Home Team

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Forumseintrag zu „Home Team“ von Andretoteles

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Andretoteles (05.02.2022 20:34) Bewertung
Kein Super Bowl für diesen Film
Exklusiv für Uncut
Netflix polarisiert. Früher noch ein aufstrebendes Streamingportal, punktet das Unternehmen inzwischen mit eigenen durchaus überzeugenden Produktionen. Für den aktuellen Beweis müssen wir nur bis zu den diesjährigen Oscar-Awards warten (27. März 2022), bei denen „The Power of The Dog“, eine Netflix-Produktion, hochwahrscheinlich die begehrteste Trophäe für den Besten Film abräumen wird – und das nicht mal zu Unrecht. Andererseits schwebt hinter den teuren Produktionen ein unglaublich großes Depot dürftiger Filme, um das Programm aufzufüllen. In diese Riege reiht sich der Underdog-Comedy-Footballfilm „Home Team“, der publikumswirksam zwei Wochen vor dem Super Bowl LVI erschienen ist. Doch nicht nur der Super Bowl kommt dem Film gelegen, auch der Rücktritt von Sean Payton als Head Coach der New Orleans Saints sorgt für ungeplante Werbung. Doug Heffernan aka Kevin James spielt den durch seinen Zoolander-Spitzmund berühmt gewordenen Coach, wobei man hier von einem kläglichen Versuch sprechen muss. Er schwadroniert seine Zeilen drehbuchkonform, zeigt aber kaum Besonderheiten von Payton.

Die Exposition des Films gelingt zunächst und die Forrest-Gump-ähnlichen Effekte, in denen Kevin James die Vince Lombardi Trophy 2010 hochhält, können durchaus überzeugen. Leider verfällt die Handlung anschließend in die altbekannten Muster und klischeehaften Gegensätze, an denen sich abgearbeitet wird. Payton wird zwei Jahre später für ein Jahr suspendiert (Bountygate!) und geht in seine Heimatstadt nach Texas zurück. Leider werden die moralischen Implikationen (Kant würde sich im Grabe umdrehen) des Skandals, bei dem ein Bonussystem für Spieler installiert wurde, die andere Spieler verletzen, nicht aufgegriffen, weshalb sich für die Zuschauer*innen eine indifferente Haltung gegenüber Payton einstellt. Man wird das Gefühl nicht los, lieber einen Film über die Auswüchse des Skandals sehen zu wollen anstatt über die Belanglosigkeiten am Rande. Eine Anspielung im Film könnte Relevanz für die Realität haben, denn eine Annäherung der Dallas Cowboys an Sean Payton ist vorstellbar und es kann sein, dass wir ihn nächstes Jahr in der NFL wieder in Texas sehen. Im Film trifft er dort seine Ex-Frau (Jackie Sandler), die jetzt mit Jamie, dargestellt von Rob Schneider, liiert ist. Bei einigen mag es hier klingeln: Ja, wir haben es mit einer Happy Madison Koproduktion zu tun, Adam Sandler hat seine Finger im Spiel und so darf pubertärer schlechter Humor natürlich nicht fehlen, der seine Kulmination in einer vollkommen sinnbefreiten und viel zu langen Kotzszene findet. Sandlers Neffe Jared Sandler ist in der Rolle als Rezeptionist in Paytons Hotel zu sehen und zerschlägt nachts unbegründet rohe Eier auf seinem Tisch. Wer hier Humor oder Tiefgang findet, darf ihn gerne bei sich behalten. Einzig Gary Valentine, kaum erkennbar mit dicker Brille, Cap und Schnauzbart hat einige lustige Momente.

Payton entwickelt schließlich Motivation, das Schulfootballteam seines Sohnes zu trainieren, für das außerdem Taylor Lautner (als Coach Troy) zuständig ist – ein weiterer marginal begnadeter Schauspieler. Wir begegnen hier den bekannten Storytelling-Rezepten (fast) aller Football-Filme. Die schwierigen Randbedingungen bestehen aus einer schlechten Infrastruktur (das Licht der Ergebnisanzeige fällt ständig aus), einem schlechten Team und schlechtem Coaching/Playbook. Dann kommen das Training, ein neues Playbook von Coach Payton und der allzu bekannte Rückschlag. Die Nebenhandlungen triefen vor Klischees: in der Kleinstadt leben merkwürdige Leute, Payton war ein schlechter Vater und kämpft um die Gunst seines Sohnes. Football wird auch gespielt, wenn auch nur am Rande, was durchaus angemessen ist. Schließlich beobachten wir Kids beim Sport. Was sehen wir alles? Safety Blitz über die Weak Side, Fumbles, Play-Action Plays, die Payton anhand von Salzstreuern erklärt, Single Wing Offense, für die Payton diverse Positionsanpassungen vornimmt. Am Ende darf das „spannende“ Finale nicht fehlen. Überrascht wird jedoch niemand mehr.

Fazit: Wenngleich Sean Payton am Ende in amüsantem Cameo-Auftritt Teil des Films ist, kann er nur hoffen, dass den Film nicht zu viele Leute sehen. Eine filmische Statue wird ihm keinesfalls gebaut. Sehr schwach gespielt, humorlos geschrieben, unoriginell und klischeehaft und vorhersehbar erzählt, gewinnt der Film nur ganz selten durch charmante Momente. Insgesamt kann der Film wenig bis nicht begeistern und hat seine Existenzberechtigung nur, weil Netflix sein Programm auffüllen muss.
 
 

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