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  • Bewertung

    Von Müttern und Töchtern

    Exklusiv für Uncut
    Hirokazu Koreeda. Catherine Deneuve. Juliette Binoche. Ethan Hawke.
    Die Voraussetzungen für den Eröffnungsfilm der 76. Filmfestspiele von Venedig, „La Vérité“, klingen wie ein „Who is Who“ der internationalen Filmszene. Die Erwartungen sind dann leider oft doch höher als das Endprodukt, was allerdings nicht bedeutet, dass der Film in manchen Aspekten nicht doch noch punkten kann.

    Fabienne (Catherine Deneuve) stellt eine klassische französische Filmikone dar. Und was braucht jede gefeierte Filmikone? Memoiren, in der sie vor der breiten Maße ihr Leben ausbreitet. Blöd nur, wenn diese so gar nichts mit der Realität zu tun haben. Fabiennes Tochter Lumir (Juliette Binoche) durchschaut schnell, dass Fabiennes Buch nicht wirklich etwas mit den Tatsachen zu tun hat, nachdem sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Hank (Ethan Hawke) und der Tochter Charlotte (Clémentine Grenier) zur Veröffentlichung des Werkes aus New York anreist. Zwischen Mutter und Tochter kommt es daraufhin zu einigen Spannungen, die durch eine gemeinsame Aufarbeitung der Vergangenheit verstärkt werden.

    Bei „La Vérité“ handelt es sich um den ersten Spielfilm von Hirokazu Koreeda, den dieser in Europa produzierte, nachdem er 2018 einen großen Erfolg mit dem japanischen Filmdrama „Shoplifters“ verbuchen konnte. Für seine beiden Hauptrollen suchte er niemand geringeren als die Grande Dames des französischen Kinos, Catherine Deneuve und Juliette Binoche, aus. Man könnte den beiden Schauspielerinnen wohl bei so ziemlich allem zusehen und würde dabei immer mit einer außerordentlichen schauspielerischen Leistung belohnt werden. So auch in „La Vérité“: Wenngleich es sich hier zwar um eine nette, kleine französische Familientragödie handelt, ist ihr größter Pluspunkt wohl das Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen.

    Das Drehbuch hat seine Stärken und seine Schwächen, wobei man vor allem an der Storyline rund um einen fiktiven Filmdreh schnell das Interesse verliert. Viel spannender erscheinen die kleinen, alltäglichen Sticheleien zwischen den beiden Protagonistinnen, wobei auch immer wieder die Männer der Familie mit hineingezogen werden. Der deutsche Untertitel, „Leben und lügen lassen“ umreißt wohl äußerst prägnant, was passiert, wenn zwei Frauen mit unterschiedlichen Moralvorstellungen aufeinandertreffen, wie das hier der Fall ist. Und dazu noch Mutter und Tochter sind.

    Alles in allem erweist sich „La Vérité“ jedenfalls als leichtes Drama mit starken SchauspielerInnen und einer authentisch anmutenden Familiendynamik. Für Fans von Deneuve und Binoche ein Muss, für alle anderen stellt sich der Film aber vielleicht auch als netter Zeitvertreib heraus.
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    (Marion Schlosser)
    06.03.2020
    09:53 Uhr