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Jack

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Forumseintrag zu „Jack“ von Oh Honey


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Oh Honey (13.09.2015 21:42) Bewertung
Inkonsequenz
Jack Unterweger, der Paradehäftling, der resozialisiert wurde und in seiner Zeit im Gefängnis zum Poeten wurde. Es folgt eine vorzeitige Entlassung, nach 15 Jahren kommt er frei. Eingesperrt wurde er für den Mord an einer jungen Frau, lebenslang war das Strafausmaß. Im Gefängnis wird er Schriftsteller, schreibt Gedichte, Prosa und seine Lebensgeschichte nieder, wieder in Freiheit inszeniert er sich selbst.
Es dauert aber nicht lange, bis er mit Frauenmorden in Verbindung gebracht wird, mehrere Prostituierte werden vermisst oder tot aufgefunden, an Orten, die er besucht hat - Wien, Prag, Dornbirn, LA. Die Polizei zieht ihre Kreise immer enger um Unterweger.

Elisabeth Scharang porträtiert Unterweger als Menschen und lässt die Komponente des (Serien-)Mörders eher außen vor. Der Mord, der ihn hinter Gitter brachte wird gleich am Anfang thematisiert, er bildet die Vorgeschichte. Der größte Teil des Films handelt zwischen der Freilassung und dem Suzid Unterwegers und wie sich sein Leben in Freiheit gestaltet.

Scharang arbeitet mit mehreren Komponenten, wovon die Musik für mich die stärkste ist, welche von Naked Lunch für den Film produziert wurde. Sie stellt meiner Meinung nach den roten Faden dar. Der Film ist leider durchgehen inkonsequent. Auch wenn man von einem limitierten Budget ausgehen muss, ist es meiner Meinung nach trotzdem notwendig der Zeitperiode gerecht zu werden, in der die Handlung spielt. Straßen mit modernen Autos (aktuelle Modelle der österr. Polizei oder von Mini) haben dabei genauso wenig verloren wie moderne Kühlschränke, Netzwerkbüchsen, Schnurlostelefone oder Penny und Bipa Postwurfsendungen.
Mit idyllischen Wildtiermotiven wird versucht die Handlung zu unterbrechen, sie stehen vermutlich für die vermeindlichen Morde. Während des Films ist es aber kaum verständlich, da dieser mal hier, mal dort ist. Ist man nicht mit der Materie vertraut, fällt es schwer der Handlung zu folgen, beziehungsweise zu erkennen, wie viel Zeit zwischen den Szenen vergangen ist.
Unnötig sind auch die Versuche, die dem Zuseher von 2015 erklären, warum im Jahr 1990 etwas anders ist ("DNA-Untersuchungen" sind noch nicht ausgereift genug" etc.).

Schauspielerisch zeichnen sich für mich keine Glanzlichter ab. Johannes Krisch ist durchaus kompetent in der Rolle des Jack, porträtiert ihn aber zu derb und roh und wirkt aus mich eher abstoßend - was ja vermutlich durchaus erwünscht ist. Enttäuschend waren sowohl Corinna Harfouch als auch Birgit Minichmayr.

Leider konnte mich "Jack" nicht überzeugen. Ich bin zu jung um seine Geschichte "live" miterlebt zu haben und habe mich im Vorhinein nicht mit Unterweger auseinandergesetzt. Erst nach kurzer Recherche wurde mir bewusst, dass einige fiktive Elemente im Film vorkommen. Abgesehen davon wird dem Zuseher Jack Unterweger nicht wirklich näher gebracht - weder aus biographischer noch aus künstlerischer Sicht.
 
 

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