Filmkritik zu Teddy

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    A French Werewolf in Crisis

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Der Werwolf galt früher als eine der populärsten und meist-verwendeten Kreaturen im Horrorfilm. Doch in den letzten Jahren wurde es still um die antropomorphe Wolfsgestalt. Die französischen Brüder Ludovic und Zoran Boukherma ließen sich trotzdem nicht die Gelegenheit nehmen, das verstaubte Subgenre wiederzubeleben und diesem gleichzeitig einen erfrischenden Neuanstrich zu verpassen. In ihrem zweiten Langfilm „Teddy“ vermischt das Regieduo nämlich gekonnt altbewährte Zutaten des Werwolffilms mit Elementen eines Coming-of-Age-Dramas.

    Der gelungene Genre-Mischmasch rückt den Anfang 20-jährigen Teddy (Anthony Bajon) ins Zentrum, der antriebslos und desinteressiert durchs Leben irrt. Gemeinsam mit seinem Onkel und seiner körperlich eingeschränkten Tante lebt er in einer französischen Kleinstadt und geht nebenbei einem Job in einem Massagesalon nach. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit seiner heißgeliebten Freundin Rebecca (Christine Gautier), die kurz vor ihrem High-School-Abschluss steht. Als Teddy von einem frei herumlaufenden Wolf gebissen wird, muss er bald Veränderungen in seinem Körper feststellen, die sich nicht nur auf seine Physik, sondern auch sein Privatleben auswirken.

    Das brüderliche Regie-Duo inszeniert die titelgebende Hauptfigur als dauergenervten Slacker ohne konkretem Ziel im Leben. Teddy hadert oft damit, seine Emotionen adäquat ausdrücken, was nicht selten in radikale, ungebändigte Gefühlsausbrüche mündet. Je weiter seine Wandlung zur bestialischen Kreatur voranschreitet, desto mehr kommen seine inneren, animalischen Triebe zum Vorschein. Ein Umstand, der von Hauptdarsteller Anthony Bajon mit großer Inbrunst dargestellt und mit herrlich grauslichen Body-Horror-Elementen garniert wird. In seiner Herangehensweise erinnert der Film manchmal mehr an High-School-Tragikomödien aus dem Independent-Fach, als an Genre-Filme im klassischen Sinne. Da dürfen natürlich auch Elemente wie Selbstfindung oder jugendlicher Herzschmerz nicht fehlen. Den Boukherma-Brüdern gelingt es, eine nahegehende und glaubwürdig erzählte Coming-of-Age-Geschichte nahtlos mit dem Gerüst eines Werwolf-Streifens zu verweben. Wenn der Film dann in seinem furiosen Finale endgültig zum Creature-Feature verkommt, dann mag dies anfangs etwas plötzlich erscheinen, macht aber bei genauerer Betrachtung als Conclusio für die emotionale Entwicklung des Protagonisten auch thematisch Sinn. Einzig und allein der juvenile Humor weiß nicht immer zu zünden. Gerade ein Moment, in dem ein versuchter sexueller Missbrauch in ein humoristisches Setting umgemünzt wird, wirkt deplatziert und lässt sauer aufstoßen.

    Als Ganzes ist „Teddy“ aber ein überaus schmackhafter und stylish aufgemachter Genre-Cocktail, der mühelos zwischen introspektiver Coming-of-Age-Story, heiterer High-School-Komödie und blutrünstigem Werwolffilm wechselt.