Filmkritik zu The Search

Bilder: Filmverleih Fotos: Filmverleih
  • Bewertung

    Das Opfer ist immer die Unschuld

    Exklusiv für Uncut aus Cannes 2014
    Michel Hazanavicius neuer Film nach „The Artist“ erinnert den Zuschauer an ein junges und dunkles Kriegskapitel aus Tschetschenien aus dem Jahr 1999. In anderen Teilen der Welt bereitet man sich auf die Milleniumsfeiern vor, in Tschetschenien geht es ums nackte Überleben. Die ersten Minuten des Films werden im Videoformat gezeigt und sind sehr intensiv. Darin geht’s um die Ermordung von unschuldigen Eltern in einem Dorf, wo es weit und breit keine Terroristen gibt. Danach folgt eine Odyssee der überlebenden Kinder. Diese Einleitung ist besonders erschütternd und zeigt einfach nur den Wahnsinn des Krieges. Der Zuschauer wird Zeuge der Verzweiflung eines 9-jährigen Buben, der traumatisiert einen Ausweg sucht. Die Welt schaut vorerst zu …

    Es gibt keinen Zweifel – in einem Krieg trifft es zuerst die Schwachen: Alte, Kranke, Frauen und Kinder. Die Message des Films ist sehr einfach zu verstehen: Krieg ist keine Lösung! Dabei kommt die Bestie Mensch zum Vorschein, die einmal losgelassen offensichtlich nicht mehr zu stoppen ist. Bevor die Eltern ermordet werden, bittet das Opfer um Erbarmen. Diese Stimmen werden nicht erhört.

    In einer parallel erzählten Geschichte geht’s um die Zwangsrekrutierung eines 19-jährigen Soldaten, der in der Grundausbildung jede Hoffnung verliert. In Ansätzen erinnert diese Storyline des Teufelskreises an „Full Metal Jacket“, da dieser nach der Zeit der Erniedrigung an die Front geschickt wird, wo auf ihn die Hölle wartet.

    „The Search“ ist ein sehr interessanter und bewegender Filmbeitrag zum Thema Kriegswahnsinn, da es zum Großteil aus den Augen eines kleinen Jungen gezeigt wird, der den Krieg nicht verstehen kann, da dieser von Erwachsenen begonnen wurde. Das Opfer ist immer die Unschuld.
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    21.05.2014
    23:17 Uhr