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    Der menschliche Zoo

    In den experimentierfreudigen 80er Jahren ist Regisseur Peter Greenaway schon immer vorne weg geschritten. Und seitdem ist er seinem Stil treu geblieben, hat ihn verfeinert und die Bilderflut via Split Screen ins schier Unermessliche hochgeschraubt. Drum ist eine Nacherzählung der Handlung des Films zum Scheitern verurteilt. Seine Fans wissen das.
    Hier blitzt sein Genie bereits beim Titel auf: was für eine Umschreibung des Wortes Zoo!
    Ein Autounfall macht die Zwillingsbrüder Oswald (Brian Deacon) und Oliver (Eric Deacon), zwei Biologen, zu Witwern, die Fahrerin Alba (Andrea Ferréol) verliert ein Bein. Die drei bekunden Interesse aneinander. Oswald und Oliver versuchen den Verfall toter Körper zu erklären (Verwesung im Zeitraffer!) und ein Chirurg bemüht sich die Bilder des holländischen Malers Vermeer mit realen Körpern z.B. von Alba nachzustellen. Das wird alles misslingen. So stehen nach dem Z am Ende doch nur zwei Nullen da.
    Greenaway thematisiert Amputation und Verwesung. Die Verdoppelung von Körpern (siamesische Zwillinge) dient der Erhaltung der Symmetrie. Er sinniert über die Unabdingbarkeit von Geburt, Tod und Verfall. Aber stellt auch Fragen wie ‘Wie sieht ein Zebra aus?‘ – Antwort: ein weißes Pferd mit schwarzen Streifen oder ein schwarzes Pferd mit weißen Streifen.
    Unverhoffte Gedankensprünge oder urplötzliche optische Ausmalungen im Sinne von Erweiterungen von angesprochenen Themen stellen eine echte Herausforderung dar. Ausgezeichnet aber nicht jedermanns Sache.
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    29.10.2019
    09:51 Uhr