Sarajevo Film Festival
Sarajevo Film Festival - Tag 8

Sarajevo Film Festival - Tag 8

Während die Panorama-Sektion heute ein kleines Insider-Meisterwerk zu bieten hatte, geht der schwache Wettbewerb nun endlich zu Ende.
Nachdem heute mit dem serbischen Film „Tilva Ros“ ein weiterer unterdurchschnittlicher Film im Wettbewerb gezeigt wurde, sind nun alle neun um den Hauptpreis konkurrierenden Filme gescreened und es wird Zeit für eine Conclusio bevor morgen die Verleihung stattfindet: Richtig preisverdächtig war kaum einer der Filme und vor allem diejenigen, die vorher auf großen Festivals liefen, enttäuschten sehr. Einzig und allein konnte „Jasmina“ das Publikum zum jubeln bringen, doch auf Grund der schlichten und oft an Fernsehen erinnernden Inszenierung, rechne ich dem Film nur Chancen in den Darstellerkategorien, insbesondere für die männliche Hauptrolle (Zijah Sokolovic) ein. Ad Darstellerpreis: Wohlverdient wäre auch eine Auszeichnung für Èva Gábor, die „Adrienn Pál“ trägt und auf Grund ihres trockenen Minimalismus eine herrliche Prise schauspielerischen Humor in eine sehr ernste Story bringt. Der Hauptpreis könnte durchaus ebenso an „Adrienn Pál“ gehen, doch überraschend gut kam auch der einzige österreichische Beitrag in competition, „Inside America“ von Barbara Eder, an.

Die Jury hat dieses Jahr leider nur die Wahl zwischen schlechten und mittelmäßigen Filmen und somit kann man nur hoffen, dass sie sich für das Mittelmaß entscheidet.

Die „Panorama“-Sektion des Festivals ist (ähnlich wie bei der Berlinale) dieses Jahr um einiges spannender als der Wettbewerb. Heute konnte ich einen Beitrag aus dem von Howard Feinstein zusammengestellten Programm sehen: Die japanische skurrile Komödie „Symbol“ ist, wie man auch der Kritik entnehmen kann, auf Grund ihrer Absurdität (und Genialität) nur sehr schwer in Worte zu fassen. Doch um es kurz auf den Punkt zu bringen: Dies ist wohl der bedeutendste Drogen(rausch)film seit „Fear and Loathing in Las Vegas“ und das, obwohl es sich hier keineswegs um Drogen handelt.

Das Open Air Programm hatte heute den argentinischen Auslandsoscar-Gewinner „The Secret in their Eyes“ zu bieten. Dieser spannende stimmungsvolle Neo-Noir konnte das Publikum Sarajevos hellauf begeistern, doch es ist auch offensichtlich, dass sich die Academy bei der letzten Verleihung wohl einfach für diesen leicht konsumierbaren Film entschieden hat anstatt der anderen beiden Favoriten, die jedoch die besseren Filme waren: „Un Prophete“ und „Das Weiße Band“.

Morgen, am letzten Tag des Festivals, geschieht traditionsgemäß in den Kinos eher wenig. Jedoch stehen zwei große Veranstaltungen am Programm: Morgan Freeman steht beim „Toffee with …“ dem Publikum Rede und Antwort. Wenige Stunden später erfolgt die Preisverleihung. Trotz eines schwachen Festivaljahres, bleibt es natürlich spannend.