Filmkritik zu Jack

Bilder: Filmverleih Fotos: Filmverleih
  • Bewertung

    Eine besondere Heldengeschichte

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2014
    Es ist mehr als ein sozialkritisches Drama, das sich in diesem Film auftut. Es ist eine Heldengeschichte der besonderen Art. Nicht die, die groß draufhauen und Heerscharen von Gegnern überwinden, sondern jene, die sich auf einen langen und beschwerlichen Weg machen, um die Welt zu retten, die ihr Zuhause ist, sind die wahrlich großen Helden. Das wissen wir eigentlich spätestens seit „Herr der Ringe“, denken dabei aber immer nur an fiktive Welten, erschaffen in der Fantasie ihrer Verfasser, die angenehm weit weg von unserem täglichen Alltag existieren.

    Dass dem nicht so ist, zeigt dieser Film auf eine aufrüttelnd realitätsnahe und zugleich berührend einfache Art und Weise, wenn er sein Publikum auf die Reise des ungefähr 10jährigen Jack (bemerkenswert gespielt von Ivo Pietzcker) und seinem kleinen Bruder Manuel (Georg Arms) nimmt, die die beiden Kinder in beinahe allen Ecken der Großstadt Berlin führt, in denen sie in ihrem Alter eigentlich nichts verloren haben, außer ihre Mutter, die plötzlich verschwunden und nirgendwo zu finden ist.

    Für seinen kleinen Bruder wird Jack zum Ankerpunkt jeglicher Fürsorge, für die eigentlich die Erwachsenen zuständig wären, die sich allesamt aus ihrer Verantwortung drücken, nicht zu erreichen sind oder nur für das Jugendamt als Vollstrecker von ungeliebten Urteilen auftreten. Von niemandem in seiner Umgebung geliebt als von seiner unzuverlässigen Mutter und von niemandem gebraucht, außer von seinem kleinen Bruder, wird Jack zum Helden. Er rettet für sich und seinen Bruder die Welt, in der sie aufwachsen und sei es nur um den Preis des Aufwachens in einer neuen, größeren Welt, in der das bisher Vertraute nicht mehr vorkommen wird.

    Mit viel Feingefühl und Spürsinn für die Zwischentöne zeichnet Regisseur Edward Berger die Hauptfiguren des Filmes und schickt sie zu einem Abenteuer los, das ohne viel Zutun sehr schlecht ausgehen kann. Gemeinsam mit Nele Müller- Stöfen hat er auch das Drehbuch verfasst, das mit wenigen Dialogen auskommt und je weiter der Film voran schreitet auf Jack als Ankerpunkt und Mitte der Erzählung setzt. Dank des großen Talents seines jungen Hauptdarstellers Ivo Pietzcker geht das Konzept auf. Mit einem sehr überraschenden und offenen Schluss entlässt er zudem sein Publikum ins Weiterdenken und vielleicht auch in die Reflektion über den eigenen Umgang mit Verantwortung.
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    (Dr. Markus Löhnert, MA)
    07.02.2014
    20:33 Uhr
    Draco dormiens nunquam titillandus.
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