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4 Bewertungen
73.8% Bewertung
  • Bewertung

    Darstellerische Höchstleistung

    Eines vorweg: Ich weigerte mich seit meiner Schulzeit, den Roman, der Pflichtlektüre war, zu lesen: zu schwere Kost, zu deprimierend.
    Jetzt aber habe ich es gewagt und sah mir die Verfilmung an, obwohl sie von nicht wenigen kritisiert wurde: zu wenig Ähnlichkeit mit dem Buch.
    Von der ersten bis zur letzten Sekunde berührte mich das Schicksal des Protagonisten, der vom Schauspieler Oliver Masucci in einer Intensität gespielt wurde, die man selten zu sehen bekommt.
    Ja, der Film hält sich vielleicht nicht genau an die Literaturvorlage, aber durch die schauspielerischen Leistungen ist er unbedingt sehenswert.
    29.09.2021
    21:01 Uhr
  • Bewertung

    Der Kaiser von China

    DIE SCHACHNOVELLE war bei mir Pflichtunterricht in der Schulzeit. Kann mich leider nicht mehr so gut an das Buch erinnern…
    Deshalb habe ich mich auf die Neuverfilmung gefreut. Der Film ist teilweise gelungen, vor allem durch die schauspielerischen Leistungen, aber der Bezug zur Vergangenheit nutzt nicht die Chance aktuelle gesellschaftliche und politische Tendenzen einzubauen.
    Realität und Wahnsinn verschwimmen.
    Und auch als Zuschauer ist man sich nicht mehr ganz sicher auf welcher Ebene man sich befindet.
    Eines ist mir klar geworden:
    Es wäre wieder an der Zeit das Buch zu lesen!
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    28.09.2021
    21:49 Uhr
  • Bewertung

    nur ein spiel

    "solange wien tanzt, geht die welt nicht unter:" dr. bartok, vermögensverwalter des adels, mag nicht glauben, dass die nazis in österreich einmarschieren werden – bis die kanzleitür aufgebrochen und er abtransportiert wird. gestapo-leiter böhm, ein gewiefter schachspieler mit sanften gesichtszügen und den psychologischen finessen eines hans landa, will die zugangsdaten zu den geheimen konten – eine lebensversicherung für bartok, da alle unterlagen verbrannt sind und böhm somit auf bartoks mitarbeit angewiesen ist. monatelange isolationshaft zeigt bereits erste wirkungen, als bartok sich durch einen glücklichen zufall ein buch aneignen kann. ausgerechnet ein buch über schach...
    und wie draußen in der welt, so drinnen in der zelle… bartok gelingt die geistige flucht in die welt des "königsspiels" um raum- und machtgewinn, um strategien zur völligen vernichtung des gegners und spielt damit das psychospiel seines kontrahenten im geiste mit. tatsächlich gewinnt er das scharmützel um die kontonummern – zerstört dabei aber sein eigenes leben.

    anstatt eine gepflegte 1:1 literaturverfilmung abzuliefern, hat sich philipp stölzl an eine freiere adaption von stefan zweigs schachnovelle gewagt; eingerahmt von der schiffsreise nach amerika, wird die einzelhaft in NS-gewahrsam zum hauptplot, die psychische folter durch "entzug der geistigen nahrung" wird mit großem drama – verzweiflung! desorientierung!! traumatisierung!!! – abgehandelt; bis zur verzweiflung des zuschauers angesichts des grimassierenden, schwitzenden, sich krampfartig am boden windenden protagonisten. noch nie habe er so gut gespielt, meint die filmkritik angesichts der schauspielerischen leistung von oliver masucci… nun, da will ich die anderen performances gleich gar nicht mehr sehen. aber abgesehen von weiteren handwerklichen unzulänglichkeiten wie kulissenhaften settings, schlecht aufgeklebten bärtchen und unnatürlich wirkenden haarteilen: wenn schon die emotionale identifikation durch die machart des films verunmöglicht wird, sollte eine adaption im jahre 2021 wenigstens eine moderne, intellektuelle auseinandersetzung mit den angerissenen themen der schachnovelle bieten – widerstand heute, nicht gegen barbarische nazischergen, sondern gegen eine fürsorglich-schleichende, mit freier bratwurst abgegoltene einübung in "neue normalitäten"… oder zumindest über die wahre natur des "spiels der könige."

    aber nichts davon. wir sehen eine bildungsbürgerlich wohl aufgenommene adaption mit dem rückwärts gerichteten ansinnen, "an einem einzelschicksal die ganze unmenschlichkeit und ungeheuerlichkeit der nazidiktatur aufzuzeigen", und der optimistischen botschaft stefan zweigs im abspann (aus 1941): "es ist an uns heute, den glauben an die unbesiegbarkeit des geistes trotz allem und allem unerschütterlich aufrecht zu erhalten." geradezu grotesk – angesichts des gewählten filmendes, angesichts stefan zweigs selbstmord (1942) und angesichts heutiger weichgespülter geistlosigkeiten.

    fyi: siebenfach für den deutschen filmpreis nominiert – bester film, kostüm-, masken- und szenenbild, tondesign, visuelle effekte und beste nebendarstellerin (birgit minichmayr)
    r2pi_f4e09adb6c.jpg
    27.09.2021
    22:35 Uhr