Die Oscarnominierungen 2019 stehen fest.
Sarajevo Film Festival
Sarajevo Film Festival 2015 – Teil 2

Sarajevo Film Festival 2015 – Teil 2

Stars und Preise. Der Nachbericht des Sarajevo Film Festival 2015
Das Sarajevo Film Festival ist vor einer Woche zu Ende gegangen und selbst an Stars hat es nicht gemangelt. Benicio Del Toro hat das Festival be- und wurde gleich mit dem Ehrenpreis des Festivals – „Honorary Heart of Sarajevo“ – geehrt. Im Gepäck hatte er den grandiosen „A Perfect Day“, der für mich einen der besten Filme des Festivals darstellt. Vor der Vorführung konnte er noch ein paar Worte an den komplett überfüllten Publikumsraum des OpenAir-Kinos richten. Sichtlich angetrunken fand er allerdings die richtigen Worte als Einführung für den Film, der gegen Ende des Bosnienkrieges angesiedelt ist.



Das Wettbewerbs-Programm des Festivals glich einem Wellental. Richtig beeindruckende Filme folgten auf herben Enttäuschungen und umgekehrt. Die Preise des Festivals wurden aber dann doch an meine Favoriten verteilt. Den Hauptpreis – „Heart of Sarajevo for Best Feature Film“ – gewann der türkische Beitrag „Mustang“, der sich mit der Repression von jungen Frauen auseinandersetzt. Das Ensemble, die fünf Schauspielerinnen, die darin Schwestern spielen, wurden gemeinsam auch mit dem Award für die beste Schauspielerin ausgezeichnet.



Das ungarische Holocaust-Drama „Son of Saul“ gewann den Spezialpreis der Jury. Ein Film, der einen gleichzeitig erschlägt wie berührt. Saul, der sich als jüdischer Gefangener im KZ Auschwitz-Birkenau befindet, ist Teil des Sonderkommandos, das dafür zuständig ist, die Leichen des Konzentrationslagers zu verbrennen. Die bewegliche Kamera folgt stets dem Protagonisten, der nur davon angetrieben ist, seinen Sohn wieder zu sehen.

Der griechische „Chevalier“ bekam eine spezielle Juryerwähnung und das Schauspielensemble wurde auch gemeinsam mit dem Award für den besten Schauspieler ausgezeichnet. Eine absurder Film, der formal wie auch inhaltlich keine scharfe Trennlinie zwischen Witz und Ernst zieht. Er handelt von einer Gruppe Männer, die gemeinsam eine Schifffahrt unternehmen. Da ihnen eines abends die ewig gleichen Spiele auf die Nerven gehen, entscheiden sie sich ein neues Spiel zu erfinden, dessen Gewinner der Beste in Allem darstellt. Folgend wird jede Handlung eines jeden von den anderen auf dem Schiff bewertet. Ein Film über die Gefährlichkeit des Narzissmus von Menschen, der allerdings nie ganz zündet, was allerdings das Konzept zu sein scheint.

Eine Spezialerwähnung meinerseits hat der im Fokus-Programm laufende „Aferim!“, ein rumänischer „Western“, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt, verdient. Besonders überzeugt hat mich auch dessen schwarzweißes Bild. Farblosigkeit wird in aktuellen Filmen so gut wie immer erst in der Postproduktion hergestellt. Die Filme werden (immer seltener) auf (35mm-)Film oder (immer häufiger) mit digitalen Kameras auf Farbe aufgenommen und dem Bild wird erst in der Nachbearbeitung die Farbigkeit entzogen. „Aferim!“ hingegen wurde bereits analog schwarzweiß aufgenommen! Natürlich bedeutet dies größere Kosten für die Produktion, da nur noch wenig Schwarzweiß-35mm-Material hergestellt wird und es folglich teurer ist, aber es zahlt sich sichtlich aus.

Zum Abschluss kann ich allen für einen Sarajevo-Besuch nur noch raten, so viele Ćevapčići wie möglich zu essen. Für Nicht-Fleischesser hat die Stadt kulinarisch allerdings nur eher wenig zu bieten – das erste und letzte vegetarische Restaurant hat z.B. vor kurzem geschlossen. Kulturell sollte aber in für jeden etwas dabei sein.
Der Autor
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Josko

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