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  • Bewertung

    Liebeswirrungen in Paris

    Exklusiv für Uncut
    Der französische Originaltitel „Les Olympiades“ wurde von Jacques Audiard nicht völlig willkürlich gewählt, sondern er verortet die Handlung damit sofort an seinem Spielort, dem gleichnamigen Viertel im 13. Pariser Arrondissement. In seinem ersten Schwarzweißfilm lässt der französische Regisseur dort allerhand aufregende Charaktere aufeinandertreffen, was nicht immer ohne Folgen bleibt.

    Die Callcenter-Mitarbeiterin Émilie (Lucie Zhang) trifft im Zuge ihrer Mitbewohner*innensuche auf den Doktoranden Camille (Makita Samba), mit dem sie bald nicht nur die Wohnung, sondern auch das Bett teilt. Das rein sexuelle Verhältnis scheint jedoch gefährdet, als Émilie Gefühle entwickelt, Camille jedoch nicht. Währenddessen wird nicht unweit davon die Jus-Studentin Nora (Noémie Merlant) Opfer einer Verwechslung, was dazu führt, dass sie Bekanntschaft mit dem Cam-Girl Amber Sweet (Jehnny Beth) macht. Wenig später trifft sie dann auch auf Camille und die Liebeswirrungen nehmen ihren Lauf.

    „Les Olympiades“ basiert hauptsächlich auf drei Kurzgeschichten aus Adrian Tomines Graphic Novel „Killing and Dying“, wobei die Figur der Camille extra für den Film erschaffen wurde. Dem episodenhaften Schema ist der Film aber nichtsdestotrotz treu geblieben. Das Drehbuch, welches neben Audiard von Céline Sciamma („Porträt einer jungen Frau in Flammen“) und Léa Mysius („Ava“) geschrieben wurde, konzentriert sich dabei am stärksten auf seine Protagonistinnen, obgleich Camille die beiden Haupthandlungsstränge miteinander verbindet. Dass sich die Übergänge hier dann doch als etwas holprig herausstellen ist wohl auf die kapitelhafte Struktur des Films zurückzuführen.

    Audiard wartet dafür aber im Laufe des Films auch mit einigen kreativen Ideen auf und setzt so beispielsweise nicht nur auf eine ansprechende Schwarzweißästhetik, sondern auch der stets beliebte Split Screen kommt zum Einsatz. Auffallend ist darüber hinaus Paul Guilhaumes nachhängender Kamerablick, der manchmal etwas länger am Ort des Geschehens verweilt, obwohl die Figuren möglicherweise den Bildrahmen bereits verlassen haben.

    Das größte Plus, welches „Les Olympiades“ jedoch vorzuweisen hat, ist aber auf jeden Fall der Cast. Gerade die vier Hauptdarsteller*innen sind sehr passend gewählt und harmonieren besonders gut miteinander. Zwischen Identitätsfindung, sexuellen Abenteuern und Liebe finden sich die Figuren in einem schwermütigen Abbild der französischen Hauptstadt wieder, die in der Tradition eines Éric Rohmer einen gekonnten Blick auf eine ganze Generation mitsamt ihren Beziehungskrisen wirft.

    Nachdem „Les Olympiades“ im Zuge der Filmfestspiele von Cannes seiner Premiere feierte und hierzulande bereits auf der Viennale zu sehen war, folgt nun der österreichweite Kinostart des Großstadtdramas – und den sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen!
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    (Marion Schlosser)
    19.04.2022
    21:55 Uhr