Bilder: Focus Features, Universal Pictures International Fotos: Focus Features, Universal Pictures International
  • Bewertung

    Die Wildnis ruft

    Exklusiv für Uncut vom Sundance Film Festival
    Geschichten über Individuen, die nach einem verheerenden Schicksalsschlag der Gesellschaft den Rücken kehren und sich in die abgelegene Wildnis zurückziehen, erfreuten sich im Kino in vergangenen Jahren großer Beliebtheit. Populäre Filme wie „Into the Wild“ (2007), „Der Große Trip - Wild“ (2014) oder der diesjährige Oscar-Favorit „Nomadland" von Chloé Zhao nahmen sich bereits dieser grundsätzlich spannenden Thematik an. Auch Schauspielerin Robin Wright (u.a.: „Forrest Gump“, „House of Cards“, „Blade Runner 2049“) widmet sich in ihrem Filmregiedebüt „Land“ einer nicht unähnlichen Erzählprämisse.

    Wright selbst schlüpft in die Rolle der Protagonistin Edee, einer Frau mittleren Alters, die sich in Folge einer familiären Tragödie von der Gesellschaft, wie wir sie kennen, isolieren möchte. Sie zieht sich daher völlig allein in eine in den Rocky Mountains gelegene Hütte zurück und wagt einen Neustart fernab jeglicher Zivilisation. Als der harte Winter einbricht, droht Edee an den Wetterbedingungen und an Dehydrierung zu Grunde zu gehen. Doch dann wird sie plötzlich vom Jäger Miguel (Demian Bichir) und dessen im medizinischen Bereich tätigen Schwester Alawa (Sarah Dawn Pledge) aufgefunden und gerettet. Überlebensexperte Miguel gibt Edee auch einige hilfreiche Survival-Tipps mit auf dem Weg. Zwischen ihr und dem Berufsjäger entwickelt sich mit der Zeit eine enge Freundschaft, die der einsamen Frau den Mut gibt, wieder ins gesellschaftliche Leben einzusteigen.

    Das Spielfilmdebüt der talentierten Schauspielerin besticht mit traumhaft schönen Landschaftsaufnahmen. Die von Kameramann Bobby Bukowski kreierten Bildkompositionen strotzen nur so vor Natürlichkeit und machen dem Publikum in ihrer ästhetischen Brillanz die gezeigten Schauplätze mehr als nur schmackhaft. Auch der zentralen Schauspieldarbietung von Neo-Filmemacherin Robin Wright gebührt Lob. In ihrer angenehm zurückhaltenden Darstellung der vom Schicksal gezeichneten Edee lässt sich große physische wie psychische Hingabe erkennen. Demian Bichir gibt in der Rolle des sensiblen Jägers Miguel ebenfalls eine glaubwürdige Figur ab. Abseits dieser lobenswerten Aspekte überzeugt das meditative Drama jedoch nur bedingt.

    Wright ist sichtlich daran bemüht, in ihrem Debütfilm ein authentisches Flair zu vermitteln. Und auch wenn ihr dies auf ästhetischer und schauspielerischer Ebene gelungen ist, lässt das von Erzählklischees durchdrungene Drehbuch einiges zu wünschen übrig. Die Rückblenden wurden ungeschickt in das Geschehen verwoben und erfüllen inhaltlich kaum einen Zweck. Die emotionalen Konflikte und Stolpersteine, die Edee bis zum Ende auf ihrer Reise in den Weg gestellt werden, wirken vertraut und lassen sich schnell vorhersagen. Die Figuren sind trotz der äußerst bemühten Schauspielleistungen eindimensional geraten. Der an sich gelungene Score wird viel zu dick aufgetragen. Über weite Strecken verlässt sich Wright dermaßen auf den Sog ihrer zugegeben prächtigen Bildwelten, dass sie darauf vergisst, diesen überhaupt erst narrativen Gehalt zu verleihen. Der Film suhlt sich so sehr in seinen zwar schönen, zeitgleich aber auch substanzlosen Bildern, dass er für einen beachtlichen Teil der Lauflänge nichtssagend vor sich hin plätschert. Ein tieferer Einblick in die Wunden eines schwer zu verarbeitenden Traumas lässt sich nicht einfach so durch repetitive Landschaftsaufnahmen herbeizaubern.

    Immerhin kann das Drama im finalen Drittel mit einer emotionalen Geste aufwarten, die sich im Vergleich zum Rest des Films ungeahnt kraftvoll und roh anfühlt.

    Als Ganzes entpuppt sich Robin Wrights erste Spielfilmarbeit leider aber als herbe Enttäuschung. Da schaffen es selbst ansehnliche Bildwelten und hingabevolle Schauspieldarbietungen kaum, das Drama aus seiner gähnend langweiligen Mittelmäßigkeit zu befreien. Schade!