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Interview mit Otto Waalkes als Stimme des Grinch

Interview mit Otto Waalkes als Stimme des Grinch

Diese Woche startet die neue Verfilmung von „Der Grinch“ in den Kinos. In der deutschen Version spricht Blödelkönig Otto Waalkes den Grinch. Im Rahmen eines Roundtable-Interviews durfte sich UNCUT mit der deutschen Comedy-Legende treffen.
Wohl kaum ein anderer deutscher Komiker dürfte einen so vielen Generationen ein Begriff sein wie Otto Waalkes. Der mittlerweile 70-jährige Comedian erfreut sich mit seinem speziellen Humor schon seit Jahrzehnten beim jungen wie auch älteren Publikum großer Beliebtheit. Seit Mitte der 80er-Jahre taucht der gebürtige Ostfriese auch sporadisch in Filmen auf und drehte unter anderem die kultige „Otto“-Reihe, in deren Rahmen er bereits Mitte der Neunziger als Synchronsprecher tätig wurde. Seit mittlerweile 16 Jahren leiht er dem Faultier Sid in der deutschen Fassung den „Ice Age“-Filme die Stimme. Nun durfte Waalkes einen Charakter synchronisieren, der im Gegensatz zu Sid ein weit grimmigeres Gemüt an den Tag legt, und zwar den Grinch. Basierend auf dem weltbekannten Kinderbuch „Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat“ des Kult-Autors Dr. Seuss handelt es sich bei der neuen computeranimierten Verfilmung von Illumination Entertainment um die bereits dritte filmische Auseinandersetzung mit dem Stoff. In der englischen Originalfassung wurde der Grinch von „Sherlock“-Star Benedict Cumberbatch gesprochen und in der deutschen Synchronisation nun eben von Otto Waalkes vertont. Letzten Freitag legte Waalkes im Rahmen der Promotion-Tour für „Der Grinch“ einen kleinen Zwischenstopp in Wien ein. Christian Pogatetz traf dort zusammen mit drei weiteren Journalisten den „Ottifanten“-Erfinder bei einem Roundtable-Interview.

Bild aus dem Film „Der Grinch“ (Universal Pictures International)
Wie ungewohnt ist es für jemanden, der eigentlich dafür bekannt ist, lustige Rollen zu spielen, zur Abwechslung eine so zornige Figur zu sprechen?

Otto Waalkes: Das ist wirklich eine ziemlich große Herausforderung. Die Aufgabe besteht ja darin, diesen Grinch mit Otto kurzzuschließen. Sonst wäre da nur ein fieses grünes Biest, das zufällig gesprochen wird von Otto. Das war ja schon bei Sid so: da war ein Faultier in der Eiszeit, das auf den ersten Blick keine Ähnlichkeit mit mir hatte. Daraus wurde rasch eine Einheit, ein eiszeitliches Faultier, das ohne Ottos Stimme kaum noch denkbar war. Aus uns beiden ist eine Einheit geworden – das heißt, dass du nicht nur Ottos Stimme hörst, sondern dass du auch Otto darin siehst, ohne dass dies Wesen an Glaubwürdigkeit verliert. Es war einfacher, weil Sid schon Züge meiner Komik mitbrachte. Beim Grinch ist das schon anders. „Ich werde den Kindern das Weihnachtsfest verderben“ – das klingt nicht nach Otto.

Das Synchronsprechen ist ja ein ziemlicher Gegensatz zu Ihren Live-Auftritten. Macht Ihnen das Spaß?

Otto: Du sitzt da halt in einem Raum, du fühlst dich wie in Einzelhaft. Du sitzt da eine Woche lang still, beobachtet von Leuten, die dich scharf kontrollieren: Regisseure, Produzenten, Toningenieure - und alle achten darauf, dass du genau lippensynchron draufliegst. Das ist eine ganz andere Welt. Hat mit einem Live-Auftritt überhaupt nichts zu tun. Aber das Gesamtpaket ist die spätere Belohnung, wenn das die Kinozuschauer sehen und ihren Spaß daran haben, dann freut man sich auch so. So ist ähnlich es ja beim Film: Du drehst da zehn Stunden am Tag und dann werden eineinhalb Minuten genommen. Und dann kommt aus diesem Stückwerk im Idealfall was Erfreuliches raus. Das wiegt das Live-Vergnügen dann beinah auf.

Feiern Sie selbst gerne Weihnachten?

Otto: Ja ja, ich komm ja aus einem Haushalt, wo wir immer schon Weihnachten gefeiert haben, ganz traditionell. Die Eltern haben immer fleißig die Geschenke gekauft und uns vom Weighnachtsmann erzählt...(lacht) Um fünf Uhr wurden dann die immer gleichen Lieder gesungen - um den Weihnachtsbaum herum. So war's immer bei uns: Alle sitzen da und versuchen die Texte richtig zu singen, sonst gibt´s ja keine Geschenke (lacht). Und um 18 Uhr die Bescherung, danach immer das gleiche Essen und dann im Laufe des Abends lässt man sich gemütlich volllaufen: da wird's nett, da wird's richtig nett (lacht). Das haben wir 20 Jahre so gehalten.

Glauben Sie es ist im jetzigen Zustand der Welt eine gute Zeit für Komödianten?

Otto: Es gab selten bessere. Speziell in Amerika, da danken die Comedians dem Herren, der ihnen diesen Präsidenten beschert hat. Da ist für Comedy gesorgt, praktisch täglich - ob das Late Night ist oder daily: für jeden Comedian bleibt genug übrig. Ich bin selbst kein Kabarettist: dazu fehlen mir die profunden Einsichten in die gesellschaftlichen Entwicklung. Ich habe auch nicht die Absicht, die Welt zu erklären. Ich trage eher zur Erheiterung als zur Verbesserung bei.

Gibt es für Sie Identifikationspotenzial mit dem Grinch?

Otto: Am Anfang hatte ich Identifikationsprobleme, aber dann hab ich gemerkt, dass unter der rauen Schale eigentlich ein weiches Herz schlägt. Es hat mir Spaß gemacht, diesen Gesinnungswandel nachzuvollziehen - auch stimmlich. Insofern war es meine erste Charakterrolle – vorwärts und rückwärts.

Was haben Sie mit der Figur gemeinsam?

Otto: Na, die grüne Unterhose und die grünen Schuhe hier. (lacht)

Können Sie uns etwas über Ihr neues kommendes Filmprojekt erzählen?

Otto: Es gab in den 70er Jahren im Fernsehen eine englische Serie über einen Magier aus dem Mittelalter, der eine Zeitreise in die Neuzeit unternimmt: Sein Name ist „Catweazle“. Er ist ein Druide, und den werde ich spielen. Wir haben die Rechte bekommen, daraus einen Kinofilm zu machen. Wenn alles glatt geht, kommt der nächsten Winter in die Kinos.

Stehen demnächst auch weitere Synchronarbeiten am Plan?

Otto: Ich bin ja kein Synchronsprecher. Es war Zufall, dass Sid so gut zu mir gepasst hat und die „Ice Age“ Filme so erfolgreich wurden in Deutschland. Angefangen habe ich mit dem Glücksdrachen Mushu in „Mulan“: den hab ich sogar mit meiner eigenen Stimme gesprochen. Für Sid und den Grinch jetzt musste ich meine Stimme verstellen – auch eine gute Übung. Aber noch lieber mach ich meine eigenen Filme.

Wenn sie auf die Straße gehen, wie lange dauert es, bis man sie erkennt und anspricht?

Otto: Das ist anstrengend. Ich war am Wiener Schwedenplatz, da war eine Menschenmenge und einer hat ganz laut gerufen: „Da ist Otto“: Alle drehten sich um und schauten mich an. Ich wurde ganz verlegen. Vielleicht hätt ich doch nicht so laut rufen sollen (lacht). Ich will ja erkannt werden - manchmal brauche ich das - als Stimmungsbarometer.

Mehr dazu auf Uncut:
Der Grinch - Otto Waalkes

Forum

  • Cooles Interview

    OTTO hat mich als Teenager mit seinen OTTO-Filmen begeistert!
    Synchronisation finde ich ist auch eine Kunst.
    leandercaine_0fc45209c9.jpg
    29.11.2018, 15:19 Uhr