Filmkritik zu Les Misérables

Bilder: Universal Pictures International Fotos: Universal Pictures International
  • Bewertung

    Große Emotionen, großes Kino, grandiose Anne Hathaway.

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2013
    Das Musical „Les Miserables“ ist bis heute das erfolgreichste Musical weltweit, was zum Einen mit dem einmaligen Roman von Victor Hugo zu tun hat, nach dessen Vorlage es entstand, zum Anderen der Musik geschuldet sein dürfte, die sowohl ins Ohr als auch zu Herzen geht und die Dramatik der historischen Ereignisse ebenso einfängt wie die dramatische und bewegte Liebesgeschichte umrahmt, die sich durch den ganzen Roman zieht. In der filmischen Adaption von Regisseur Tom Hooper können wir nun den Klassiker aufs Neue erleben und dabei von der völlig neuen Weise profitieren, auf die der Film gedreht wurde. Der Gesang wurde nicht mehr im Studio voraufgenommen, sondern die Schauspieler sangen direkt am Set, was völlig neue Möglichkeiten im Spiel und Mimik zulässt, die sie auch allesamt nutzen. Auch wird der Film nicht im Wechsel zwischen Gesang und Dialogen erzählt, sondern es wird ausschließlich gesungen, was die Emotionen und die Dramatik sogar noch verstärkt und nach einigen Minuten der Gewöhnung auch nicht störend wirkt. Aus dem gesamten Ensemble des Filmes ragen zwei Schauspieler besonders heraus: zum einen Russel Crowe, dessen Figur des bösen, unversöhnlichen Inspektors Javert niemanden kalt lässt, dessen Gesang jedoch im Vergleich mit seinen Kollegen auffallend angestrengt klingt und zum Anderen und überhaupt und außerdem: Anne Hathaway als Fantine. Obwohl sie nur in wenigen Szenen des Filmes vorkommt, trägt sie mit ihrer zerbrechlichen Schönheit und intensiven Präsenz die gesamte Handlung und bestimmt die ganze Atmosphäre der Geschichte. Mit unglaublicher Leidenschaft kämpft sie für ihre kleine Tochter, sucht verzweifelt nach einer Möglichkeit, an Geld zu kommen und singt sich dabei im wörtlichen Sinne die Seele aus dem Leib, aber ohne dabei angestrengt oder künstlich zu wirken. Vielmehr trifft sie das Publikum mit ihrem Ausdruck und ihrer tiefen Verzweiflung mitten ins Herz, sodass man sie am liebsten in den Arm nehmen und ihre Trauer und ihren Schmerz lindern möchte. Sie spielt und singt ihre Rolle nicht nur, sie verkörpert sie und jagt den Zuschauern wohlige Schauer über den Rücken, die von Tränen der Bewunderung und des Mitgefühls abgelöst werden. Seit langem habe ich keine so überwältigende Leistung einer Schauspielerin ihres Alters erlebt. Somit ist die Neuverfilmung von „Les Miserables“ mehr als geglückt ausgefallen und sollte alle Preise verdient haben, die sie in den nächsten Wochen und Monaten bekommen wird.
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    (Markus Löhnert )
    08.02.2013
    23:54 Uhr
    Draco dormiens nunquam titillandus.
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