienen. Und manche sind zwar erschienen, aber nur mit geänderter oder ganz entfernter Musik.
    treadstone71
    09.04.2013, 22:59 Uhr