Forum zu Requiem

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15 Bewertungen
73% Bewertung
  • Bewertung

    Der "realistische" Exorzist

    Das Tragische an diesem Film ist, dass er auf wahre Begebenheiten beruht! Hans-Christian Schmid ist ein realistischer Film gelungen, der vor allem deshalb so unter die Haut geht, weil er die Qualen des jungen Mädchens bemüht und authentisch darstellt ! REQUIEM ist ein schwerer Film, der auch kritisch die Rolle der Kirche und seiner Vertreter in Form der Priester darstellt!
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    23.04.2006
    19:18 Uhr
  • Bewertung

    Unglaublich guter Film!

    Schwer zu beschreiben, aber ich habe selten so einen intensiven Film gesehn. Sehr gute Schauspieler und eine Geschichte, die einen auch über das Ende hinaus erhalten bleibt.
    Der beste Film des Jahes, bis jetzt.
    Ich glaub aber nicht, dass noch was besseres kommt.
    kerko_bf96cbca84.jpg
    23.04.2006
    10:56 Uhr
  • Bewertung

    Zum aus der Haut fahren


    Als ich im Festivalprogramm der Berlinale über diesen Film las, wußte ich sofort, dass ich ihn mir anschauen würde. Einerseits, weil ich wissen wollte, wie „23“-Regisseur Hans-Christian Schmid seinen Film anlegen würde und ich schon im Vorfeld bescheid wissen wollte, falls darin wieder irgendwelche aus dem Zusammenhang gerissenen religiösen Behauptungen vorkämen, die mich als angehenden Theologen auf den Parties der nächsten 6 Monate in den Diskussionen forder würden.

    Zu meiner großen Überraschung findet sich in „Requiem“ aber alles das nicht. Es gibt keine spektakulären Horrorsequenzen à la „Der Exorzist“ von W. Friedkin, keine Schockeffekte à la „Emily Rose“ . Was wir zu sehen bekommen, ist die erschütternde Lebensgeschichte einer jungen Frau, die zeit ihres Lebens unter ihrer strengen Mutter und der erzkonservativen Erziehung zu leiden hatte und daraus eine Psychose entwickelt. Das Ganze in einem problematischen Mix aus überfrommer Religiosität, der Aufbruchszeit der Siebziger Jahre und einem beiderseitigen nicht-loslassen-Können, sowohl seitens der Eltern als auch der Tochter. Nicht nur einmal würde man am liebsten auf die Leinwand springen und eingreifen, bevor es zuspät ist, aber wir bekommen keine Chance: nach allem, was sie schon versucht haben und versucht zu haben glauben, stimmen die Eltern dem Exorzismus an ihrer Tochter zu.

    Hans Christian Schmids Film ist auf eine faszinierende Weise schlicht, ohne simpel zu wirken, neutral, ohne distanziert zu sein, erschreckend, besonders gegen Ende beinahe verstörend, irritierend und widerwärtig. Er erzeugt im Zuschauer eine nahezu ekeleregende Abscheu vor der Borniertheit der Mutter, eine Wut über die Ohnmächtigkeit ihres Vaters und aller, die es mit Michaela wirklich gut meinen und über die Macht, die fanatische Religiosität über die Psyche eines Menschen haben kann. In dieser düsteren, nur schwer erträglichen Stimmung strahlt nur eine hervor: Hauptdarstellerin Sandra Hüller. Mit der letzten Faser ihres Körpers vollzieht sich der geistige und körperliche Verfall Michaelas an ihr und mit einer infernalisch-bestialischen Energie läßt sie in den schwierigen Szenen gegen Ende des Filmes jeden Zweifel offen, mit wem wir es hier zu tun haben.

    Regisseur Schmid hat selbst ein distanziertes Verhältnis zur Kirche. Vor mehr als 15 Jahren ist er, in Altöttingen in einem modernen, aber katholischen Elternhaus aufgewachsen, aus der Katholischen Kirche ausgetreten, als er eine Recherche über das vom Vatikan unterstützte „Engelwerk“, seiner Meinung nach eine innerkirchliche Sekte, durchführte. Er ist der Überzeugung, dass der Glaube eine persönliche Sache ist, eine Projektion jedes einzelnen Menschen, die einen Versuch darstellt, essenzielle Fragen des Lebens zu beantworten.

    Ihm ging es in seinem Film daher nicht um eine rein institutionelle Kritik, denn er wisse sehr wohl, dass es auch innerhalb der Katholischen Kirche verschiedene Auslegungen des Glaubens gebe. Das war auch ein Grund für ihn und den Drehbuchautor Bernd Lange, zwei Geistliche unterschiedlicher Prägung im Film auftreten zu lassen. Für ihn ist der Film eine Geschichte über Menschen, die in ihrer Verzweiflung dort Zuflucht suchen, wo sie ihrer Überzeugung nach eine Lösung zu finden glauben und deren Machtlosigkeit der Situation gegenüber. Auch die Hauptdarstellerin Sandra Hüller schätzt „Kirchen nur wegen ihrer Architektur“, persönlich habe sie überhaupt keinen Bezug zu Religion, sie ist der Meinung, man könne die Welt nicht dadurch erklären, dass man „in Systeme denke“. Das erscheint ihr zu einfach. Welche Botschaft der Film insgesamt vermittelt, möchte Regisseur Schmid dem Publikum überlassen.

    „Requiem“ ist ein quälender Film, ohne Weichzeichner, aber auch ohne Platitüde oder Klischee, sondern eine ans Herz und an den Magen gehende dramatische Chronologie des Leidens mit im wörtlichen Sinne unheimlich professionellen Schauspielern unter einem intelligenten Regisseur.

    Ein außergewöhnlicher Film, ein herausragender Beitrag zum Festival, wenn nicht sogar DER Film der ganzen Berlinale.
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    17.02.2006
    22:37 Uhr