Filmkritik zu Butt Boy

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  • Bewertung

    Thriller-Groteske mit Analfixierung

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Ein Film namens „Butt Boy“ würde wohl allein seines Titels wegen schon viele Zuschauer*innen abschrecken. Wenn man den Leuten dann auch noch zusätzlich erzählt, dass es hier buchstäblich um einen Mann geht, der sich Gegenstände wie auch Menschen rektal einführt, dann sind ohnehin die meisten dahin. Die wenig mutigen Übriggebliebenen dürfen sich an einem herrlich schrulligen Pulp-Thriller mit Kultpotential erfreuen. Denn man mag es glauben oder nicht, aber Regisseur (und Hauptdarsteller) Tyler Cornack schafft es tatsächlich diesem absurden Konzept ein ungeahntes Maß an Ernsthaftigkeit abzugewinnen, ohne seinen Film zur reinen juvenilen Blödelkomödie verkommen zu lassen.

    Worum geht es denn nun aber eigentlich genau?

    Der IT-Experte Chip Gutchel (Tyler Cornack) entwickelt in Folge einer rudimentären Protatauntersuchung eine seltsame Vorliebe dafür, sich Dinge wortwörtlich in den Arsch zu schieben. Was mit kleinen Gegenständen anfängt, steigert sich schnell zur gefährlichen Sucht, die zur Folge hat, dass er sich sogar Kinder rektal einführt und in den Weiten seines Anus verschwinden lässt. Viele Jahre nach der analen Entführungsserie erleidet Chip einen Rückfall und der Polizist Russell Fox (Tyler Rice) wird dazu beauftragt, einem abermals spurlos verschwundenem Kind auf die Spur zu kommen. Russell und Chip kennen sich durch Treffen der anonymen Alkoholiker sogar persönlich. Der Polizist ahnt auch schon bald, dass Chip die Treffen allen Anschein nach aufgrund einer anderen Sucht besucht und vermutet schnell, dass dieser hinter der erneuten Serie an Kindesentführungen stecken könnte. Das Problem jedoch: Wie soll ihm eine derart absurde Geschichte auch nur irgendjemand abkaufen?

    Cornack lässt die bescheuert klingende Prämisse seines Films als rasantes Katz-und-Maus-Spiel entfalten, das erstaunlich viel Spannung und Energie an den Tag legt. Trotz der an sich banalen Grundgeschichte und ein paar schwer vermeidbarer Fäkalwitzeleien hier und da, nimmt der Regisseur das Konzept den Großteil seiner Laufzeit über völlig ernst, ohne je in reinste Albernheit abzurutschen. Mit klaren Anleihen an zahlreiche Neo-Noir- und Detective-Stories der Filmgeschichte und einem genauen Auge für Stil und Ästhetik, schöpft Cornack aus der Geschichte eine Thriller-Groteske, die trotz der eindeutigen Vorbilder auf eigenen Beinen stehen kann. Die schöne Ausleuchtung, die grelle Farbgebung und allen voran der omnipräsente Synth-Score tragen passend zum 70s-Flair bei, der den ganzen Film über mitschwingt. Nun konnte man meinen, dass im letzten Drittel - wenn rektale Zonen schlussendlich auch direkt betreten werden – der Film die Grenzen des (schon vorher kaum vorhandenen) guten Geschmacks etwas überschreitet. Der Pulp-Thriller zieht seine beknackte Story jedoch konsequent mit einer solchen Ernsthaftigkeit durch, dass man dessen Hingabe zum vollkommenen Irrsinn einfach nur bewundern muss.

    Unterm Strich bleibt mit „Butt Boy“ ein origineller Mischmasch aus solide inszeniertem Pulp-Thriller und amüsant-absurder Fäkal-Klamotte, die die Gemüter so sehr spalten wird, wie kaum ein anderer Film beim diesjährigen SLASH.

    Eines darf aber gewiss gesagt werden: So ‚oasch’ wie der Titel suggerieren würde, ist dieser Film keineswegs!