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    Eddie Murphys furioses Comeback

    Exklusiv für Uncut
    Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit, da genoss Eddie Murphy noch Superstar-Status. Für seine Hauptrollen in heutigen Kultklassikern wie „Beverly Hills Cop“ oder „Der Prinz aus Zamunda“ erlangte der US-amerikanische Schauspieler und Komiker Mitte der 80er-Jahre weltweite Bekanntheit. Bis Ende der 2000er-Jahre galt Murphy als vielbeschäftigter Mann in Hollywood. Unter anderem bekam er auch viel Lob für seine Synchronarbeit an der populären „Shrek“-Reihe und wurde 2008 für seine Schauspieldarbietung im Musikdrama „Dreamgirls“ gar mit seiner bis Dato einzigen Oscarnominierung gekürt. Abgesehen von weniger kleiner Rollen blieb es im diesen Jahrzehnt jedoch weitestgehend ruhig um die damalige Comedy-Ikone, weshalb schon munkelte, ob Murphy nicht sogar endgültig dem Schauspielgeschäft den Rücken gekehrt hätte. Für die Netflix-Produktion „Dolemite is My Name“ ist Eddie jedoch nun endlich aus seiner langjährigen Schauspielpause zurückgekehrt und so viel sei schon mal gesagt: die Entscheidung hat sich absolut ausgezahlt.

    Vorerst aber: Worum geht es denn überhaupt?

    Mit „Dolemite is My Name“ widmet sich Regisseur Craig Brewer der wahren Geschichte des afroamerikanischen Komikers Rudy Ray Moore (Eddie Murphy), der später zu einer wichtigen Ikone des Blaxploitation-Films werden sollte. Nachdem seine Karriere als Musiker einfach nicht in die Gänge zu kommen vermag, kreiert Moore - inspiriert von Geschichten einer vertrauten Gruppe an Obdachlosen – die obszöne Kunstfigur „Dolemite“, mit der er die Bühnen Amerikas erobern möchte. Und siehe da: der Plan geht doch tatsächlich auf. Moores Stand-Up-Programm entwickelt sich nämlich tatsächlich zum vollen Erfolg und spricht besonders die „Black Community“ an, die zuvor oft als unterrepräsentiert innerhalb der Comedy-Szene galt. Um seine Reichweite noch mehr zu steigern, entschließt er sich eines Tages dazu gemeinsam mit seinen Freunden, einen eigenen Film zu drehen, in dem Moores hauseigene Kunstfigur der Protagonist sein sollte. Obwohl es Moore tatsächlich gebacken bekommt, ein Team aus halbwegs professionellen Mitgliedern für seinen Dreh aufzutreiben, gestaltet sich die Arbeit am Set schwieriger als gedacht. Nichtsdestotrotz findet das fertige Produkt „Dolemite“ - trotz seiner durchaus streitbaren Qualität - den Weg in die Kinos. Die unterhaltsame Mixtur aus hanebüchener aber trotzdem irgendwie cooler Dialogszenen, überdrehter Verfolgungsjagden und ballender Kung-Fu-Power entwickelte sich über die Jahre hinweg zum Kultphänomen innerhalb des Blaxploitation-Kinos.

    Beim Schauen von „Dolemite is my Name“ werden dem einen oder anderen Zuschauer eventuell Parallelen zu Tim Burtons Meisterwerk „Ed Wood“ auffallen. Dieser widmete sich ebenfalls einem eigensinnigen aber leidenschaftlichen Künstler, der eine Gruppe Außenseiter zusammentrommelte, um einen Film zu drehen, der trotz all seiner qualitativen Mängel später zum Kultklassiker werden sollte. Diese Ähnlichkeiten kommen aber nicht von irgendwoher, denn tatsächlich wurden beide Filme vom selben Drehbuchautoren-Duo geschrieben. Scott Alexander und Larry Karazweski beweisen auch hier wieder ihre unglaubliche Empathie gegenüber Außenseiter-Künstlern, die aus voller Leidenschaft heraus, ihr Ziel verwirklichen möchten – unabhängig von der schlussendlichen Qualität. Herausgekommen ist dabei eine sympathische und unfassbar unterhaltsame Film-Biographie mit tragikomischen Zügen, die besonders dann in Fahrt kommt, wenn sich unsere Protagonisten bei den Dreharbeiten von „Dolemite“ befinden. Bei dem ganzen rundum gelungenen Slapstick, vernachlässigt das Drehbuch jedoch nie die Menschlichkeit seiner Figuren, und lässt diese an keinem Punkt zu reinen Karikaturen verkommen. Es ist der Zusammenhalt der obskuren Gruppe an Outcasts, deren gemeinsamer Wunsch nach mehr Repräsentation innerhalb der Filmbranche, der „Dolemite is my Name“ zu einem nicht nur amüsanten, sondern tatsächlich auch herzerwärmenden, wenn nicht sogar inspirierenden Vergnügen macht.

    Das Ganze würde jedoch nur halb so gut funktionieren, wäre da nicht die großartige Riege an DarstellerInnen, die bis in die kleinste Nebenrolle exzellent besetzt wurde. Eddie Murphy verleiht seiner Interpretation des Rudy Ray Moore einen Enthusiasmus und eine Energie, der man als Zuschauer nur schwer widerstehen kann. Dabei läuft Murphy zu einer schauspielerischen Höchstform, in der man den einstigen Comedy-Star schon lange nicht mehr, wenn überhaupt jemals schon, gesehen hat und weiß auch in den tragischeren Momenten seiner Figur zu überzeugen. Es wäre also wirklich nicht verwunderlich, wenn für Murphy hierbei schlussendlich sogar eine Oscarnominierung herausspringen würde.

    Murphy ist jedoch nicht der einzige Darsteller, der hier ein furioses Schauspiel-Comeback abliefert. Nein, auch „Blade“-Star Wesley Snipes, den man in den letzten Jahren höchstens in Direct-to-DVD-Produktionen zu Gesicht bekam, darf hier endlich wieder zeigen, was er drauf hat. Snipes verkörpert den früheren Hollywood-Darsteller D'Urville Martin, den Rudy Ray Moore als Regisseur und Co-Star für „Dolemite“ engagieren konnte. Trotz limitierter Screentime schafft es Snipes jede einzelne Szene, in der seine leicht abgehobene Figur auftritt, für sich einzunehmen und mit exzentrischem Charme zu füllen, der in ein paar der unterhaltsamsten Momente des Films resultiert. Abgerundet wird der Main-Cast durch Leute wie Broadway-Darstellerin Da'Vine Joy Randolph, sowie den Comedians Keegan-Michael Key, Mike Epps und Craig Robinson. In kleinen Nebenrollen gibt es kurzzeitig sogar etablierte Superstars wie Snoop Dogg oder Chris Rock zu sehen, die ebenso zu überzeugen wissen.

    Wenn man dem Film abgesehen von einem schleppenden Start etwas vorwerfen kann, dann wäre das die Tatsache, dass der Look – abgesehen von seinem beeindruckenden Kostümbild – oftmals der einer nicht allzu teuren TV-Produktion gleicht. Eine Inszenierung wie diese hat man leider schon tausend Mal gesehen, fällt aber aufgrund der groß aufspielenden Besetzung, eines smarten Drehbuchs und einer jede Menge Spaß kaum ins Gewicht. „Dolemite is My Name“ entpuppt sich als das „Ed Wood“ einer neuen Generation. Auch hier handelt es sich um eine biographische Tragikomödie, die einer sympathischen Truppe an Außenseitern dabei folgt, wie diese – trotz aller Stolpersteine – ihren Traum verwirklichen und (in diesem speziellen Fall) in späterer Folge sogar zu Idolen für die afroamerikanische Community werden konnte. Ein Heidenspaß, der von einem ganz großen Eddie Murphy auf ein weiteres Level befördert wird!

    Eddie: Willkommen zurück!
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    11.12.2019
    08:23 Uhr
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    Dolemite is my name, and fucking up motherfuckers is my game!

    Basierend auf der realen Figur des Rudy Ray Moore, genannt Dolemite (Murphy), wird dessen medienhistorisches Leben in den 1970ern erzählt. Eigentlich möchte er als Rapper erfolgreich werden, was aber nicht so gut gelingt. Dann versucht er es als Stand-Up-Comedian. Als er mit (geklauten) Gags eine Platte aufnimmt, will diese keine Plattenfirma vertreiben, da sie ihnen zu heiß ist. Unter der Hand verkauft, entwickelt sie sich allerdings zum Hit in den schwarzen Vierteln. Da kommt Dolemite auf die Idee, er könnte doch einen Film drehen. Er setzt alles auf eine Karte. Doch heraus kommt nichts als übelster Trash...

    Dieser Film soll also die Wiedergeburt des Eddie Murphy einleiten, der dem Kinopublikum in den letzten Jahren nichts Nennenswertes mehr vorgesetzt hat. Der Film soll quasi als Messlatte für die kommenden Sequels zu „Der Prinz aus Zamunda“ und „Beverly Hills Cop“ fungieren. Als Regisseur hat man Craig Brewer engagiert, der vor 14 bis 15 Jahren vor allem durch „Hustle & Flow“ und „"Black Snake Moan“ Aufmerksamkeit erregt hat. Danach folgte nur noch ein unterdurchschnittlicher Aufguss von „Footloose“.

    Dass dieser Film allerdings tatsächlich die große Rückkehr für die beiden markiert, beweisen die Golden-Globe-Nominierungen als beste Komödie und bester Darsteller im Komödienbereich.

    Tatsächlich ist der Film auch recht nett und bietet ein paar gute Gags. Die Geschichte der schillernden Persönlichkeit Rudy Ray Moore ist allemal erzählens- und sehenswert. Allerdings wird der Film in unseren Breiten trotz der Globe-Nomimierungen nicht sonderlich viel Erfolg haben. Warum? Ganz einfach: Es ist ein Film, der wohl nur für Schwarze richtig funktioniert. Und das ist bitte mit dem höchsten Respekt geschrieben. (Kaukasische) Mitteleuropäer haben einfach einen anderen Sinn für Humor, der hier nicht gänzlich getroffen wird. Ein Schicksal, dass der Film ironischerweise mit der Kunstfigur Dolemite selbst teilt...

    Fazit: „Dolemite Is My Name“ ist ein Film, der okay ist, den man sich ohne weiters ansehen kann, den man aber bestimmt nicht gesehen haben muss, außer man hat zufällig ein besonderes historisches Interesse an Schwarzen aus dem Entertainmentbereich.
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    09.12.2019
    18:25 Uhr