Filmkritik zu Rewind & Play

Bilder: Filmverleih Fotos: Filmverleih
  • Bewertung

    All that Jazz

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    Winter 1969 in Paris. Der afroamerikanische Jazz-Pianist Thelonious Monk ist zu einem Interview für das französische Fernsehen eingeladen. Geführt wird es von einem Moderator, mit mühseligen Verhalten, vorgetäuschten Charme und unpassend ausgewählten Interview-Fragen. Seine groteske, klischeehafte Performance wirkt wie ein meisterhaftes Schauspiel. Entgegen dem Schein einer schauspielerischen Inszenierung findet sich ‘Rewind & Play’ im Genre der experimentellen Musikdokumentation.

    Schauplatz des Interviews ist ein schwarzer Raum mit einem Flügel in der Mitte. Thelonious trägt eine auffallende Kopfbedeckung, einen prächtigen Bart und spielt seinen unverwechselbaren Klavierstil in perfekter Kombination mit individuellen Improvisationen. Anders als sein musikalisches Auftreten erscheint er im Interview als wortkarge und introvertierte Persönlichkeit. Das Talent des Ausnahmekünstlers wird vom Fernsehteam nicht erkannt und schon gar nicht wertgeschätzt.

    Der Zuschauer erlebt eine einzige Aktion - nämlich das Interview - hinter den Kulissen. Fragen werden wiederholt, Thelonious wird gelegentlich irritiert, in der Zwischenzeit kommt es zu Komplikationen bei Kamera- und Tonaufnahmen, weshalb das Publikum dieselbe Aktion zwei, dreimal oder öfter mitbekommt.
    Alltagsrassismen im Wortgebrauch des Journalisten, Absurditäten wie das sofortige Löschen von Fragen bei nicht zufriedenstellender Beantwortung und Peinlichkeiten von Seiten des Fernsehteams wirken wie Karikaturen.

    Die unkonventionelle Methode altes TV-Material durch Schnitt und Montage neu zu definieren enthüllt effektiv die herrschende Abstraktheit der abstoßenden Interviewführung sowie die abstrakte Ästhetik der komplex, ausdrucksstarken Musik von Thelonious Monk.
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    24.10.2022
    09:12 Uhr