Heidi@Home
Heidi@Home: Being Mandy Patinkin

Heidi@Home: Being Mandy Patinkin

Der heimliche Star des neuen Serienhits „Homeland“.
„Homeland“ ist das aktuelle große Ding der Serienlandschaft, hochgelobt und zahlreich ausgezeichnet – und das zu Recht. Endlich läuft die Serie auch im deutschen Fernsehen und zwar aktuell Sonntagnacht auf SAT 1.

Doch hier soll es weniger um die unerschrockene (und zugleich problematische Persönlichkeit) von Carrie Mathison (Claire Danes) gehen, nicht um den angeblich umgedrehten Soldaten Nicholas Brody (Damian Lewis) oder die großen Fragen dieser Serie, wie etwa innere Sicherheit und Kampf gegen den Terror, auch Aspekte der Moral und Ethik, die damit verbunden sind, stehen heute nicht im Mittelpunkt, sondern der heimliche Star von „Homeland“, Saul Berenson und sein Darsteller Mandy Patinkin.

Von Patinkin als Neuentdeckung zu sprechen, wäre mutig: schließlich ist der Schauspieler bereits sechzig Jahre alt und er hat eine beachtliche und bunte Karriere hinter sich, wenn auch hierzulande bis vor kurzem kaum jemand seinen Namen kannte. Patinkin schlug nämlich zuerst eine musikalische Laufbahn ein und wurde 1980 sogar mit dem Tony für seine Rolle des Che Guevara im Musical „Evita“ ausgezeichnet. Ebenso war er Barbara Streisands singender Co-Star im Film „Yentl“. Danach zeigte Patinkin eine Vorliebe für Kinderfilme und drehte unter anderem den Klassiker „Die Braut des Prinzen“ und „Hilfe! Jeder ist der Größte“ Erst später begann seine wechselvolle Geschichte in TV-Serien: aus „Chicago Hope“ stieg er trotz seines Erfolgs aus, um mehr Zeit für seine Familie zu haben, „Dead Like Me“ hingegen wurde nach zwei Staffeln eingestellt. Großes Aufsehen erregte sein überraschender Rückzug aus „Criminal Minds“. Erst Jahre später gab er an, die Serie sei ihm zu grausam gewesen. Er hatte auch vor, nie wieder eine Serienrolle anzunehmen, entschied sich glücklicherweise doch anders. Auch in „Homeland“ spielt Gewalt eine Rolle, allerdings wird diese, und das ist Patinkin dabei sehr wichtig, immer in Frage gestellt.

Als Saul Berenson in „Homeland“ verkörpert Patinkin einen CIA-Abteilungsleiter, eigentlich bereits pensioniert. Doch Saul lebt auch im Ruhestand noch für seine Arbeit, dafür vernachlässigt er seine Familie, besonders seine Ehefrau, was ihm selbst schmerzlich bewusst ist und was er auch bereut. Dennoch kann er nicht aus seiner Haut und ein gewisser Ersatz für seine Versäumnisse scheint seine väterliche Beziehung zu Carrie Mathison zu sein, deren Mentor er war und ist. Er glaubt an Carries großes Talent, weshalb er sie vor Gegenwind aus der CIA schützt, ihr Aktionen am Rande der Legalität ermöglicht und sie verteidigt, ihre Entscheidungen aber auch immer wieder hinterfragt und sie damit herausfordert. Es gibt eine Szene, in der Carrie mit Saul um eine handsignierte Platte von Thelonius Monk wetten will, doch Saul winkt ab – er würde John Coltrane bevorzugen. Diese beiden Größen des Jazz‘ arbeiteten 1957 zusammen und Coltrane meinte, er habe von Monk viel in Sachen Kühnheit, Unberechenbarkeit und Spontanität gelernt. Eine schöne Metapher für die Beziehung der beiden Seriencharaktere.

Weiters interessant an der Figur: seine jüdische Religion spielt eine zentrale Rolle, und zwar durchaus im Hader mit seiner Identität. Als Kind fühlte Saul sich ausgeschlossen, weil er einer anderen Religionsgemeinschaft angehörte als seine Mitschüler, und nicht mit ihnen singen und beten durfte. Außerdem gab es Probleme mit seinen Eltern, als er seine indische Freundin heiratete. Dennoch ist er in der Kultur des Judentums verwurzelt, er benutzt jiddische Floskeln (wie „Schmock“), spricht jüdische Gebete wie den Kaddisch, deckt mit einem bitteren Lächeln antisemitische Verhaltensweisen auf, als er in einem Club, in dem Juden nicht als Mitglieder zugelassen sind, ein jüdisches Gemälde entdeckt. Was nebenbei auch auf seine Kunstkenntnisse verweist.

Saul Berenson ist drauf und dran, sich zu einem der vielschichtigsten und interessantesten Charaktere der neueren Serienlandschaft zu entwickeln, in den Szenen mit Claire Danes überzeugt die besondere Chemie, die zwischen den Schauspielern herrscht. Wie es mit Berenson weitergeht, das weiß Patinkin nach eigener Aussage nicht, auch mögliche Geheimnisse sind ihm so verborgen wie uns. Wir dürfen also gespannt sein.

Wie gefällt Euch „Homeland“ und seid auch Ihr Fans von Saul?
Mehr dazu auf Uncut:
Mandy Patinkin
Die Autorin
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Forum

  • Saul

    Bei der Serie „Homeland“ bin ich natürlich auch ein großer Fan von Saul.
    treadstone71_02519ad8f6.jpg
    19.03.2013, 09:15 Uhr