Täglich gewinnen beim Uncut-Adventkalender
Bilder: Filmverleih Fotos: Filmverleih
  • Bewertung

    Ode an die Anatomie und Gefühlsechtheit des menschlichen Körpers

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2016
    Durch seine Grundstimmung hat mich dieser Film besonders beeindruckt. Pulsierende Großstadt: Ampeln, die im Rhythmus der Musik blinken, die bunten Lichter der Stadt und zwei Männer, die sich nicht voneinander trennen können.

    Théo und Hugo, jung, schön und schwul, treffen sich in einem Sexclub, bei der ersten und einzigen langen, expliziten Sexszene des Films. Voneinander gebannt folgen sie sich durch die Nacht in Paris.
    Es könnte eine Ode an den menschlichen Körper sein, so perfekt bewegen sich Hände und Füße, als die beiden im Einklang einen „Romantischen Sprint“ hinlegen, so entspannt schwingt Théo immer die Hüfte und so sexy bewegen sich die Muskeln unter der nackten Haut. Diese Bilder werden elegant von der Kamera eingefangen und immer wieder zärtlich, fast glamourös beleuchtet. Viel bewegte Kamera lässt die Szenen noch lebensnaher über die Leinwand gehen. Théo und Hugo fallen jedoch schnell vom vorsichtigen Kennenlernen in Unsicherheiten und kurzzeitige Überforderungen. Die Angst vor Aids stellt eine plötzliche Distanz der beiden her und führt den Weg in ein Krankenhaus.

    Die beiden Schauspieler Geoffrey Couët und François Nambot leisten hier wirklich Großartiges, so flüssig und charmant und doch gleichzeitig berührend ernsthaft ist ihr Spiel. Oft haben die Szenen eine Wirkung wie Improvisationen, so stark spürt man ihre Freiheit, so locker entstehen auch die besten Witze aus Situationen, wie sie nur das Leben schreibt. Der Humor, der sich da mit traurigen Momenten abwechselt, kommt unerwartet und erleichternd. Es entsteht so das Gefühl, dass das Leben wunderbar ist und doch auch so verwundbar.

    Ob man nun schwul ist oder nicht, man identifiziert sich mit dieser gegenseitigen Anziehung, die einen der Gedanken beraubt. Zum Beispiel mit zwei Menschen, in der Métro sitzend, sich gegenseitig anstarrend und die Welt um sich vergessend.

    Wem „Victoria“ gefallen hat, dem wird auch dieser Film gefallen. Das Zeitfenster umfasst nur wenige letzte Stunden einer Nacht, in denen die wildesten Gefühle ausgelöst werden: wild, frei und echt.
    lucyvontrier_f4cd20cca7.jpg
    (Luzia Johow)
    25.02.2016
    22:29 Uhr