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72.7% Bewertung
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    Der Gegenentwurf zu den Sisi-Filmen (?)

    Als die Sisi-Filme der 1950er Jahre herauskamen sehnte sich die zerrüttete österreichische Seele der Nachkriegszeit nach positiven Märchengeschichten und Ernst Marischka konnte dieses Bedürfnis perfekt erfüllen. Kaiserin Elisabeth wie eine Zuckertortenfigur, prägte nicht nur das Image der Schauspielerin Romy Schneider (worunter sie auch Zeit ihres Lebens litt) sondern auch das historische Bild der damaligen Kaiserin, ist es ja nicht selten dass solche filmischen Darstellungen über historische Persönlichkeiten leider unhinterfragt als biografische Abbildung gehalten werden.

    Nach mittlerweile mehreren Jahrzehnen drang es auch selbst zu den bildungsfernen Schichten durch, die Sisi soll ja nicht so zuckersüß und brav gewesen sein, liebte nicht einmal ihren Ehemann Franz Joseph. Was lag da näher um hier auch einmal das Kontrastprogramm aufzulegen und die bitterböse Wahrheit filmisch umzusetzen. Marie Kreutzer, verantwortlich für Regie und Drehbuch, ging es wohl aber offensichtlich mehr um die Symbolik der emanzipierten Frau und deren Psychogramm, als um historische Akkuratheit, da sie selbst genügend Geschichtsverfälschung betrieben hat. Diese gipfelt sogar darin dass der Kaiserin ein Selbstmord (Sprung vom Schiff) untergeschoben wird, lässt sich das ja viel besser mit dem im Film zwanghaft konstruierten Märtyrerbild vereinbaren.

    Sicher kommt der Film dem tatsächlichen Eheverältnis und der Person Elisabeth weitaus näher als es die Sisi-Filme vorgaukelten. Doch offensichtlich wurde hier in die entgegengesetzte Richtung verzerrt, was teilweise schon absurde Züge annimmt: So findet der Verwandtschaftsbesuch in England scheinbar in einem Lost Place, ein vom Zerfall geprägtes Gebäude statt. Ob damalige Adelige so gehaust haben? Die Fans des Films werden hier über solche Allegorien jubeln, doch wenn man dann auch sonst so in Räumlichkeiten der Hofburg Türklingeln und Lichtschalter sieht und die letzte Reise auf einem moderneren Schiff stattfindet dann ist das ähnlich originell wie wenn man zu einer Beethoven oder Mozart-Sinfonie einen Technorhythmus draufklatscht und erwartet dass das alle als großen Kunstgriff abfeiern.

    Die Schauspieler machen ihre Sache großteils gut und lässt man mal den Geschichtsbezug komplett beiseite, wäre auch die Handlung durchaus gelungen. Aber wenn hier in den wenigen positiven Kritiken (was ich so bislang auf mehreren Seiten las) als Stärke das „radikal neue bild einer historischen Figur“ gelobt wird, dann legt so ein Urteil auch gleichzeit die größte Schwäche des Films offen: Dieses radikal neue Bild ist aber leider auch nicht das korrekte, sondern einfach nur neu konstruiert. Die historische Persönlichkeit Elisabeth dient hier wohl eher nur als Vehikel um Frauenrechte zu thematisieren und eine Symbolfigur zu erschaffen.
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    27.07.2025
    09:33 Uhr
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    EINFACH NUR GROSSARTIG

    Wohl wissend, dass bei dieser Regisseurin und dieser Hauptdarstellerin nur Gutes zu erwarten ist, wurde ich eines Besseren belehrt:
    Der Film ist von der ersten bis zur letzten Sekunde grandios : Bis zur Filmmusik ist an dem berührenden Drama absolut nichts zu bemängeln. Nach dem Filmende verlässt man den Kinosaal nachdenklich und freut sich schon darauf, dieses cineastische Meisterstück noch ein zweites Mal anzusehen.
    25.09.2022
    14:11 Uhr