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  • Bewertung

    Altgriechisches Sandalen-/-Surreal-„Pulp Fiction“

    Exklusiv für Uncut
    Es ist nicht so einfach, die vielen Elemente des Filmes mit den zahlreichen höchst unterschiedlichen Eindrücken zu verknüpfen, die dieses Monstrum von einem Film beim Zuseher auslöst. Darunter sind Momente der beeindruckenden Ästhetik ebenso wie Augenblicke des Grauens und der völligen Orientierungslosigkeit. Und über allem schwebt im Hinterkopf das Wissen: der Film entstand quasi ohne jedes Budget mit über 300 Freiwilligen und einer kleinen „Gruppe“ (so heißt sie auch wirklich) von Schauspielern aus Tschechien und Österreich, die weniger der gut bezahlte Filmvertrag als die Freude am Inszenieren und Spielen und am Filmen über insgesamt fünf Jahre lang an der Stange hielt.

    Die Regisseure Silar und Cikan haben beide keine Filmakademie besucht oder eine Reihe von Referenzproduktionen vorzuweisen, sondern haben aus einer Idee und einer Vorlage aus der alten griechischen „Schundliteratur“ einen waschechten Sandalenfilm mit skurril-theatralischen Sequenzen gedreht, der seine Vorlage und Leidenschaft nicht ernster nehmen könnte, sich selbst aber als Resultat immer wieder offensichtlich nicht so ernst nimmt. Das gibt diesem Film, wie man ihn kein zweites Mal in langer Zeit sehen wird, das letzten Endes Leichte, Verrückte und Liebenswerte – allem Filmblut zum Trotz, denn es wird vom Herzblut, das für dieses Resultat vergossen wurde, mehr als nachgefüllt.

    Grandios und atemberaubend schön sind die Bilder von Kameramann Dvoracek und auch die Musik aus der Feder und dem Dirigentenstab von Hans Wagner wechselt zwischen Anspielungen auf alle Größen seines Metiers, ohne dabei nicht für sich genommen atmosphärische Dichte zu erzeugen. Insgesamt bleibt der Film aber ein besonders merkwürdiges und schräges Exemplar seiner Art, das man sich keineswegs auf nüchternen oder empfindlichen Magen ansehen sollte. Quentin Tarantinos „Pulp Fiction“ kostete ein Vielfaches dieses Filmes und ist bei allem Kultfaktor um seine Genialität und die Darstellung der Gewalt im Vergleich dazu eine „Herzkino“-Folge auf ZDF am Sonntagabend.
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    (Dr. Markus Löhnert, MA)
    10.06.2016
    14:37 Uhr
    Draco dormiens nunquam titillandus.
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