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    Mord, Sex und viel Geschrei

    "Wintermärchen" von Jan Bonny erzählt, in Anlehnung an die NSU-Morde, die Geschichte der drei Nazis Becky, Tommi und Maik, die gemeinsam im "Untergrund" leben und einander in Sex- und Gewaltexzessen immer weiter zu grausamen Morden an Nicht-Deutschen hochschaukeln.

    Durch Kameramann Benjamin Loeb, der sich unter anderen für Filme wie "Mandy" verantwortlich zeichnet, ist der Film gekonnt in Szene gesetzt, auch darstellerisch kann man dem Film viel abgewinnen, hier ist vor allem Thomas Schubert in seiner Rolle als Tommi lobend hervorzuheben.

    Die Entscheidung des Regisseurs die Geschehnisse unkommentiert passieren zu lassen, die Protagonisten ohne jeglichen Antrieb ihren Hass und Wut an unschuldigen Menschen ausleben zu lassen, ist jedoch meiner Meinung nicht nachvollziehbar und hinterlässt angesichts der in Europa tatsächlich immer stärker werdenden Xenophobie mehr als nur einen bitteren Nachgeschmack.

    Mit einer Länge von knapp zwei Stunden, von der ein Großteil mit Geschrei und den denkbar unangenehmsten Sexszenen überhaupt eingenommen wird, zieht sich der Film vor allem in der ersten Hälfte sehr und wirkt durch die repetitiven Handlungsmuster der Charaktere schnell ermüdend.

    Das Drama vermittelt das Gefühl, es ginge dem Regisseur weniger um eine klare Aussage, sondern viel mehr darum zu schockieren und zu provozieren, was durch das durchgehend präsente widerwärtige Verhalten der Hauptfiguren auch gelingt, den Film für mich jedoch in keinerlei Weise sehenswert macht.
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    28.09.2019
    21:20 Uhr