Die Oscarnominierungen 2019 stehen fest.
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Heidi@Home: Wie ein Kuchen ohne Kirsche

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Pokert er hoch oder findet das „Twin Peaks“-Revival tatsächlich ohne Mastermind David Lynch statt?
In „Twin Peaks“ sagt das Mordopfer Laura Palmer, die in der Serie eigentlich nie am Leben war, so wie wir es verstehen, zu Agent Cooper, der in die mysteriöse Kleinstadt gereist ist, um ihren Mord aufzuklären, dass sie sich in 25 Jahren wiedersehen werden.

Die Serie wurde 1991 ausgestrahlt, das bedeutet, dass es nächstes Jahr soweit wäre. Folgerichtig gab es vor einigen Monaten die Bekanntmachung, dass „Twin Peaks“ tatsächlich mit dem alten Team fortgesetzt wird. Doch Anfang April richtete Serienerfinder und Regisseur David Lynch seinen Fans via Twitter aus, dass er wider Erwarten nicht Regie führen werde, obwohl die Drehbücher bereits fertig seien. Grund dafür: Der Sender Showtime kann das Budget, das Lynch sich erwartet, nicht bereitstellen. Diese Nachricht löste enormes Feedback unter den Fans aus, vor allem natürlich in Form von Entsetzen. Viele sehen das Projekt damit zumindest ideell praktisch als gescheitert an, auch wenn Lynch beteuert: „Twin Peaks may still be very much alive at Showtime.“ Das bezweifeln nicht nur Fans, sondern auch die Schauspieler, die in einem gemeinsamen Video (unter dem Hashtag #savetwinpeaks) aufzählen, was „Twin Peaks“ ohne Lynch wäre. Nämlich zum Beispiel sowas wie Feuer ohne Hitze, ein Mädchen ohne Geheimnis oder eben Kuchen ohne Kirschen (in Anspielung auf Agent Coopers Lieblingsspeise).



Wie also ist Lynch‘ Abgang zu verstehen? Ist das alles nur eine große Marketing-Aktion, um noch mehr Aufmerksamkeit für das ohnehin schon mit großer Aufregung erwartete Revival zu erzielen? Einiges spricht dagegen:
David Lynch ist nicht gerade als disziplinierter Vollstrecker seiner Werke bekannt. Seit letzter abendfüllender Film „Inland Empire“ liegt zehn Jahre zurück und war selbst für eingefleischte Fans eine Herausforderung. Sein Meisterwerk „Mulholland Drive - Straße der Finsternis“ stammt aus dem Jahr 2001. Lynch hat auch vor der „Twin Peaks“-Absage viele Projekte angekündigt, die sich zerschlagen haben. Es gibt eine eigene Webseite, die sich mit angekündigten, aber nie ausgeführten Filmideen beschäftigt. Beispielsweise hatte Lynch ein Projekt über „die andere“ Marilyn Monroe geplant („Goddess: The secret lives of Marilyn Monroe“), und einen Film über drei Männer, die früher Kühe waren („Dream of the Bovine“). Sogar eine andere TV-Serie, „The Lemurians“, befand sich in Vorbereitung. Sie sollte von einem untergegangen Kontinent handeln, der wegen der Bosheit ihrer Bewohner im Meer versunken war und von einem Wissenschafter erforscht wird.

Lynch mag ein gewissermaßen schwieriger Regisseur sein, der eine genaue Vorstellung von der Umsetzung seiner Werke hat; dafür spricht u.a. dass er schon 1970 um eine finanzielle Förderung für seinen Kurzfilm „The Grandmother“ von 7.200 Dollar beim amerikanischen Filminstitut angesucht hatte. Ursprünglich wollte das Institut nur 5.000 Dollar bereitstellen, steuerte aber schlussendlich auch noch die fehlenden 2.200 Dollar bei. Das mag eine Kleinigkeit sein, zeigt aber, dass Lynch auch schon damals nicht von seinen Vorstellungen abgewichen ist. Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, dass Lynch bereits bei der zweiten Staffel von „Twin Peaks“ aufgrund der Vorgaben des damaligen Senders ABC große Zugeständnisse machen musste. ABC forderte die Aufklärung von Laura Palmers Tod, etwas, das weder Lynch noch Co-Autor Mark Frost wirklich interessierte, war der Mordfall und die Ermittlungen doch nur Mittel zum Zweck, um die bizarre Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner zu erzählen. Die Forderung, doch endlich, dem Mainstream entsprechend, einen Mörder zu präsentieren, zerstörte den dramaturgischen Bogen der Staffel, richtete sich also gegen Lynch‘ künstlerischen Anspruch und führte in weiterer Folge zum sinkenden Interesse der Zuseherschaft. Die am Ende fast gescheiterte Kultserie fortzusetzen, ist nun schon prinzipiell ein Wagnis. Dazu kommt die sehr hohe Erwartungshaltung der Fans, die großen Druck erzeugt. Lynch ist sich dessen ganz sicher bewusst, und deshalb vermutlich weniger als je zuvor bereit, Kompromisse einzugehen.

Bleibt abzuwarten, ob „Twin Peaks“ ohne seinen Erfinder fortgesetzt wird, ob Showtime einlenkt oder ob das Projekt gänzlich eingestampft wird, wie leider viele Ideen von David Lynch zuvor.
Die Autorin
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Heidi@Home


Forum

  • Rücktritt vom Rücktritt

    Wie es ausschaut hat David Lynch richtig gepockert und wird nun ja doch die Regie für die Twin-Peaks-Neuauflage übernehmen. Bin schon gespannt.
    treadstone71_02519ad8f6.jpg
    28.05.2015, 22:46 Uhr