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    Ein Proto-Expendables für B-Movie-Aficionados

    Eldritch Advice
    „Give something back“ ist ein essentieller Punkt in Arnold Schwarzeneggers „Six Rules to Success“ und man kann es der steirischen Eiche nicht vorwerfen sich nicht an seine eigenen Regeln zu halten. So ermöglicht er, seit seinem Hollywood-Durchbruch, etlichen Wegbegleitern die Chance sich im Filmgeschäft zu etablieren. Sein bester Freund, der zweifache Mr. Olympia Sieger Franco Columbu, hatte dadurch etwa schon früh kleinere Gastrollen in Klassikern wie „Conan der Barbar“, „Terminator“ und „Running Man“, ehe er 1993 mit „Beretta's Island“ versuchte sich selbst als Actionstar aufzubauen. Ein Unternehmen, dass trotz der vollen Unterstützung von Schwarzenegger, leider als gescheitert betrachtet werden muss. Dessen ungeachtet unternahm Columbu 2003 mit dem Film „Ancient Warriors“ einen letzten Versuch das Actiongenre für sich zu gewinnen. Die damals bereits 62-jährige Bodybuildinglegende fungierte dazu nicht bloß als Hauptdarsteller, sondern ebenfalls als Produzent. Als Regisseur konnte er mit Walter von Huene Schwarzeneggers Schauspielcoach gewinnen, der zuvor in Serien wie „Das Ding aus dem Sumpf“ oder „Sheena“ erste Regieerfahrungen sammelte.

    Trotz des tragischen Tods seines Vaters, versucht Aldo Paccione seinen Ruhestand auf seiner Heimatinsel Sardinien für seine Frau und Tochter so angenehm wie möglich zu gestalten. Doch der Ex-Militär will nicht zur Ruhe kommen; schließlich sprengt und bohrt der sterbenskranke Milliardär Curtis Mayhew, auf der Suche nach einer mystischen Heilquelle, tief in den Boden Sardiniens und zerstört dadurch nicht bloß die schöne Landschaft, sondern hält zudem auch ein ganzes Dorf in Geiselhaft. Als das Leben seiner Familie bedroht wird, trommelt Paccione seine alte Spezialeinheit zusammen, um den finsteren Machenschaften Mayhews ein Ende zu setzen.

    Ich muss sagen … „Ancient Warriors“ ist solide Actionkost mit einem gewissen Spaßfaktor.

    Obwohl es sich hierbei um ein Projekt aus Schwarzeneggers Freundeskreis handelt, ist „Ancient Warriors“ ein B-Movie. Daher darf man sich nicht wundern, dass jedwede CGI-Effekte auch klar als solche erkennbar sind. Erfreulich ist jedoch, dass diese nur spärlich eingesetzt wurden und man den Großteil der Actionszenen klassisch direkt vor Ort drehte. Vor Ort ist die wunderschöne kleine Hafenstadt Iglesias auf Sardinien, die sich optisch positiv von vielen der bekannteren Drehorte in anderen Filme abgrenzt und durch seine Einzigartigkeit auch einen gewissen Reiz dieses Films darstellt. Etwas lokales Brauchtum darf daher auch nicht fehlen und wer Columbu kannte, weiß, dass die Liebe zu seiner Heimatinsel eine Konstante in seinen Produktionen war. Anders als in seinen früheren Filmen, sind die folkloristischen Aspekte in „Ancient Warriors“ wesentlich besser integriert, unterstützen die Handlung atmosphärisch und wirken nicht wie eine Werbeunterbrechung. Als atmosphärisch lässt sich auch der stimmige Soundtrack von Henning Lohner beschreiben, der insbesondere in den wenigen mystischen Momenten des Films zu Glänzen weiß.

    Die Besetzung von „Ancient Warriors“ ist ein Sammelsurium von Schauspielern aus den unterschiedlichsten Hintergründen. Trotz seines Alters und einer fehlenden schauspielerischen Ausbildung, überzeugte Columbu als der Protagonist Aldo Paccione durch seine sympathische Art. Man merkt, dass er hier eine Geschichte erzählte, die ihm am Herzen lag. Ihm zur Seite standen unter anderem Alec Baldwins Bruder Daniel, dessen Humor den Film etwas auflockert sowie Michelle Hunziker, die bis auf eine gute Actionsequenz leider sehr blass wirkt. Ashley Eckstein, die seit 2008 Star-Wars-Anhängern als Fan Favorite Ahsoka Tano bekannt ist, mimt Aldos Tochter Dylan und man könnte es ihr nicht verdenken wenn sie diesen Film-Credit gerne aus ihrem Resümee streichen würden. Der Schurke Curtis Mayhew hätte dafür mit der, 2012 leider verstorbenen, B-Movie Legende Richard Lynch nicht besser besetzt sein können. Gleiches gilt für seine Handlangerin Sonya. Iris Peynado, die sich in 80er Jahre Italo-Filmen wie „Iron Warrior“ und „Metropolis 2000“ einen Namen machte, hat im Laufe der Jahre nichts von ihrem Charisma eingebüßt und spielt die sadistische Rolle der Sonya mit viel Genuss.

    Ist dieser Film eines freitäglichen Filmabends würdig?

    Wenn man „Ancient Warriors“ als B-Movie etwas vorwerfen kann, ist es sein Mangel an markanten Sprüchen und blutigen Effekten. Neben einen wirklich gut inszenierten Kopfschuss und zwei bis drei lustigen One-Linern, geizt der Film leider mit Szenen, die einem in Erinnerung bleiben. Dafür überzeugt Regisseur von Huene als Architekt einer äußerst soliden Plotstruktur, wie man sie in Filmen dieser Preisklasse nur selten findet. Für ein Werk, dass über eine mystische Nebelhandlung verfügt, nimmt sich die Geschichte jedoch streckenweise viel zu ernst und vergeudete die Chance Columbus Charakter als überlebensgroßen Actionheld zu inszenieren.

    Jemand, der nur hochpolierte Hollywood-Blockbuster (nicht, dass dagegen etwas auszusetzen wäre) sieht, wird an einem Film wie „Ancient Warriors“ höchstwahrscheinlich nur wenig Gefallen finden. Wer allerdings in Kaufhäusern gerne durch die „Direct to Video“-Kiste wühlt, dem sei dieser Film anzuraten, während er für Fans der involvierten Schauspieler sogar ein Pflichtkauf ist. Ich selbst habe den Film auf DVD gekauft, weil ich als großer Schwarzenegger-Fan auch Franco Columbu kennen und lieben lernte. Selbst wenn Columbu kein sonderlich talentierter Schauspieler war, habe ich mich stets gefreut ihn als Star oder in einem Cameo-Auftritt zu sehen und wünschte er hätte uns mehr Filme hinterlassen. „Ancient Warriors“ ist weder ein Meilenstein des Actionkinos noch ein sonderlich tiefsinniges Werk, aber nichtsdestotrotz ein sympathischer und kurzweiliger Genrebeitrag, der vor allem durch seine Besetzung und der wunderschönen Landschaft Sardiniens zu Punkten weiß und daher auch eines freitäglichen Filmabends würdig ist.
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    06.09.2019
    14:31 Uhr