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    The Graduate

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    2019 verarbeitete Joanna Hogg mit „The Souvenir“ Teile ihrer realen Lebensgeschichte in einer semi-autobiographischen Story rund um eine Filmstudentin, deren Leben von einer komplizierten Beziehung dominiert wird. Honor Swinton-Byrne, die Tochter von Schauspielgröße Tilda Swinton (die in „The Souvenir“ ebenso zu sehen ist), übernahm hierfür ihre erste große Hauptrolle – und mit welchem Erfolg! Von Kritiker*innen und Publikum gleichermaßen gelobt, wurde der Film sogar vom „Sight & Sound“-Filmmagazin zum besten Film 2019 gekürt. Drei Jahre später folgte nun mit „The Souvenir Part II“ die Fortsetzung. Und diese macht dort weiter, wo der erste Teil aufgehört hat.

    Nach einem Schicksalsschlag steht die junge Filmstudentin Julie (Honor Swinton-Byrne) vor einem beruflichen wie auch privaten Scherbenhaufen. Mit Unterstützung ihrer Eltern (Tilda Swinton, James Spencer Ashworth) gelingt es ihr allerdings langsam wieder zurück in den gewohnten Alltag zu finden. Doch dann steht der Abschlussfilm für die Filmschule an. Julie entscheidet sich dafür, ihre privaten Erlebnisse auf der Leinwand zu verarbeiten, die französische Regiekollegin Garance (Ariane Labed) soll dabei ihren Part übernehmen. Obwohl das Vorhaben sehr ambitioniert erscheint, lassen die ersten Produktionsschwierigkeiten nicht lange auf sich warten.

    Nach dem Überraschungserfolg von „The Souvenir“ warteten viele Fans gespannt auf die Fortsetzung des gefeierten Coming-of-Age-Dramas. Wie mag die Geschichte für Julie weitergehen? Und wie gut schließt „Part II“ an seinen Vorgänger an, zumal dessen Handlung ja relativ in sich geschlossen war?

    Der Übergang zwischen den beiden Werken verläuft jedenfalls nahtlos, wenngleich sich der Fokus der Inhalte doch deutlich verlagert hat: Statt dem Liebesleben konzentriert sich „Part II“ nämlich verstärkt auf die berufliche Laufbahn seiner nachdenklichen Protagonistin. Und während „The Souvenir“ noch von einem recht scheuen Blick Julies auf ihre Beziehung zu dem charismatischen, wenn auch dominanten Anthony (Tom Burke) ausging, zeigt „The Souvenir: Part II“ eine viel gereiftere Perspektive einer jungen Frau, die mit einem einschneidenden Verlust umgehen muss. Und die in diesem Prozess ihre Stimme als Regisseurin findet.

    Es ist ein emanzipatorisches Werk, welches sich immer ganz stark auf seine Hauptdarstellerin konzentriert, etwas, wovon schon „The Souvenir“ geprägt war. Und Honor Swinton Byrne geht in ihrer Rolle auch nahezu perfekt auf. Das mag Fluch und Segen zugleich sein, da man annehmen kann, dass man ihr Gesicht in Zukunft immer mit ihrem großen Schauspieldebüt verbinden wird. Aber auch Tilda Swinton überzeugt wie gewohnt als vernunftgeleitete Mutter und Richard Ayoade sorgt erneut als exaltierter Filmemacher Patrick für einige schlagfertige Highlights („Did you avoid the temptation to be obvious?“).


    Obwohl es Hogg sowohl in „The Souvenir“ als auch in „The Souvenir Part II“ gelingt, eine jeweils stimmige Atmosphäre zu erzeugen, eckt der zweite Teil der Reihe aber leider etwas zu geradlinig an. Geradezu so, als hätte man versucht, alle Punkte auf der Liste der zu behandelnden Themen nacheinander abzuhaken. Der erste Teil wirkt im Vergleich dazu viel innovativer, gerade in seiner künstlerischen Gestaltung und was die Kameraeinstellungen betrifft. Die Film-im-Film-Thematik und deren Umsetzung stellt aber immerhin eine äußerst kluge Reflexion auf das vorherige Werk dar. Und die Darsteller*innen wissen wie gewohnt zu überzeugen. Das Nachfolgewerk von „The Souvenir“ kann man also als eine souveräne Fortsetzung betrachten, die allerdings hinter dem großartigen Vorgängerwerk schon etwas verblasst.
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    (Marion Schlosser)
    28.11.2021
    08:48 Uhr