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    In the Mood for Cinema

    Exklusiv für Uncut
    Ein Film ist immer derselbe. In jedem Kino auf jedem Format ist es dasselbe Bild zu selben Sekunde mit demselben Schnitt. Alle Zuschauer*innen sehen dasselbe Close-Up und hören denselben Ton. Wie jedoch jede*r Kinogänger*in weiß, manchen Tag, Projektion, Kino und allgemeine Verfassung einen riesigen Unterschied. Der Film mag derselbe sein, seine Wirkung kann drastisch variieren. Als ich also nach dieser coronabedingten Kinopause wieder vor einer Leinwand sitzen durfte, hätte ich glaub ich auch „Twilight“ mehr als genossen. Ich hatte nun jedoch das Glück „In the Mood for Love“, nicht nur allgemein zum ersten Mal zu sehen, sondern auch noch die Ehre seit Langem wieder ins Kino gehen zu dürfen. An einem verregneten Mittwoch-Vormittag sitze ich also in dem charmanten Filmhaus am Spittelberg und erlebe kräftige Farben, die über eine Leinwand fließen. Es gehörte sicher zu einem der schönsten Kinoerlebnis meines Lebens. Wie viel davon der Film war und wie viel davon das Kinoerlebnis war, kann ich bis heute nicht sagen.

    Doch worum geht es: Hongkong 1962. Der Chefredakteur Chow Mo-Wan (Tony Leung Chiu Wai) zieht am selben Tag in ein Haus wie die Sekretärin Su Li-zhen Chan (Maggie Cheung). Beide sind verheiratet, jedoch sind ihre jeweiligen Ehepartner ständig durch ihre Arbeit beschäftigt. So verbringen Chow und Su viel Zeit allein in diesem Haus. Man sieht sich im Treppenhaus oder läuft sich auf der Straße beim Nudeleinkauf entgegen. Eine Freundschaft entsteht, so wie die Frage nach der Liebe und der Bedeutung ihre brüchigen Ehen. Wong Kar-Wai arbeitet in diesem, im Jahr 2000 erschienen Film, mit derart kräftigen, intensiven Farben das einem das Staunen kommt. Sensible und langsam zeichnet er das Leben dieser zwei Menschen nach. Gesprochen wird weniger oder oft belangloses, der Film überlässt das Erzählen seinen Bildern. Leung und Cheung haben eine derart innige und charismatische Chemie, die mit ihrem sensiblen Spiel zu einem Schauspiel verschmilzt, das seinesgleichen sieht. Wong Kar-Wai improvisierte einen Großteil des Skripts mit den beiden vor Ort und fügte den Film erst im Schnitt zu seiner finalen Erzählung zusammen. Ein Umstand den man dem Film in keiner Sekunde anmerkt. Flüssig und natürlich fließt die Handlung mit seinen Charakteren und erzähl eine Berührende Geschichte über Liebe und Freundschaft, die zurecht zu einem Klassiker des Kinos geworden ist.

    Die ersten Male sind oft etwas Besonderes, der erste Film, der erste Flug oder der erste Kuss, sind meist mit intensiven Erinnerungen verbunden, seien es gute oder schlechte. Aber auch nach einer langen Pause kann das erste Mal eine berauschende Wirkung haben. Der erste Film nach dieser unfreiwilligen Pause wird für viele etwas Besonderes sein, dabei bin ich mir sicher. Wenn euch nun mehr nach einem Actionknaller zumute ist, kann ich das zur Gänze verstehen
    und wünsche euch viel Spaß bei „King Kong vs. Godzilla“. Falls ihr aber doch durchaus Lust auf einen ruhigen und intensiven Film habt empfehle ich euch von ganzem Herzen, nachzuschlagen welches Lichtspielhaus in ihrer Nähe „In the Mood for Love“ wieder in sein Programm aufnimmt. Nach diesen trüben und düsteren Wintermonaten hilft natürlich auch die Sonne, aber Farbkunst, die süßliche Melodien und berührende Geschichte dieses Filmes werden nach diesen harten Monaten wahre Wunder wirken, vertraut mir.
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    19.05.2021
    21:04 Uhr