Bilder: 20th Century Fox Fotos: 20th Century Fox
  • Bewertung

    Schauderhaft schönes und knallbuntes Fotoalbum der Exzentrik

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2014
    Die Filme von Wes Anderson zeichnet ein unverwechselbar exzentrischer Stil aus, sowohl was die Geschichten an sich, als auch was die Zeichnung der Figuren betrifft. Darüber hinaus erzählt er seine Geschichten stets ein wenig anders als man es gewohnt ist: mehrfach gerahmt, teilweise verschachtelt, aus ungewohnten Perspektiven und mit dem ständig gegenwärtigen Potential, sein Publikum mit bizarren Handlungsverläufen zu überraschen bzw. augenzwinkernd im Kern eigentlich sehr ernste Themen durch unterschiedlich starke Überzeichnung ins Lächerliche zu ziehen. In dieser Karikatur verbirgt sich jedoch (wie in jeder Karikatur) natürlich auch viel Wahrheit und in den Abgründen der Ironie des Erzählten haben die Abgründe der Persönlichkeiten seiner Filme oft gerade noch Platz. In seinem jüngsten Film wird er seiner Tradition wieder meisterhaft gerecht und erhebt das Genre der politischen Satire auf ein höchst amüsantes und kurzweiliges Niveau. Dies ist nicht nur den tollen schauspielerischen Leistungen seines höchst prominent besetzten Ensembles zu verdanken, sondern auch dem spritzigen Drehbuch aus seiner Feder geschuldet. Zu diesem ließ er sich durch Erzählungen von Meisterautor Stefan Zweig inspirieren, der als Jude vor den Nazis aus Wien fliehen musste und schließlich die Ausweglosigkeit des politischen und menschlichen Dramas begreifend, das sich zum Ende des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts in Europa abzeichnete, auf der Flucht Selbstmord beging. An Andersons Film gibt es eine ganze Menge an Elementen, die ihn ausgesprochen sehenswert machen: angefangen von der opulenten Ausstattung, die die Szenerie über die Jahrzehnte der Handlung bestimmte, über die erfrischende Dramaturgie mit einer quasi doppelt eingerahmten Erzählung über den ambitionierten Schnitt bis hin zu den bizarren Szenenbildern an größtenteils utopischen Orten. Die derlei dargebotene Fülle an Sinneseindrücken will erst einmal verdaut und dann entsprechend gewürdigt werden. So kann es durchaus sein, dass die Geschichte für den einen oder anderen Kinobesucher unterwegs an Übersichtlichkeit und Stringenz einbüßt. Vielleicht ist diese schon beinahe schwindlig machende Üppigkeit aber auch Teil eines schlauen Konzeptes, um die sich überstürzenden Ereignisse entsprechend in Szene zu setzen.
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    (Dr. Markus Löhnert, MA)
    07.02.2014
    08:15 Uhr
    Draco dormiens nunquam titillandus.
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