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6 Einträge
9 Bewertungen
84.4% Bewertung
  • Bewertung

    Ein Bär kommt übern Berg

    Der deutsche Titel und der des Originals verdeutlichen die ganze Bandbreite der Problematik mit Alzheimerpatienten. Je nach Blickwinkel will man ’an der Seite’ des geliebten Menschen bleiben und ist doch genau genommen ’ewig weit weg von ihm’, weil er gedanklich in einer anderen Welt lebt. Es ist ein beachtenswertes Regiedebüt von Sarah Polley, die wir bis dato nur als tolle Schauspielerin kannten. Sie hat einen sehr emotionalen aber auch informativen leisen Film abgeliefert, der auf äußerst einfühlsame Weise die Situation von beiden Seiten der Betroffenen beleuchtet und darüber hinaus auch noch ein Signal der Hoffnung setzt. Man erlebt die unerwarteten Krankheitsschübe, die Hilflosigkeit der Angehörigen, aber auch deren Unmut, wenn alles etwas zuviel wird. Ein Winterfilm, nicht nur in Bezug auf die Jahreszeit, in der er spielt, sondern er betrifft auch den Winter des Lebens. Julie Christie in einer ihrer beeindruckendsten Altersrollen.
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    04.01.2010
    17:23 Uhr
  • Bewertung

    Taschentücher nicht vergessen!

    Im Mittelpunkt des Filmes steht ein älteres Ehepaar, welches nach einer langen typischen Ehe, mit ihren Höhen und Tiefen vom Schicksal hart auf die Probe gestellt wird: Die Frau erkrankt an Alzheimer, der Mann weigert sich, sich die Krankheit seiner Frau einzugestehen.
    Nachdem sich die Frau selbst in ein Pflegeheim einweisen lässt und beim ersten Besuch ihres Mannes diesen nicht mehr erkennt, sondern nur für einen guten Bekannten hält, bricht dessen Welt endgültig zusammen.

    Verzweifelt versucht er, gegen ihre Krankheit anzukämpfen und ihrer Erinnerung auf die Sprünge zu helfen, anfangs ohne zu merken, was er seiner Frau damit antut. Er schafft es nicht, ihre Krankheit zu akzeptieren – er will es nicht akzeptieren.

    Wie er mit der neuen Situation umgeht, und wie er langsam lernt, wieder Halt im Leben zu finden, davon erzählt dieser Film in atmosphärischen und ruhigen Bildern.

    Die Hauptdarsteller spielen ihre Rolle sehr überzeugend, so dass es ein leichtes ist, sich in sie hineinzuversetzen. Den ganzen Film umgibt von Anfang bis Ende ein trauriger Unterton. Gefühle spielen eine große Rolle, jedoch bleibt der Film realistisch und weit weg von jeglichem Kitsch.
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    02.05.2008
    21:59 Uhr
    • Bewertung

      Mhm...

      ....da bin ich auch sehr froh, dass sie auf den üblichen Kitsch verzichtet haben. Bin jetzt noch immer total begeistert von dem Film...war echt sehr, sehr schön realisiert....
      03.05.2008
      19:13 Uhr
  • Bewertung

    Ein Hoch auf Sarah Polley!!

    Der Film ist wirklich sehr, sehr berührend und keineswegs eine Kost für einen unbeschwerten Kinoabend!!
    Julie Christie und Gordon Pinster spielen hervorragend. Die Musik untermalt die einzelnen Szenen sowie die Stimmungen der Charaktere jedes Mal perfekt.

    Genauso einfühlsam, emotionell und einfach nur sympathisch wie Sarah Polley spielt, hat sie hier die Regie vollbracht...ich bin ja schon auf den neuen Film von ihr mit Ben Kingsley und Penelope Cruz gespannt...
    20.02.2008
    21:31 Uhr
  • Bewertung

    Briefe aus Island


    Die junge kanadische Schauspielerin Sarah Polley (Jahrgang 1979) präsentiert hier auf der Berlinale ihren fünften Kinofilm, zu dem sie auch das Drehbuch verfasst hat. Als Vorlage dient ihr die Kurzgeschichte "The Bear Came Over the Mountain" von Alice Munro. Sie erzählt mit großer Empathie die Geschichte eines Liebespaares, das über den Lauf von 44 Jahren sämtliche Hochs und Tiefs ihrer Beziehung durchgemacht, aber einander niemals “verwunschen”, wie sie es ausdrückt, haben. Zwei Menschen, die sich einerseits sehr an einander gewöhnt haben und andererseits einander trotz allem, was sie bis ins Alter hinein an Schwierigkeiten durchmachen, lieben. Grant muss lernen, dass er seiner Frau wohl nie mehr so nahe sein wird können, wie er es lange Zeit war und dass er auch vieles von dem, was ihn aus seiner Jugendzeit im Gewissen wieder einholt, gut machen kann, weil die Zeit dafür vorbei ist.

    Der Film spielt die ganze Zeit über im Winter, es liegt Schnee überall, die Eiszapfen hängen über der Eingangstüre des Hauses, wer nach draußen will, muss sich warm anziehen. Der Winter erscheint wie eine Metapher für die letzte Jahreszeit des Lebens, als der Ausklang eines Jahreskreises, die einer Lebensspanne voller Energie, Farbenpracht und Ausgelassenheit folgt. “Away from her” ist gefühlvoll erzählt und überzeugend gespielt von Julie Christie als Fiona. Regisseurin Sarah Polley hält die Balance zwischen Melancholie und Hoffnung, zwischen dem Festhalten an den moralischen Überzeugungen und dem gleichzeitigen Wissen um die Unausweichlichkeit der Lage, angesichts derer sich die Angehörigen trotzdem eingestehen müssen, dass sie selber immer noch am Leben sind und dass ihr Leben noch eine Zeit lang weiter geht. Ein Leben, dass sie für sich und somit indirekt auch für die Menschen, die sie lieben, nützen sollten.

    In der Rolle eines Zuschauers meiner Generation mischen sich Erinnerungen aus der persönlichen Erfahrung mit alten Menschen aus der Familie, die an Alzheimer erkrankten mit der generellen Frage, wohin das Leben eines jeden, einer jeden Einzelnen gehen wird. Natürlich wissen wir das nicht und das ist auch gut so. Der Film regt aber zum Nachdenken darüber an, was man sich vom eigenen Leben erwartet und was von all dem, was wie anstreben am Ende das sein wird, das uns erhalten bleibt.

    “Away from her” ist kein Film für einen unterhaltsamen Samstagabend, schon gar kein Film zur Ablenkung von den Problemen des Alltags. Und er wirkt zwischendurch mit seinem Wechsel zwischen den Welten “Cottage” und “Pflegeheim” wie eine Mischung aus Dokumentation und Spielfilm. Aber er macht irgendwie Mut, die Hoffnung nicht aufzugeben, dass “da draußen” jemand sein könnte, der auch dann zu einem hält, wenn die äußere Schönheit vergangen und die jugendliche Energie, Bäume auszureißen einer bescheidenen, kompromisslosen Nähe Platz gemacht hat.
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    14.02.2007
    17:50 Uhr
    • Frage!

      Irgendwie erinnert mich die Story ein kleines bisschen an ein Buch von Nicholas Sparks. (Wie ein einziger Tag? Oder so ähnlich?)
      Auch in "Iris" gehts doch um eine ähnliche Thematik. War auch ein schöner Film....
      Glaub ich gern, dass das kein Tra-la-la-Filmchen ist, das man gut gelaunt und ohne nachdenklichem Stirnrunzeln verlässt....
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      29.11.2007
      14:53 Uhr