Stars, Slash Filmfestival
Interview mit Thomas Schubert

Interview mit Thomas Schubert

Im Rahmen der Österreich-Premiere des Films „Wintermärchen“ stattete Hauptdarsteller Thomas Schubert dem /slash Filmfestival einen Besuch ab. Wir haben uns mit dem österreichischen Schauspieler für ein Gespräch zusammengesetzt.
Beim diesjährigen /slash Filmfestival, der österreichischen Anlaufstelle für fantastisches Kino, wurde in der Wettbewerbsschiene auch der deutsche Film „Wintermärchen“ von Regisseur Jan Bonny gezeigt. Das Drama, das sich im Vergleich zum sonst eher im Genre-Kino verankerten Festival ein wenig wie ein Fremdkörper anfühlte, handelte auf fiktionalisierte Weise die NSU-Morde ab. Dabei folgen wir den drei DrahtzieherInnen der rassistisch motivierten Schreckenstaten höchstpersönlich und werden als Zuschauer unmittelbar in deren von unbegründetem Hass gezeichneten Alltag reingeworfen. Tommi, einer der drei Neo-Nazis, die dem hart anzusehenden Drama als Protagonisten dienen, wird vom österreichischen Darsteller Thomas Schubert (u.A. bekannt aus „Atmen“, „Das finster Tal“, „Egon Schiele“) verkörpert, der das Screening in Wien mit seiner Anwesenheit beehrte. Wir durften uns mit dem Schauspieler für ein kleines interview zusammensetzen, das es hier nachzulesen gibt.

UNCUT (Christian Pogatetz): Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Regisseur Jan Bonny und was hast du dir dabei gedacht, als du für die Rolle des Tommi vorgeschlagen wurdest?

Thomas Schubert: Ich kam über den ganz klassischen Weg zu dem Projekt: eine Anfrage bei meiner Agentur. Dann hab ich dieses Skript bekommen und ich kannte Jan Bonny als Österreicher kaum und auch die Produktionsfirma nicht, war also alles ganz fremd. Ich fand das Skript anfangs nicht wahnsinnig gut und konnte mir noch absolut kein Bild von diesem Film machen, fand aber gewisse Figurenkonstellationen schon wahnsinnig spannend. Dann hat Jan Bonny mich auch noch angerufen und wir haben so für eine Stunde geplaudert. Er hat wahnsinnig einladend gewirkt und nicht wie ein absoluter ‚maniac‘ (lacht). Das ist irgendwie so das Ding bei Regisseuren, die so extreme Projekte machen: man stellt sie sich immer ganz extrem vor und dann sind das eigentlich ganz vernünftige Menschen. Und ja, dann wurde ich zum Casting eingeladen, hab mir dort die Figurenkonstellationen herausgearbeitet und dann hieß es: sie hätten mich wahnsinnig gern.

Und wie hat dein Vorbereitungsprozess für die Rolle ausgeschaut? Musstest du beispielsweise das Schießen selbst erlernen? Wie hast du dir den deutschen Akzent antrainiert, der hier benötigt wurde?

Thomas Schubert: Das mit dem deutschen Akzent geht so mäßig gut (lacht). Tatsächlich hatte ich fast keine Vorbereitungszeit. Drei, vier Wochen davor wurde ich angefragt, dann kam irgendwie der ganze Casting-Prozess und dann waren auf einmal nur mehr zwei Wochen übrig. Ich kam dann 4-5 Tage vor Drehbeginn zum Projekt und Jan Bonny ist jetzt auch kein Regisseur, der Vorbereitung unbedingt schätzt und mag das überhaupt nicht. Er wollte ursprünglich eigentlich, dass ich gar nicht versuche, ‚Deutsch‘ zu sprechen und beim Österreichischen bleibe – das war mir dann aber ein wenig suspekt und ich ging wieder weg davon. Auf ein Jan-Bonny-Projekt kann man sich nicht wirklich vorbereiten. Ich glaub das wichtigste war die anderen Darsteller kennenzulernen – wir kannten uns natürlich alle davor nicht – und zu versuchen, das Vertrauen voneinander zu gewinnen, weil wir ja dann dementsprechend extreme Szenen miteinander spielen mussten. Wir hatten auch mehrere Proben mit dem Kameramann, weil ja der komplette Film auf Handkamera geschossen wurde. Man musste irgendwie einen Rhythmus finden, Kameraschwenks abwarten und es war sehr viel Zusammenarbeit mit dem Kameramann im Spiel, der auch wahnsinnig viel improvisiert hat.

Zum Stichwort ‚extreme Szenen‘: Gab es irgendeinen Moment im Film, der für dich besonders schwer zu spielen war beziehungsweise eine große Herausforderung darstellte?

Thomas Schubert: Ich tu mir immer ganz schwer damit, anderen Personen Gewalt anzutun. Da ist die Hemmschwelle bei mir einfach noch zu groß. Wenn das jetzt nicht streng choreographiert ist, was hier nicht der Fall ist, dann hab ich einfach noch wahnsinnig große Hemmungen. Dementsprechend war die Szene, in der ich dem Supermarkt-Mitarbeiter den Schädel einschlage, definitiv eine der heftigsten für mich. Da gab’s dann echt auch einen Moment, an der wir unterbrechen und uns mal 15 Minuten Pause nehmen mussten, weil ich schon angefangen hatte, eine Schnappatmung zu bekommen. Sowas hatte ich halt zuvor noch nie. Das war ziemlich spät im Dreh und da hatte der Film auch schon was in mir verändert.

Da „Wintermärchen“ ja seine Österreich-Premiere im Rahmen des /slash-Festivals feiern durfte, das ja sonst eher den Fokus auf fantastisches Kino setzt: Wie schaut dein persönlicher Bezug zum Genre-Film aus? Gibt es diesbezüglich deiner Meinung nach im österreichischen Kino noch Nachholbedarf?

Thomas Schubert: Ich finde Österreich hat eigentlich ganz gutes Genre-Kino. Leider gibt es zwar nicht wahnsinnig viel, aber die Projekte, die gemacht werden, sind meistens stark. Es wäre zwar unterstützenswert, wenn man Regisseuren oft mehr Freiraum bei ihren Filmen geben würde, aber das ist bei dem kleinen Markt halt sehr schwierig. Natürlich gibt es aber trotzdem immer wieder Projekt, die ganz hart Genrefilme sind und die funktionieren größtenteils alle auch sehr gut. Zu meinem persönlichen Bezug zu Genre-Kino: Naja, es ist spielerisch schon immer schön, wenn man eine Abwechslung hat, und auch mal so ‚zache‘ Typen spielen beziehungsweise neudefinieren kann, was im Arthouse ja kaum passiert. Insofern ist es einfach eine coole Abwechslung, wenn mal ein super Genre-Ding reinkommt. Vom Spielerischen: immer gerne.

Was für Projekte darf man sich von dir in geraumer Zeit so erwarten?

Thomas Schubert: Momentan hab ich eine Premiere in Deutschland zu „Das freiwillige Jahr“ auch ein Arthouse-Film, der unter Regie von Ulli Köhler und Henner Winckler enstanden ist. Der hatte vor kurzem seine Deutschland-Premiere. Wir hoffen alle, dass er auch in Österreich anlaufen wird. Ansonsten wird nächsten Jahr viel im Fernsehen mit mir kommen und ja, ich kann auch endlich wieder in Komödien mitspielen.

Man sieht dich ja sonst meistens nur in sehr ernsten Rollen.

Thomas Schubert: Ja, meine Familien leidet extremst darunter und fragen mich die ganze Zeit, warum ich eigentlich nie was Lustiges spiele, aber jeder kann was anderes. (lacht)

Dann bedanke ich mich für das Gespräch und wünsche noch viel Erfolg mit „Wintermärchen“.

Thomas Schubert: Ich danke!
Der Autor
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