Filmkritik zu White Snake

Bilder: Warner Bros Fotos: Warner Bros
  • Bewertung

    Die Legende von der weißen Schlange

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    2013 wurden die Light Chaser Animation Studios gegründet, die die Produktion von Animationsfilmen, die einen kulturellen Background an chinesischen Traditionen und Mythen mit sich bringen, zum Ziel haben. „White Snake“, ein Animationsfilm für Erwachsene, der den vierten Eintrag in deren Filmliste ausmacht, stellt eine Adaption der berühmten chinesischen Legende der weißen Schlange dar und wartet jedenfalls mit so einigen ansprechenden Bildern und charmanten Charakteren auf.

    Blanca (Zhang Zhe), ein weißer Schlangengeist, der eine menschliche Gestalt annehmen kann, wird in das Dorf der Schlangenfänger geschickt, um den gefürchteten Diktator zu ermorden. Dieser benutzt die Lebensenergie von Schlangen, um seine dunkle Magie zu stärken. Blanca verliert jedoch ihr Gedächtnis, bevor sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen kann. Als sie auf den gutherzigen Schlangenfänger Sean (Tianxiang Yang) und dessen treuen Gefährten, den Hund Doudou, trifft, soll sich das Leben der Beiden jedoch für immer verändern: denn Blanca und Sean verlieben sich, was nicht nur Blancas Verhältnis zu ihrer Schwester, der grünen Schlangendämonin Verta (Tang Xiaoxi), auf die Probe stellt, sondern auch ihre Mission gefährdet.

    Die Legende der weißen Schlange war bereits Vorlage von so einigen filmischen Adaptionen, wobei diese nun sicherlich eine schöne, zeitgemäße Ergänzung ausmacht. Obwohl die behandelten Themen – eine verbotene Liebe und der Kampf gegen das Böse – nicht gerade unkonventionell erscheinen, gelingt es den Regisseuren Zhao Ji und Amp Wong, diese in spezieller Weise zu verpacken. So beweisen sie ein feines Auge, sowohl für rasante Actionsequenzen als auch in ruhigeren Momenten, die sehr stimmig inszeniert wurden. Das Ganze bekommt hin und wieder auch noch einen humorvollen Unterton, gerade dann, wenn der liebenswerte Sidekick Doudou auftritt.

    „White Snake“ erinnert vom Stil her an Cinematic Video Games, also solchen, die – vor allem in ihren Zwischensequenzen - sehr filmisch wirken. Das macht sich auch anhand des Tempos bemerkbar und führt so viel eher zu Assoziation mit Videospielen als beispielsweise mit den Computeranimationen von Disney & Co. Visuell ist es jedenfalls sehr ansprechend, gerade was die farbenprächtigen Hintergründe und die fein herausgearbeiteten Figuren angeht.

    Zwischendurch weist die Narrative dann zwar einige Hänger auf und auch das Ende wirkt sehr abrupt und nicht ganz ausgereift, schön anzusehen ist „White Snake“ aber allemal. Die Herangehensweise an die alte chinesische Legende geht ein bisschen in Richtung „style over substance“, wobei auch die „substance“ sicherlich nicht schlecht umgesetzt wurde.
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    (Marion Schlosser)
    04.10.2019
    11:18 Uhr