Bilder: A24 Fotos: A24
  • Bewertung

    Waren einmal Revoluzzer?

    Exklusiv für Uncut vom Sundance Film Festival
    Jesse Eisenberg kennt man eigentlich als Schauspieler, der in seiner knapp zwei Jahrzehnte umfassenden Karriere schon des Öfteren in die Rolle des neurotischen Nerds geschlüpft ist. Am besten bekannt ist der heute 38-jährige Amerikaner für seine oscarnominierte Darstellung des milliardenschweren Social-Media-Moguls Mark Zuckerberg im Facebook-Drama ,,The Social Network“. Nun geht der begnadete Mime unter die Regisseure. Für die Tragikomödie „When You Finish Saving the World“, die auf Eisenbergs selbstverfassten gleichnamigen Audiobuch basiert, wagt sich der Schauspieler erstmals hinter die Kamera.

    Der Film widmet sich einem auf den ersten Blick ungleichen Mutter-Sohn-Gespann, das bei genauerer Beobachtung doch mehr gemein hat, als die beiden zugeben würden. Evelyn Katz (Julianne Moore) ist die Leiterin einer Aufnahmestelle für Opfer häuslicher Gewalt. Sie hat es sich auf die Fahne geschrieben, ein „moralisch“ handelnder Mensch zu sein. Dass sie mit ihren noblen Absichten doch ab und an auch über das eigentliche Ziel hinausschießt, ist ihr selbst nicht bewusst. Ihr pubertierender Sohn Ziggy (Finn Wolfhard) ist stattdessen auf eine gewinnbringende Internet-Karriere fixiert und findet kaum mehr Zeit für seine Mutter, die er früher stets zu Protesten begleitet hatte. Viel lieber versorgt der egozentrische Teenie seine Online-Fancommunity mit eigens geschriebenen und ungelenk gereimten Songtexten. Als sich der High-Schooler in seine politisch aktive Mitschülerin Lila (Alisha Boe) verguckt, täuscht er im (Irr-)Glaube, dadurch bei ihr landen zu können, eine aktivistische Ader vor. Evelyn versucht unterdessen die distanzierte Beziehung zu ihrem Sohn zu kompensieren, indem sie ein enges Verhältnis zum Teenager Kyle (Billy Bryk) aufbaut, dessen Familie sie Unterschlupf gewährt, aufbaut. Sie möchte den Jugendlichen dazu ermutigen, seine eigenen Zukunftspläne zu überdenken und ihm weismachen, er sei zu „Größerem“ bestimmt. Früher oder später müssen aber sowohl Evelyn als auch Ziggy realisieren, dass ihr übermütiges Verhalten lediglich dem Zweck dient, das jeweils eigene Ego aufzuplustern.

    Eisenberg seziert in seinem Regiedebüt narzisstische Verhaltensweisen selbsternannter Weltverbesserer. Julianne Moores Evelyn Katz verkörpert dabei den Stereotyp einer weißen, liberalen Frau, die ihre scheinbar karitative Ader oftmals (unterbewusst?) zur Selbstdarstellung missbraucht. Ihr gegenübergestellt wird Sohn Ziggy, der, seiner Mutter nicht unähnlich (wenngleich auf anderem Wege), ständig nach der Bestätigung anderer sucht. Die scheinbar aufgeklärte, im Kern aber zutiefst privilegierte Weltanschauung der beiden wird Schritt für Schritt auseinandergenommen. Das Problem ist jedoch, dass die knapp eineinhalbstündige Tragikomödie in manchen Momenten genauso oberflächlich geraten ist, wie die Figuren, die sie porträtiert. In seinen besten Momenten ist der Film eine amüsant-treffende Satire über „White Privilege“ und performativem Aktivismus. Trotz vieler unterhaltsamer Szenen (ein Moment, in dem Ziggy zu einem Gedicht über die Historie der Marshallinseln masturbiert, bleibt im Kopf) behandelt Eisenberg sein Sujet doch wenig subtil, was die Aussagekraft seines Debüts limitiert. Immerhin geben Oscar-Preisträgerin Julianne Moore („Still Alice“) und „Stranger Things“-Star Finn Wolfhard ein überzeugendes Mutter-Sohn-Duo ab. Auch formal beweist Eisenberg, dass zumindest inszenatorisches Können in ihm schlummert. Erzählerisch mag das alles noch etwas unausgereift daherkommen, doch ist ,,When You Finish Saving the World“ schlussendlich kurzweilig genug, um sich das Prädikat „sehenswert“ zu verdienen.