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    For One Magical Night Only

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Der britische Filmregisseur Jim Hosking setzt in seinem neuesten Werk „An Evening with Beverly Luff Linn“ zwei Jahre nach seinem Spielfilmdebüt erneut auf einen ganz speziellen Humor und versammelt hierfür viele bekannte Gesichter aus dem Comedy-Bereich, allen voran Aubrey Plaza und Jemaine Clement. Ein schräger Überfall, grunzende Laute und 70er-Jahre-Vibes inklusive.

    Die Kellnerin Lulu (Aubrey Plaza) fällt aus allen Wolken, als sie den mysteriösen Werbespot zu einer Veranstaltung mit dem Titel „An Evening with Beverly Luff Linn“ im Fernsehen sieht: Bei besagtem Mr. Luff Linn handelt es sich nämlich um ihren Ex-Freund, der eines Tages plötzlich verschwand. Nachdem Lulus Ehemann Shane Danger (Emile Hirsch) dann auch noch ihren Bruder Adjay (Sam Dissanayake) in dessen Kiosk überfällt und eine Geldschatulle stiehlt, bricht sie gemeinsam mit dem naiven, aber dennoch treuherzigen Ganoven Colin (Jemaine Clement) und dem gestohlenen Geld kurz entschlossen ins Morehouse Hotel auf, in dem die Show stattfinden soll. Aber auch Beverly Luff Linn (Craig Robinson) und sein Geschäftspartner Rodney Von Donkensteige (Matt Berry) verweilen in dem Hotel und es entfaltet sich ein Liebesdrei- bzw. -vieleck mit zahlreichen Irrungen und Verwirrungen.

    Hoskings Filme definieren sich im Allgemeinen durch einen eigenen humoristischen Stil, der nicht bei jeder/m gleichermaßen gut ankommt. Die Dialoge stammen von Hosking selbst, der gemeinsam mit David Wilke das Drehbuch schrieb. Gerade hier ist eine verstärkte Ambivalenz zu spüren: So kommt es mitunter zu etwas seichteren Gags (Stichwort Blähungen) oder übertriebenen, slapstick-ähnlichen Einlagen, die vor allem zu Beginn der Handlung auffällig sind. Dies bessert sich allerdings im Laufe des Films, da später zum Teil viel subtilere Wortwitze Verwendung finden. In dieser Hinsicht sind die Dialoge zwischen Plaza und Clement zu erwähnen, deren skurrile Persönlichkeiten dadurch nochmals unterstrichen werden.

    „An Evening with Beverly Luff Linn“, der seine Premiere am Sundance Film Festival feierte, besticht nämlich insbesondere durch seine exzentrischen Charaktere. Egal ob wir den bizarren Rezeptionisten Lawrence betrachten oder den hyperaktiven Adjay, der immer zu schreien scheint – alle Figuren sind auf ihre Art einzigartig. Obwohl Emile Hirsch größtenteils übertrieben gestikuliert und Craig Robinson sich durch den Film grunzt, versprühen vor allem Aubrey Plaza und Jemaine Clement einen gewissen Charme, von dem der Film lebt. Auch die vielen Nebencharaktere überzeugen durch unterschiedliche, doch allesamt zu ihrer Figur passende, spezielle Attribute.

    Ebenso ist Hosking eine bestimmte Detailverliebtheit nicht abzusprechen. Sei es durch Musik, Kostüme oder Requisiten, die 70er-Jahre werden imposant und auffällig inszeniert. Besonders die Musik ist hier hervorzuheben: nach Sichtung des Films bleibt vor allem die Tanzszene im Gedächtnis, die von F. R. Davids Kultklassiker „Words“ sowie Lulus und Colins grazilen Tanzmoves untermalt werden.

    Letztlich lässt sich noch die Frage stellen, in welches Genre man „An Evening with Beverly Luff Linn“ einordnen kann. Denn es wirkt insgesamt wie ein großer Genremix, in dem so viel wie möglich versucht wird unterzubringen – Liebe, Mystery, eine möglichst hohe Anzahl an Absurditäten oder verstärkte Emotionalität. Hosking versucht jedenfalls viel, manches geht auf, manches nicht.

    Eines ist jedoch gewiss: Wir haben es hier mit einer schrillen Komödie zu tun, die teilweise mit sehr speziellem Humor aneckt. Einige flache Stellen im Drehbuch kann man allerdings geflissentlich übersehen, da man dafür zahlreiche grotesk anmutende Charaktere und einen catchy Soundtrack erhält. „An Evening with Beverly Luff Linn“ ist nämlich vor allem sicherlich eines: kultig.
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    (Marion Schlosser)
    02.10.2018
    11:32 Uhr