Filmkritik zu Jonah Hex

Bilder: Warner Bros Fotos: Warner Bros
  • Bewertung

    Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht ins Kino

    Eldritch Advice
    Jonah Hex ist eine Comic-Figur die ihr Debüt in DC Comics „All-Star Western“ #10 im Jahr 1972 feierte. Erdacht von dem, leider bereits verstorbenen, Kreativ-Duo John Albano und Tony DeZuniga, scharrte der Antiheld aus dem US-amerikanischen Süden im Laufe der Zeit eine treue Fanschar um sich. Diese war aber leider nicht groß genug um auf Dauer einen fortlaufenden Titel zu gewährleisten. Im letzten großen Soft-Reboot „DC Rebirth“ von 2016 wurde Jonah Hex nicht einmal berücksichtigt und taucht heutzutage nur ab und zu als Nebencharakter in der Serie „Legends of Tomorrow“ auf; was seine Rolle als beliebter Nischencharakter ohne Mainstream-Appeal endgültig festigte. Umso kurioser war es, als 2010 Warner Bros. und New Line Cinema sich dazu entschieden, einen Spielfilm mit Jonah Hex als Protagonisten zu veröffentlichen.

    Als sich die Konföderation der vereinigten Südstaaten gegen die Unionsstaaten des Nordens erhebt, und damit den Sezessionskrieg einleitet, entscheiden sich Jonah Hex und sein bester Freund Jeb Turnbull für ihre Heimat, den Süden, zu streiten. Unter dem Kommando von Jebs Vater Quentin ziehen sie im Namen der Freiheit ins Feld. Eine Sichtweise die sich ändert als Quentin Hex den direkten Befehl gibt ein Hospital der Nordstaaten den Flammen preis zu geben. Hex weigert sich diesen Befehl auszuführen und ergreift die Flucht nachdem er in einem Gerangel den zu seinem Vater stehenden Jeb tötet. Nach Rache sinnend verfolgt Quentin Turnbull den Deserteur. Als es ihm gelingt Hex zu fassen, zwingt er ihn dazu zuzusehen wie Turnbulls Männer seine Frau und seinen Sohn lebendig verbrennen, ehe er Hex selbst brandmarkt und gebrochen und entstellt zurück lässt. Doch Hex überlebt und fühlt sich seiner Rache beraubt als er erfährt, dass Turnbull kurz nach dieser Tat sein Ende fand. Seither verdingt sich Jonah Hex als ein erbarmungsloser Kopfgeldjäger, dessen Feuer erst wieder entflammt als er Gerüchte vom Überleben Turnbulls hört.

    Ich muss sagen … dieser Film ist ein heilloses Durcheinander.

    „Jonah Hex“ ist ein Paradebeispiel dafür, was passieren kann wenn ein Film ein zu großes Budget und keine klare Vision hat. Inklusive der aufwändigen Reshoots belief sich dieses auf 47 bis 80 Millionen Dollar. Dies für einen Charakter, den zwar viele als äußerst interessant erachten, aber nicht in einem Ausmaß um seine Comics zu kaufen. Ja, die Geschichte hat gezeigt, dass auch Verfilmungen von Comic-Figuren aus der zweiten Reihe durchaus erfolgreich sein können, aber dafür muss man entweder die Essenz der Charaktere in Perfektion auf die große Leinwand bringen um seine Zielgruppe zufrieden zu stellen oder den Nerv der Zeit treffen um damit das Mainstreampublikum abzuholen. Diesem Film gelang weder das eine noch das andere. „Jonah Hex“ spielte weltweit nur rund 11 Million Dollar ein und ist somit als riesiger Flop zu bezeichnen. Da half es auch nichts, dass die Kostüme, Sets, sowie die Effekte optisch sehr viel hermachen. Wundern dürfen sich die Produzenten dabei nicht, denn wer nicht kohärente Szenen in einem Film ohne jedwede Substanz zusammenschustert, darf nicht überrascht sein damit keinen Erfolg zu haben. Mit seiner PG-13-Freigabe tat man dem Charakter, der wie kein Zweiter für den Genremix zwischen Western und Horror steht, ebenfalls keinen Gefallen. Der Film schafft es zwar immer wieder eine Atmosphäre die den beiden Genres gerecht wird aufzubauen, nur um diese immer wieder spontan zu zerstören. So etwa mit dem unpassenden Metal Soundtrack der US-amerikanischen Band „Mastodon“.

    Was einem bei „Jonah Hex“ sofort ins Auge sticht, ist die illustre Besetzung: Josh Brolin, John Malkovich, Michael Fassbender, Will Arnett, Megan Fox und Michael Shannon. Dies klingt regelrecht nach einem Blockbuster … oder aber nach Overkill. Foxs Charakter ist nicht bloß eine fahle Version ihres Pedant aus den Comicheften, sondern darüber hinaus ein Plot Device der übelsten Sorte. Arnett wirkt fehlbesetzt und ist kaum im Film, weil die meisten seiner Szenen der Schere zum Opfer fielen. Brolin und Malkovich sind eine gute Wahl für Jonah Hex und Quentin Turnbull, aber an ihrem Schauspiel lässt sich die schlechte Stimmung am Set erkennen. Etwas das Fassbender scheinbar egal gewesen ist, denn er zelebriert seine Rolle als Burke, Turnbulls sadistische rechte Hand. Fassbender hatte sichtlich Spaß an diesem Charakter und gab nach den Dreharbeiten zu, sich seine Inspiration von Malcolm McDowells Darbietung als Alex DeLarge aus „Uhrwerk Orange“ geholt zu haben.

    Ist dieser Film eines freitäglichen Filmabends würdig?

    Regisseure wie Wes Anderson oder Quentin Tarantino beweisen immer wieder, wie man mit einem großen Starensemble einen schlüssigen Film kreiert. Leider gehört Jimmy Hayward nicht zu jenen Filmemachern die diese Kunst beherrschen. Allerdings trifft ihn hierfür nicht die alleinige Schuld. Er mag zwar mit einem Projekt dieses Ausmaßes überfordert gewesen zu sein, aber die Studios sind für die exzessiven Reshoots unter dem Kommando eines anderen Regisseurs, sowie die chaotische Schnittfassung aus dem vorrätigen Material verantwortlich. Dadurch fühlt sich „Jonah Hex“ wie ein 82 Minuten langer Trailer an und es ist schwer zu beurteilen ob man dadurch den Film noch mehr geschadet oder wenigstens einen kurzen und immerhin unterhaltsamen Film geschaffen hat.

    Kennt man Jonah Hex aus den Comics oder seinen Gastauftritten in Serien wie „Batman: The Animated Series“ oder „Legends of Tomorrow“, fällt einem sofort auf, dass mit diesem Film etwas nicht ganz stimmt. Dennoch, obwohl alles in mir eigentlich nach einer Verdammung dieses Films schreit, muss ich zugeben, dass er mich doch unterhalten hat. Eine Art von Unterhaltsamkeit die in etwa vergleichbar mit „Suicide Squad“ ist; sprich, man weiß dass man einen wirklich schlechten Film vor sich hat, aber fühlt sich dann doch belustigt. Wirklich schade ist meiner Meinung nach, dass man dadurch die Chance eines großartigen Hex Films vertan hat und Warner Bros. diesem Charakter so schnell nicht noch einmal eine zweite Chance geben wird. Wenn ihr wie ich ein Fan von Comicverfilmungen seid und auch richtig schlechten Filmen etwas abgewinnen könnt, dann könnt ihr verstehen wieso ich „Jonah Hex“ trotz oder vielleicht sogar wegen all seiner Unzulänglichkeiten eines freitäglichen Filmabends würdig erkläre.

    Habt ihr Interesse an Horror und Trashfilmen sowie anderer cineastischer Kleinodien, empfehle ich euch meinen englischsprachigen YouTube Channel zu besuchen. Dort bespreche ich mindestens einmal wöchentlich ein Filmjuwel aus meiner Sammlung:
    https://goo.gl/oYL4qZ
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    (Thorsten Schimpl)
    18.05.2018
    20:42 Uhr