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Bilder: Constantin Film Fotos: Constantin Film
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    Auf den Spuren einer ausgestorbenen Zivilisation

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2017
    Das Genre des Abenteuerfilms hat im Laufe der Filmgeschichte schon einige Meilensteine des Kinos hervorgebracht. Zwar sind populäre Abenteuerfilme, wie etwa der Großteil der „Indiana Jones“-Reihe richtig tolle Filme, jedoch zeichnete sich das Genre in den meisten Fällen eher mit surrealen Elementen, als mit einer realitätsnahen Herangehensweise aus. Regisseur James Gray („The Immigrant“) hat nun mit der Verfilmung des Abenteuerromans „The Lost City of Z“ auf sämtliche übernatürliche Elemente verzichtet und dabei besonders viel Wert auf eine in der Realität geerdete Inszenierung gelegt.

    Basierend auf dem gleichnamigem Buch von David Grann wird hier die wahre Geschichte von Percy Fawcett erzählt. Da Percy aufgrund seiner Abstammung kaum Chancen auf eine Karriere in der britischen Armee hat, wird er von der Royal Society zur Landvermessung nach Bolivien geschickt. Trotz der ganzen Gefahren, verliebt er sich schon bald in den faszinierenden Dschungel Südamerikas. Während der Expedition stößt er auf Spuren einer offensichtlich ausgestorbenen Zivilisation und ist überzeugt von der Existenz einer verschollene Stadt, die er „Z“ tauft. Als er dann jedoch nach England zurückkehrt, glaubt ihm kaum jemand und viele bezeichnen seine vermeintliche Entdeckung gar als Hirngespinst. Da er sich nun dazu gezwungen fühlt aufzuzeigen, dass er Recht hat, macht er sich zur Lebensaufgabe die versunkene Stadt „Z“ zu entdecken.

    Ein wichtiger Punkt, der zur bereits erwähnten realitätsnahen Atmosphäre beiträgt, ist sicherlich die brillante technische Umsetzung. Egal ob nun prächtige Bauten im alten England oder die altmodische Expedition nach Südamerika – durch das bis ins kleinste Detail fein durchdachte Set- und Kostümdesign, fühlt man sich als würde man zurück zum Anfang des 20. Jahrhunderts verfrachtet werden. Verstärkt wird das Ganze von einer unfassbar echt wirkenden Soundkulisse, die vom Rauschen des Amazonas hin zu dem Zirpen der Insekten im Dschungel reicht. Zudem tragen die mehr als überzeugenden schauspielerischen Darbietungen zur Authentizität des Abenteuerfilms bei. Hervorzuheben wäre vor allem Hauptdarsteller Charlie Hunnam („Sons of Anarchy“), der Percys Obsession die Existenz der Stadt „Z“ mit allen Mitteln beweisen zu wollen, auf den Punkt bringt. Dabei hat Hunnam nicht außer Acht gelassen, seinem Charakter Tiefe zu verleihen, die vor allem in den bewegenden Momenten mit seiner Frau Nina (Sienna Miller) und deren gemeinsamen Kindern zum Vorschein kommt. Bei den Nebenrollen sollte man keineswegs vergessen, das überzeugende Spiel von Robert Pattinson in der Rolle von Percys treuen Reisegefährten Henry Costin zu erwähnen. Pattinson beweist hier ein für alle Mal, dass er die Schreckenstage von „Twilight“ schon lange hinter sich gelassen hat und überzeugt trotz eines vollbärtigen Gesichts in emotionalen Momenten vor allem mit seiner Mimik.

    Abgesehen von der gesamten realitätsnahen Herangehensweise, verzaubert einen der Film auch durch seine wunderschöne Ästhetik. Romantische Szenen, die in den Händen anderer Filmemacher vermutlich in pathetischen Schmalz abgedriftet wären, werden durch Grays atemberaubend eingefangene Bildkompositionen zu unvergesslichen Kino-Momenten. Zwar weit düsterer, aber ähnlich emotional mitreißend ist eine kurze bildgewaltige Sequenz, die während des Ersten Weltkriegs spielt und den sinnlosen Horror dahinter eindrucksvoll für die Leinwand einfängt. Meine einzige Problematik mit dem Film ist ein abruptes Ende, das man in meinen Augen auch ohne den Verlauf der „wahren“ Geschichte zu ändern, eleganter hätte lösen können.

    Jedoch lässt sich insgesamt sagen, dass dem sehr talentierten James Gray mit seiner filmischen Adaption zu „The Lost City of Z“ ein bildgewaltiges und trotz einer Lauflänge von knapp zweieinhalb Stunden kaum langweiliges Abenteuerdrama mit starken Charaktermomenten und tollen Performances gelungen ist, das mit einer fürs Genre ungewöhnlichen Authentizität auf ein weiteres Level gehoben wird. Besonders auf der großen Leinwand ein wahres Erlebnis!
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    (Christian Pogatetz)
    20.02.2017
    23:21 Uhr