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    Das unheimliche Wesen aus dem britischen Laientheater

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Mit „Alien“ erschuf Ridley Scott 1979 in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Bildhauer HR Giger ein außerirdisches Wesen, das sich über die Jahre zum unsterblichen Popkulturgut erhob. Der Einfluss des Sci-Fi-Meilensteins zog unzählige Fortsetzungen, Prequels, Videospiele oder gar Crossover nach sich. Auf die Idee, die Geschichte rund um die Besatzungscrew des Raumschiffs Nostromo, die nach für nach von einer eindringenden Aliengestalt dezimiert wird, auf die Bühne zu verfrachten, kam aber lange Zeit niemand. 2019 verbreitete sich die Schlagzeile, dass eine Highschool den Filmklassiker in eine Bühnenproduktion verwandeln würde, wie ein Lauffeuer. Selbst Ripley-Darstellerin Sigourney Weaver höchstpersönlich wurde letztendlich auf das Stück aufmerksam. Dass ein ähnliches Unterfangen in England jedoch schon ein paar Jahre zuvor in die Wege geleitet wurde, war vielen bislang wohl nicht bewusst. Tatsächlich versuchte davor nämlich bereits ein Amateurtheater bestehend aus Busfahrer*innen, den Sci-Fi-Schocker für die Bühne zu adaptieren. Die Regisseurinnen Danielle Kummer und Lucy Harvey begleiteten das Laientheater aus dem britischen County Dorset und seine schrille Crew über einen längeren Zeitraum mit der Kamera. Das herrlich schräge Ergebnis darf nun in der Doku „Alien on Stage“, von der obskuren Idee hin zur fertigen Bühnenshow, bestaunt werden.

    Die Dokumentation wirft unterhaltsame Blicke hinter die Kulissen des Laienstücks und rückt die kauzigen Charaktere, die das Busfahrer-Ensemble auszeichnen, in den Vordergrund. Es ist gerade der unzähmbare Enthusiasmus der Besetzung und die pure Hingabe der gesamten Crew, die „Alien on Stage“ zu einem überaus sympathischen und wohltuenden Seherlebnis machen. Obwohl viel des Charmes von der billigen DIY-Inszenierung und den selbstgemachten Requisiten ausgeht, macht sich der Film zu keiner Sekunde über das tollpatschige Busfahrer-Theater lustig. Vielmehr kann die Doku als liebevolle Ode an menschliche Willenskraft und Kreativität gelesen werden. Umso zufriedenstellender sind die finalen Momente der Doku, die eine ausverkaufte Aufführung der Show in einem gefragten Londoner West End-Theater zeigen. Das herzhafte Lachen und der tosende Applaus des Publikums wird von der sichtlich gerührten Crew dankend angenommen. Ein standhafter Wille und ganz viel Leidenschaft reichen manchmal aus, um aus einer kleinen, skurrilen Idee etwas Unvergessliches zu machen.