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    I Will Always Find You

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    Wenn man vor Beginn der Filmvorführung darauf aufmerksam gemacht wird, dass man die zuvor erhaltenen 3D-Brillen erst nach ca. 70 Minuten aufsetzen soll, ist dies sicherlich ein Zeichen für ein Kinoerlebnis der besonderen Art. Bei Bi Gans neuestem Film „Di qiu zui hou de ye wan – Long Day’s Journey Into Night“ handelt es sich auch auf jeden Fall um eine sehr spezielle filmische Erfahrung, die vordergründig eine Demonstration der technischen Mittel des Mediums Film beinhaltet.

    Luo Hongwu (Huang Jue) kommt nach Jahren der Abwesenheit in seine Heimatstadt zurück, nachdem er in diese aufgrund eines von ihm begangenen Mordes eigentlich nie wieder zurückkehren wollte. Sein Vater ist tot, in seinen Besitztümern findet er allerdings das Foto einer mysteriösen Frau. Luo folgt in weiterer Folge dem Drang, besagte Frau ausfindig zu machen und findet sich auf einer Reise voller mysteriöser Gegebenheiten und träumerischer Inhalte wieder.

    Zwei Erkenntnisse haben sich für mich nach der Sichtung von „Di qiu zui hou de ye wan – Long Day’s Journey Into Night“ ergeben:
    Erstens ist es sicherlich nicht ratsam, den Film um 23:00 Uhr anzusehen. Die traumähnliche Ästhetik des Filmes und die wenig ausgereifte Narration sind Faktoren, die einem die eigene Müdigkeit noch stärker vor Augen führt. Dass der Protagonist im Film selbst auch einschläft, was wiederum Anlass für die folgende, 70-minütige 3D-Traumsequenz ist, wirkt schon fast wie ein versteckter Hinweis.
    Zweitens sollte man nicht versuchen, die Handlung in einem logischen Kontext verstehen zu wollen. Denn diese ist sehr verschachtelt und verwirrend angelegt und es scheint, als wäre deren sinnvoller Verlauf kein ausschlaggebendes Kriterium bei Bi Gans filmischer Umsetzung gewesen.

    Denn das Hauptaugenmerk liegt zweifelsohne auf der visuellen Gestaltung des Films. Er erscheint in diesem Sinne wie ein Musterbeispiel des Neo-Noirs, bei dem vor allem die Verwendung der Farben und atmosphärisch aufgeladenen Bildern ins Auge stechen. Die Musik erscheint dahingehend auch ganz passend, bei der Kameraführung wiederum ist das nicht immer der Fall. Manchmal übertreibt Gan es nämlich mit der ausschweifenden Verwendung von sehr langen tracking shots, die nie zu enden scheinen.

    Während „Di qiu zui hou de ye wan – Long Day’s Journey Into Night“ zwar visuell äußerst reizvoll ist, ist er in gleichermaßen vor allem eines: langweilig. Der Traum, den Regisseur Bi Gan auf die Leinwand bringt, ist nicht nur sehr abstrakt, sondern wirkt auch äußerst konfus. Scheinbare Einflüsse von Hitchcocks „Vertigo“ und Tarkovskis „Stalker“ täuschen dabei auch nicht über das pseudo-tiefgründige Drehbuch hinweg.
    Das kann nicht mal mehr die 3D-Sequenz verbessern, die immerhin etwas spannender als der Rest des Films ist. Bi Gans neuester Film wirkt fast schon wie ein Experimentalfilm - der aber keiner sein soll.
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    (Marion Schlosser)
    11.11.2018
    10:09 Uhr