Berlinale 2012
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Berlinale Tag 5

Ein Gehstock als Dankeschön, Justin Bieber als Fotograf und Max von Sydow als Journalist bei einer Pressekonferenz.
Pressekonferenzen (in ultracoolem Journalistenslang „PK“ gesprochen) sind von der Berlinale nicht wegzudenken. Stars, Regisseure und Produzenten geben sich traditionellerweise unmittelbar nach dem Screening hinter dem Mikrofon die Ehre. Sie loben sich selbst und andere und stellen sich vor allem den mehr oder weniger kritischen Fragen der Journalistinnen, wie z.B. der meist anwesenden Anke Engelke. Sobald dann eine PK zu Ende ist, springen die gestressten Reporter sofort auf, um zu ihrem nächsten Termin zu eilen. Doch in diesem Trubel ergreift Billy Bob Thornton noch einmal das Mikrofon. Er dankt John Hurt für die Zusammenarbeit, gratuliert ihm zu seinem gestern erhaltenen Ehren-BAFTA und überreichte dem britischen Altstar lachend einen Gehstock. Jenen Gehstock, den er auch in „Jayne Mansfield's Car“ verwendete – um diesen Film ging es nämlich.

Lachen, lachen, lachen, so lautete die Devise bei der vorhergehenden Vorstellung des Films. Dabei ist „Jayne Mansfield’s Car“ nicht einmal als reine Komödie konzipiert, sondern eine intelligente Sozialstudie mit viel Situationskomik. Laut Billy Bob weist der Film auch viele autobiografische Züge auf, was er mit einer ergreifenden Kindheitsgeschichte, in der der Satz „Baseball is for FEIGLINGS“ fällt, verdeutlicht. Warum er diesen Film gemacht hat? „In den USA gibt es nur Filme über Models und Typen in Gladiatorenuniformen – deshalb wollte ich was Eigenes machen“, erklärt er und hat wie immer die Lacher auf dem eher hollywoodkritischen Festival auf seiner Seite.

Interessant dabei ist auch, dass dieses Jahr sowohl Billy Bob, als auch Angelina auf dem Festival sind – beide jedoch hinter der Kamera bei der Verfilmung ihres eigenen Drehbuchs. Zur Frage, ob er Jolie bereits getroffen habe, antwortet er trocken mit einem „Ja – ich habe sie vor Jahren schon einmal getroffen“. Kurz darauf betont er, wie gut sie sich auch nach ihrer Trennung noch verstehen, dass sie gute Freunde sind und dass er Brad und die Kinder liebt. Nur sehen sie sich beruflich bedingt nicht allzu oft. Heute Nachmittag soll aber dennoch ein Treffen der beiden Superstars anstehen – Wie viel Wahrheitsgehalt in diesen Aussagen liegt, wird man wohl nie erfahren.

Nachdem heute Morgen bereits der wunderbare Film „Winterdieb“ der schweizer Regisseurin Ursula Meier im Wettbewerb lief, gaben sich am Abend auch noch Christian Bale und sein Regisseur Zhang Yimou am roten Teppich und auf der vorhergehenden Pressekonferenz die Ehre. Auch wenn ihr neuer Film „Die Blumen des Krieges“ für mich leider die bisherige Festivalenttäuschung darstellte, war ebendiese PK durchaus amüsant. Abwesend blickt Christian Bale in die Menge, als ein Journalist nervös eine Frage an ihn richtet. Stille – einige Sekunden vergehen, bis Christian den Journalisten ansieht: „Entschuldige, aber ich habe überhaupt nichts von deiner Frage mitbekommen. Aber da hinten sitzt ein Typ, der aussieht wie Max von Sydow! Sehr ihn euch an!“ – nebenbei bemerkt sah der verdutzt aus der Wäsche blickende Journalist überhaupt nicht so aus, aber egal. Lustig war es allemal. Jedoch handelte es sich anscheinend um einen Standardschmäh von Bale, der bereits beim vorangegangenen Fotocall einen Fotografen als Justin Bieber bezeichnete und ihn fragte, ob er nicht schon zu alt sei für eine Justin-Bieber-Frisur.

Der Autor
patzwey
patzwey

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