Filmkritik zu Eternals

Bilder: The Walt Disney Company, Marvel Fotos: The Walt Disney Company, Marvel
  • Bewertung

    Marvel mal anders

    Exklusiv für Uncut
    Seitdem 2019 mit „Avengers: Endgame“ die bisherige Ära des MCU zu Ende gegangen ist, ist im Marvel-Universum endlich wieder Platz für neue Held*innen. Mit „Eternals“ tritt nun gleich eine mehrköpfige Truppe an neuen Figuren in den großen Superhelden-Kosmos ein. Die Wahl der Regie sorgte im Vorfeld für Verwunderung, den diese fiel auf keine geringere als die frischgebackene Oscar-Preisträgerin Chloé Zhao. Ob sich die Indie-Filmemacherin, die sich eigentlich für ihren naturalistischen Inszenierungsstil einen Namen gemacht hat, für die Regie einer Produktion dieses Ausmaßes eignet? Mehr dazu gleich. Vorerst aber: worum geht es denn überhaupt im 26. Abenteuer des Marvel Cinematic Universe?

    Das auf den gleichnamigen Comics von Marvel-Koryphäe Jack Kirby basierende Superhelden-Epos erzählt vordergründig von den titelgebenden Eternals, eine Gruppe Jahrtausende alter Weltraum-Götter mit menschlichem Aussehen. Schon seit langer Zeit verweilt die zehnköpfige Truppe, die von der mit Heilkräfte ausgestatteten Ajak (Salma Hayek) angeführt wird, auf Erden. Einst haben sie den Auftrag erhalten, sich nicht in menschliche Konflikte einzumischen und sich unauffällig in die Gesellschaft einzufügen. Doch plötzlich statten die Deviants, eine gefährliche Alien-Rasse mit raubtierhaften Zügen, die von den Eternals Jahrtausende zuvor eigentlich besiegt worden war, dem blauen Planeten erneut einen Besuch ab. Daher muss sich das Team, dem unter anderem auch der Bollywood-Star Kingo (Kumail Nanjiani), das ewige Kind Sprite (Lia McHugh), die Materie-Manipulatorin Sersi (Gemma Chan), der übermächtige Ikaris (Richard Madden), die superschnelle Gehörlose Makkari (Lauren Ridloff) oder die Kriegerin Athena (Angelina Jolie) angehören, zusammenraufen, um ihren Widersachern erneut Einhalt zu gebieten.

    Noch nie zuvor wurde im Marketing eines Marvel-Films der Name des Regisseurs, oder in diesem Fall der Regisseurin, derart hervorgehoben, wie es hier der Fall war. Die für zumeist mit Laien besetzten Indie-Dramen bekannte Chloé Zhao soll angeblich selbst auf Marvel-Boss Kevin Feige zugekommen sein, um für den Job ihren Namen ins Spiel zu bringen. Und wirklich handelt es sich bei „Eternals“ um eine der wenigen Marvel-Produktionen, bei dem die Handschrift des/der Filmemacher/Filmemacherin zu weiten Teilen klar erkennbar ist. Die poetischen Weitwinkelaufnahmen von Sonnenaufgängen, das zwischenmenschliche Drama, die unerwartete Intimität: all das sind lobenswerte Aspekte, die man im uniformen Einheitsbrei Marvels oft kläglich vermisst. Aber, und nun folgt ein großes „Aber“, liegt Zhaos Stil des Öfteren im Clinch mit dem eigentlich Erzählten.

    Denn nicht nur ist das Superhelden-Drama mit einer Lauflänge von satten 157 Minuten deutlich zu lang geraten, sondern wirkt narrativ einfach zu unausgereift, um vollends aufzugehen. Die marvel-typischen Elemente, die natürlich auch wieder Einzug finden mussten, harmonieren mit Zhaos eher zurückhaltenden und wehmütigen Inszenierungsstil nur bedingt. Wenn Zhao philosophischen Menschheitsfragen nachgehen und zwischenmenschliche Beziehungen erforschen darf, dann funktioniert der Film am besten. Leider müssen aber genau die Actionszenen, von denen es hier wieder zuhauf gibt, unter minder überzeugenden Computereffekten leiden. Allen voran das Design der dämonischen Devians wirkt erstaunlich uninspiriert und aus der Zeit gefallen.

    Mithilfe des gut aufgelegten Star-Ensembles gelingt es dem Film immerhin manch Schwäche zu kaschieren. Komiker Kumail Nanjiani („The Big Sick“) sorgt als Eternal, der seit Jahrzehnten die Menschheit als Bollywood-Darsteller unterhält, für die nötigen Lacher. Barry Keoghan („The Killing Of A Sacred Deer“) macht als kauziger Druig, der die Gedanken anderer kontrollieren kann, eine ebenfalls gute Figur und darf sogar seinen authentischen irischen Akzent an den Tag legen. „Atlanta“-Star Brian Tyree Henry verkörpert den erfinderischen Phastos, bei dem es sich um den bis Dato ersten offiziell homosexuellen Charakter im Marvel-Universum handelt, facettenreich und glaubwürdig. Ausgerechnet Superstar Angelina Jolie erscheint neben ihren Schauspielkollegen jedoch unerwartet blass und wenig auffallend.

    Am Ende bleibt mit „Eternals“ ein für Marvel-Verhältnisse untypisches Experiment übrig, das aber nicht als zu 100% geglückt bezeichnet werden kann. Wenn jedoch die Identität der großartigen Chloé Zhao durchscheint, bietet der Film angenehme Abwechslung im Marvel-Kosmos. In Zukunft sollte die gebürtige Chinesin ihren Fokus doch eher wieder auf melancholische Charakterdramen richten. Aber allein für seine Ambitionen und die Eigenständigkeit lohnt sich der Kinobesuch bei „The Eternals“ auf jeden Fall.