Berlinale 2019
M – Ein Filmklassiker kehrt in Serienform zurück

M – Ein Filmklassiker kehrt in Serienform zurück

Im Rahmen der Berlinale wurden die ersten Episoden der Serien-Neuadaption von Fritz Langs Klassiker „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ uraufgeführt. Heute feiert die Serie ihre TV-Premiere im ORF. Wir durften sie schon in Berlin sehen.
Der Film „M - Eine Stadt sucht einen Mörder“ (1931) der österreichisch-deutschen Regielegende Fritz Lang gilt ohne Zweifel als einer der einflussreichsten und wichtigsten Werke der deutschen Filmgeschichte. Auch international eilt dem Thriller, in dem Peter Lorre einen „Peer Gynt“-pfeifenden Kindermörder spielte, der im Berlin der 30er-Jahre für Angst und Schrecken sorgt, ein hoher Ruf nach. So werden die innovativen Montage- und Schnitt-Techniken von Langs Meisterwerk noch heute an zahlreichen Filmhochschulen gelehrt und auch in anderen Werken der Popkultur wurde der Film über die Jahre hinweg öfters zitiert. Bereits mehrfach wurden Versuche in die Wege geleitet den Stoff neu zu verfilmen: so erschien schon in den 50er-Jahren ein Hollywood-Remake, das jedoch keine großen Erfolge verbuchen konnte. Nun hat sich der Österreicher David Schalko (u. A. bekannt als Kopf hinter der Erfolgsserien „Altes Geld“ und „Braunschlag“) der massiven Aufgabe angenommen, den Stoff für ein modernes Publikum neu aufzulegen. Schalko hat dafür aus dem einst 111 Minuten langen Spielfilm eine 6-teilige Miniserie gemacht. Die Serien-Neuadaption feierte im Rahmen der Schiene „Berlinale Special Series“ auf dem diesjährigen Festival ihre Weltpremiere, wo die ersten zwei Folgen gezeigt wurden. Die Handlung des Originals wurde hierfür vom Berlin der 30er-Jahre auf das Wien des 21. Jahrhunderts verlegt.


Video von der Premiere auf der Berlinale

Eine überforderte Mutter („Die Beste aller Welten“-Star Verena Altenberger) ist außer Rand und Band als plötzlich ihre 8-jährige Tochter Elsie spurlos verschwindet. Die bereits zerbröckelnde Ehe zwischen ihr und dem Vater der Tochter (Lars Eidinger) wird durch Elsies Verschwinden nur noch mehr auf die Probe gestellt. Als nach für nach immer mehr Kinder in der Stadt verschwinden bricht eine Massenpanik innerhalb der Wiener Bevölkerung aus, die von Politik und Medien nur als gezieltes Mittel der Manipulation für eigene Zwecke benutzt wird.



Die ersten zwei Folgen deuten auf eine gelungene Neuadaption hin, die - ähnlich wie schon das Original – ein authentisches Gesellschaftsbild entwirft, das von Ängsten und politischen Missständen gezeichnet ist. Dabei lässt Schalko das Szenario im Hintergrund der aktuellen Flüchtlingsthematik abspielen und streut hier und da auch Bezüge auf die derzeitige politische Lage Österreichs ein. So spielt der Charakter eines Innenministers (Dominik Maringer) eine zentrale Rolle im Plot, dessen gekünstelte Rhetorik und schleimiges Auftreten schwer an das Image von Bundeskanzler Sebastian Kurz erinnern lassen und dessen kalkulierte Manipulation gesellschaftlicher Ängste der Bürger in Bezug auf die Flüchtlingskrise klar an ähnliche Taktiken der FPÖ anspielen soll.

Neben den interessanten gesellschaftspolitischen Elementen, weiß die Serienadaption auch ästhetisch auf voller Linie zu überzeugen. Schalko kreiert ein fantastisch aussehendes Wien, das nur so von Schnee bedeckt ist und erzeugt dadurch eine kalte, düstere Atmosphäre, die sich stimmig durch die gesamte Bildsprache der Serie zieht.

Seltsam ist hingegen die Entscheidung auch zahlreiche deutsche Darsteller (unter anderm Moritz Bleibtreu als Verleger) zu besetzen, weswegen der oft zu rasche Wechsel zwischen dem echten Wiener Dialekt und Hochdeutsch dem Werk manchmal Authentizität rauben kann. Allgemein vermitteln die ersten beiden Episoden ein wenig den Eindruck als wären hier zu viele Figuren auf einmal in den Topf geworfen worden. Wenn denn nun plötzlich Udo Kier mehrmals als wortkarger Fotograf auftaucht und „Ärzte“-Sänger Bela B. einen exzentrischen bleichen Mann mit angeblichen Hinweisen auf den Mordfall mimen darf, lenken diese doch schwer überzeichneten Figuren ein wenig vom Hauptgeschehen ab und wirken, als wolle man just so viele falsche Fährten wie nur möglich setzen.

Es lässt sich dennoch sagen, dass die ersten beiden Folgen von David Schalkos „M“-Neuauflage sehenswert geworden sind und wir gespannt sind wie die etablierten Handlungsstränge in den restlichen Folgen weitererzählt werden.

Im ORF eins werden heute die ersten zwei Episoden der Serie am Hauptabend ihre TV-Premiere feiern. Am 20. und 22.Februar werden die restlichen Episoden jeweils in Doppelfolgen gezeigt.
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