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Filmkritik zu Verschwörung

Bilder: Sony Pictures Fotos: Sony Pictures
  • Bewertung

    Ein mittelprächtiges Comeback für das Mädchen mit dem Drachen-Tattoo

    Exklusiv für Uncut
    Die Millennium-Trilogie des 2004 verstorbenen Bestseller-Autors Stieg Larsson erfreut sich nicht nur bei Krimiliebhabern, sondern auch bei Lesern außerhalb der Nische großer Beliebtheit. Aufgrund des Erfolgs der Bücher wurden der Reihe bereits 2009 drei Verfilmungen aus schwedischem Hause gewidmet, die beim Publikum wie auch bei der Kritik Anklang fanden. 2011 wurde mit „Verblendung“ (OT: „The Girl with the Dragon Tattoo“) unter Regie von Meisterfilmemacher David Fincher (u.A.: „Sieben“, „The Social Network“) der erste Teil der Trilogie für den US-amerikanischen Markt neu verfilmt. Tatsächlich wurde auch das US-Remake von Kritkern und Zuschauern weltweit mit Lob überschüttet - teilweise sogar besser als die schwedische Verfilmung betitelt! Für die US-Fassung schlüpfte in die Hauptrolle der toughen Hackerin Lisbeth Salander, die in der schwedischen Version noch von Noomie Rapace verkörpert wurde, Rooney Mara, die für ihre schauspielerische Darbietung gar eine Oscar-Nominierung ergattern konnte.

    Nach dem Erfolg von Finchers Interpretation des Stoffes, wurde schon bald eine weitere US-Verfilmung in Auftrag gegeben. 2015 wurde dann bekannt, dass Sony in weiterer Folge plant erstmals „The Girl in the Spider's Web“ (DT.: „Verschwörung"), einen der beiden Romane der Millenium-Serie, der nicht mehr von Larsson selbst, sondern erst Jahre nach dessen Tod vom schwedischen Autor David Lagercrantz geschrieben wurde, für die große Leinwand zu adaptieren. Da jedoch alle Rollen neugecastet wurden und auch die Regie gewechselt wurde, kann man hier schon eher von einem Soft-Reboot der Reihe als von einer Fortsetzung im klassischen Sinne sprechen. Statt Fincher nahm diesmal der Uruguayer Fede Alvarez am Regiesessel Platz, der sich zuvor als Kopf hinter dem „Evil Dead“-Remake (2013) und dem 2016 erschienenen Schocker „Don't Breathe“ in der Horrorszene bereits einen Namen gemacht hat. Für die Rolle der Lisbeth Salander wurde Rooney Mara mit der britischen Schauspielerin Claire Foy ersetzt, die vielen als Hauptdarstellerin der preisgekrönten Netflix-Serie „The Crown“ bekannt sein dürfte.

    In „Verschwörung“ gerät Hackerin Lisbeth Salander, die mittlerweile durch eine Reportage in ganz Schweden dafür bekannt geworden ist, Männern, die Frauen körperlich Leid zugefügt haben, für ihre Taten büßen zu lassen, einmal mehr in eine gefährliche Mission. Sie wird von Frans Balder (Stephen Merchant), einem ehemaligen Mitglied der NSA, dazu beauftragt, ein gefährliches Programm, das es ermöglichen soll, jegliche Atomraketen auf der Erde zu kontrollieren, zu zerstören. Nachdem Lisbeth es schafft den Code für die Software zu ergattern, wird sie überfallen und dabei das Programm gestohlen. In weiterer Folge muss sie sich auch mit der Polizei und dem Geheimdienst herumschlagen, die Salander für eine Mörderin halten. Wäre das nicht schon genug, bekommt sie es auch mit dem NSA-Sicherheitschef Edwin Needham (Lakeith Stanfield) zu tun, der sich ebenfalls das Programm zurückholen möchte. Nach einer Zeit merkt sie jedoch, dass hinter dem „Spinnennetz“, in dem sie sich verfangen hat, ein Drahtzieher steckt...

    Zwar trugen die bisherigen Verfilmungen der „Millenium“-Reihe bereits durchaus Merkmale eines Thrillers in sich, vermengten diese jedoch mit fein ausgearbeitetem Charakter-Drama und gingen besonders bei der Darstellung der Protagonisten auch oft genug in die Tiefe. Leider muss an dieser Stelle gesagt werden, dass Alvarez die feinen Figuren der anderen Filmadaptionen im Keim eines 08/15-Action-Thrillers ersticken lässt. Insbesondere die Figur der Lisbeth Salander selbst, die bisher zumeist sehr ambivalent gezeichnet wurde, verkommt hier zu einer eindimensionalen Superhelden-Skizze. Immerhin weiß Claire Foy - trotz eines sehr artifiziellen schwedischen Akzents - mit ihrer schauspielerischen Darbietung sowie in den Action-Szenen mit einer phänomenalen Physik zu überzeugen und kann dadurch oft auch die schwache Darstellung ihrer Figur überspielen. Vor allem aber bei den Nebencharakteren wird es klar, wie sehr es den Figuren im Film an Ecken und Kanten fehlt. „Der Bösewicht“, der durch eine Wendung, die man meilenweit erahnen kann, etabliert wird, verkommt rasch zu einem völlig eindimensionalen Schwarz-Weiß-Widersacher und selbst die sonst in der Reihe so präsente Figur des Journalisten Mikael Blomkvist (gespielt Sverrir Gudnason) gerät hier völlig in den Hintergrund und hätte diesmal gar vollkommen aus dem Film gestrichen werden können, ohne auch nur ansatzweise dem Plot zu schaden.

    Was dem Film aber trotz sämtlicher narrativer Mankos zu Gute gehalten werden sollte, sind einige techische Aspekte. Wie bereits in „Don't Breathe“ beweist Alvarez auch hier eindrücklich, dass er (zumindest auf inszenatorischer Ebene) sein Handwerk als Filmemacher absolut beherrscht. Die in wunderschönem Grau getränken Aufnahmen von Kameramann Pedro Luque verhelfen dem Film zu einer tristen Atmosphäre und lassen in Kombination mit dem ebenso gelungenem Sounddesign in einigen Momenten auch dichte Spannung aufkommen. Leider verzettelt sich Alavarez jedoch häufig in unübersichtlich editierten Action-Sequenzen, die im eigentlich Geschehen des Films oft fehl am Platz wirken und denen zudem schnell die Puste ausgeht.

    Zusammenfasst lässt sich sagen, dass „Verschwörung“ kein miserabler Film geworden ist, sondern einfach wahnsinnig durchschnittlich. Die eigentlich hochbrisanten Thematiken und vielseitigen Figuren der „Millennium“-Reihe verpuffen in einem generischen Hollywood-Thriller mit pompösen Action-Setpieces, der jegliche Tiefe außen vor lässt.

    Ein fein inszeniertes aber unübersichtliches Spinnennetz eines Thrillers, in dem man sich als Zuschauer leider leicht verheddern kann. Schade!
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    (Christian Pogatetz)
    22.11.2018
    17:45 Uhr