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  • Bewertung

    BDSM-Romanze mit Herz und Seele

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Kino-Romanzen sind oft simpel aufgebaut. In der Regel finden zwei missverstandene und ungleiche, aber im Kern doch ähnliche Seelen zueinander, und verlieben sich. Einem ähnlichen Grundkonzept bedient sich der Finne Jukka-Pekka Valkeapää in seinem neuem Drama „Dogs Don't Wear Pants“, widmet sich dabei aber einem eher wenig beleuchteten Milieu.

    Valkeapääs Film handelt von Juha (Pekka Strang), einem Familienvater und Chirurgen mittleren Alters, der einst seine Ehefrau in einem verheerenden Unfalltod verloren hat. Auch zehn Jahre später hat Juha die Wunden der Vergangenheit noch nicht verarbeitet und führt ein tristes Dasein mit seiner Teenager-Tochter Elli. Als er jedoch eines Tages durch Zufall in die Arbeitsstätte der Domina Mona (Krista Kosonen) gerät, tritt endlich Veränderung in sein Leben ein. Mithilfe autoerotischer Erstickung erhält Juha eine Vision seiner verstorbenen Frau, und da er wieder in diesen Zustand zurückkehren möchte, wird er schon bald zum Stammkunden in Monas Sadomaso-Kerker. Während sich die beiden während ihrer Treffen immer näher kommen, Juhas Verlangen zur Verarbeitung des persönlichen Traumas aber immer selbstdestruktiver werden, fühlt sich Mona dazu gezwungen, ihn vor den möglichen Konsequenzen zu warnen.

    Was auf Papier nach einem zerschmetternden Drama klingt, kommt in der Ausführung um einiges herzerwärmender und feinfühliger daher, als man es sich basierend auf der Prämisse erwarten würde. Valkeapää hat ein außergewöhnliches Werk geschaffen, das zur selben Zeit eine intime Charakterstudie über einen gebrochenen Mann, der seine inneren Wehen mit physischem Schmerz kompensieren will, und ein romantisches Drama geworden ist. Überraschend kommt zudem eine unerwartete Portion tiefschwarzer Komik, die hier und da miteingestreut wurde, und sich erstaunlich gut in den Film einreiht. Einen gewissen Schock- und Ekelfaktor kann man dem Drama durch seine recht grafische Darstellung der BDSM-Szenen nicht absprechen, dieser wirkt durch die Authentizität und der (szenenweise auch bewusst stilisierten) Inszenierung aber kein bisschen aufgezwungen oder gar plakativ.

    Schauspielerisch liegt der Film nahezu alleinig auf den Schultern von Hauptdarsteller Pekka Strang. Dieser leistet einen ehrwürdigen Job und schafft es, sowohl den inneren Schmerz als auch die glücklicheren Momente im Leben unseres Protagonisten Juha subtil und ohne Hang zur artifiziellen Theatralik wiederzugeben. Da sein Counterpart Mona als mystische Femme Fatale aufgebaut wurde, bekommt Krista Kosonen mit der Rolle zwar nicht so viel zu tun, weiß aber dennoch eine überzeugende Figur abzugeben und Chemie zu ihrem Gegenüber herzustellen.

    „Dogs Don‘t Wear Pants“ ist zeitgleich ein tiefgehendes Drama, eine absurde schwarze Komödie und eine zärtliche Romanze, die in eine letzte Einstellung mündet, die selbst den ZynikerInnen unter uns das Herz aufgehen lassen wird.

    Starkes Extrem-Kino aus Europa!