2 Einträge
2 Bewertungen
62.5% Bewertung
  • Bewertung

    Vampirismus als Ehetherapie

    Das richtige Verhältnis zwischen Grusel, Spannung und Humor zu finden, ist für Horror-Komödien häufig schwierig und auch Jakob’s Wife tut sich damit schwer: Nicht spannend oder gruselig genug für Horror, nicht witzig genug für eine Komödie. Es gibt durchaus ein paar nett anzusehende Splatterszenen, die nostalgische Erinnerungen an 80er-Jahre Horror-Filme aufkommen lassen und ein paar humorvolle Szenen, für mehr als durchschnittliche TV-Unterhaltung reicht es aber nicht.

    Annes Persönlichkeitsentwicklung vom grauen Kirchenmäuschen zur selbstbewussten Frau wird zu kurz und zu oberflächlich behandelt. Statt auf ihrer Persönlichkeitsentwicklung liegt der Fokus des Films mehr auf Jakob und darauf, welche Auswirkungen die Verwandlung seiner Frau auf ihn hat. Trotz sehr offensichtlicher äußerlicher Veränderung und etwas dezenterer innerer Entwicklung wirkt Anne bis zuletzt weniger wie die Protagonistin des Films, sondern bleibt bloß “Jakob’s Frau”, was die “female empowerment”-Message untergräbt.

    Und ansonsten? Die schauspielerische Leistung ist gut, die Chemie zwischen Anne und Jakob passt, wenig anfangen konnte ich hingegen mit der Darstellung des “Master”-Vampirs.

    Fazit: eine durchschnittliche Horrorkomödie, die ausgerechnet an der Umsetzung der beabsichtigten feministischen Botschaft scheitert. Für einen netten Fernsehabend reicht es, für mehr nicht.
    gwilwileth_3f5990a104.jpg
    08.02.2026
    17:05 Uhr
  • Bewertung

    Eine Frau bricht aus

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Seine Premiere feierte die Horrorkomödie „Jakob‘s Wife“ von Travis Stevens im März dieses Jahres am South by Southwest Festival, nun war er auch im buntgemischten Slash-Programm zu finden. Horrorikone Barbara Crampton, die Genreenthusiasten aus Klassikern wie „Re-Animator“ oder „From Beyond“ kennen und lieben gelernt haben, mimt hierbei die titelgebende gelangweilte Haus- und Ehefrau Anne und ist zusätzlich als Produzentin am Film beteiligt. Larry Fassenden, seines Zeichens Schauspieler, Filmemacher und Produzent übernimmt die Rolle des einfältigen Geistlichen Jakob.

    Anne fühlt sich im öden Alltag ihres Seins gefangen: Ihr Mann, der Pfarrer Jakob, hält sie für selbstverständlich und in ihrer Rolle als „Frau von“ fühlt sie sich zunehmend unwohl und nicht ernst genommen. Als sie sich eines Tages mit ihrer Jugendliebe Tom trifft, sprühen die Funken von damals wieder, die beiden werden jedoch von einem jähen Rattenangriff unterbrochen, der mit Toms Tod und einer rätselhaften Begegnung Annes mit dem „Master“ endet. Von da an ist für Anne alles anders: Ein plötzlicher Blutdurst erwacht in ihr, der ihr zu neuer Lebensenergie und Empowerment verhilft. Doch das gewonnene Selbstbewusstsein hat seinen Preis, denn sie hinterlässt am Weg zu ihrer Selbstfindung eine blutige Spur. Spät erkennt Jakob, dass seine Frau einen dunklen Weg hinabgleitet und beschließt um seine Liebe zu kämpfen.

    Die schrullige Vampirgeschichte vereint mit jeder Menge Camp und Exzentrik einen klassischen Blutsauger-Mythos mit einer Emanzipationsgeschichte einer Frau im besten Alter. Der Film geizt nicht an Gewaltexzessen und strömenden Blutschwallen, doch trotz dessen funktioniert „Jakob’s Wife“ viel besser in seinen komödiantischen Aspekten, die vor allem von Cramptons einwandfreier Performance lebt.

    Der Film zelebriert die Transformation von Anne als feministische Befreiung, die sowohl innerlich, als auch äußerlich vonstatten geht und die Protagonistin dazu bewegt, ihren eigenen Bedürfnissen nachzugehen anstatt sich denen ihres Mannes zu beugen. Ein interessanter Aspekt ist hierbei, dass der als männlichen Geschlechts wahrgenommene Master in Wirklichkeit von Charakterdarstellerin Bonnie Aarons gespielt wird, die vor allem durch ihre Darstellung der dämonischen Nonne im Conjuring-Universum aufgefallen ist.

    Neben deutlichen Hommagen an die glorreichen Zeiten des 80er-Jahre-Horrors, bedient sich der Film auch älteren Einflüssen, das Kreaturdesign des Masters beispielsweise zeigt gravierende Ähnlichkeiten zu dem Urtyp des Nosferatu-Vampirs. Insgesamt hält sich der Film allerdings zu strikt an Genrekonventionen und seiner Nostalgie-Schiene fest, und so verliert sich der Streifen gegen Ende ein wenig, hier hätte ein konsequenteres Durchzuziehen der immer wieder mal durchsickernden Skurrilität vermutlich ausgeholfen.

    Ein schräg-spaßiges Blutvergießen mit großartigen Gore-Effekten!
    img_20211124_211334_170_479b6b0698.jpg
    25.09.2021
    22:55 Uhr