Forum zu Birdman

9 Einträge
28 Bewertungen
85.2% Bewertung
  • Bewertung

    Kamera

    „Birdman“ war in den letzten Jahren mein liebster Oscargewinner. Der hat mich von vorn bis hinten in seinen Bann gezogen. Tolle Selbstironie von Michael Keaton. Und die Kamera war natürlich sowieso ein Erlebnis für sich.
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    03.03.2018
    13:13 Uhr
  • Bewertung

    Der Vogelmann

    Wenn man bereit ist, dem Regisseur Inarritu zu folgen, kann man in diesem Film ins Land der Fantasie gelangen, wo alles möglich ist – auch wie ein Vogel fliegen.
    Wenn man das ist, wird man den Film für groben Unfug halten. Eine Reihe von durchgeknallten Typen arbeiten sich aneinander ab, bis sich der Hauptdarsteller (ganz großartig Michael Keaton, das muss jeder zugeben) die Nasenspitze wegschießt.
    Und falls man glaubt, den Film verstanden zu haben, sollte man sich gedanklich mit seinem Untertitel beschäftigen. Ahnungslosigkeit kann eine Tugend sein, wenn man wie Riggan Schauspieler aus dem Bauch heraus ist. Da wiegen dann die menschlichen Schwächen nicht allzu schwer. Und wenn die Glanzzeit vorüber ist, redet der Bruder Innerlich immer noch mit Birdman und steuert seine Handlungsweise. Dazu kann auch fliegen gehören. Zuvor haben wir schon gesehen, dass Birdman Riggan ‘Möbel rücken‘ kann, geschieden ist, seine Tochter Sam (Emma Stone) vernachlässigt hat und hinter jedem Rock (hier vor allem Andrea Riseborough) her ist, der nicht bei drei auf dem Baum ist. Allein seine Ex Sylvia (Amy Ryan) versteht ihn – und hält sich deshalb auch phasenweise von ihm fern. Sein Kollege Mike (ebenso grandios Edward Norton) profiliert sich als Birdmans Alter Ego und würde Kollegin Lesley (Noami Watts) am liebsten auf der Bühne vernaschen.
    Zwischen diesen ganzen Turbulenzen ragt nur eine Szene heraus, die man so für sich genommen verstehen kann. Riggan/Birdmans Gespräch mit der Rezensentin der Times Tabitha (Lindsey Duncan). Gnadenlos, unerbittlich vernichtend.
    Bleibt die Frage nach dem offenen Schluss: Ist Birdman geflogen oder nicht? Sam schaut aus dem Fenster und lächelt…Anspruchsvoll!
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    08.04.2015
    12:45 Uhr
  • Bewertung

    Birdman

    Birdman ist zweifelsohne einfach nur einzigartig. Ich gebe es zu, am Anfang war ich äußerst skeptisch. Ich habe mir keinen Trailer angesehen und mir einfach gedacht: bei so vielen positiven Bewertungen muss er einfach gut sein. Was dann auf mich zukam hat mich einfach nur überrascht. Ich war nicht auf das gefasst. Aber schlussendlich hat er mich in seinen Bann gerissen und nicht mehr losgelassen. Die Oscars sind ganz klar verdient!
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    25.03.2015
    19:07 Uhr
  • Bewertung

    Vogelman

    Birdman hat mir besonders aufgrund der Charakteren und der satirischen Ansicht des Showbiz gefallen. Michael Keaton und Edward Norton ergänzen sich perfekt.
    Der Film besticht neben einer interessanten Geschichte vor allem durch die Kamerafahrten. Meist hat man den Eindruck, dass man direkt im Geschehen steht und den Protagonisten über die Schulter schaut und ihnen dann über den Gang nach eilt. Ein Schnitt ist kaum zu sehen und der Film fühlt sich einfach nur flüssig an.
    Musikalisch dominiert ein Schlagzeuger, der immer wieder einmal auftaucht und Szenen noch weiter treibt. Für war gerade er eine Perle im Film.
    Einzig mit dem Ende hab ich leichte Probleme. Es ist zwar gut, lässt aber zumindest mich mit ein paar Fragen stehen.
    Trotzdem ist der Film ein genialer Hieb gegen Hollywood und den Broadway und unterhält bis zum Schluss.
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    09.03.2015
    20:59 Uhr
  • Bewertung

    verdiente Oscars

    Die vier Oscars sind verdient. "Birdman" ist eine tour de force was Kamera & Drehbuch angeht und die extreme Nähe, die man Dank der langen Einstellungen zu den Figuren aufbaut, macht eine tolle Atmosphäre und lässt auch sehen, wie gut die Darsteller geführt wurden (ergo Regie-Oscar).
    Eine der Schwächen des Films ist, dass die Story nicht als Story an sich lebt, sondern nur als Vehikel für das, was uns der Film sagen will über den Kulturbetrieb und die Menschen in ihm. Das ist etwas schade, da geht Hirn vor Herz.
    Im Ensemble sticht Edward Norton heraus, weil er der unterhaltsamste der Charaktere ist, aber im Grunde machen alle ihre Sache gut (auch wenn ich mit Keatons Nominierung nicht ganz einverstanden bin). Der Schlagzeug-Score ist stellenweise nervig und das Ende war nicht mein Geschmack. Aber sonst, top!
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    06.03.2015
    10:09 Uhr
  • Bewertung

    What\'s the point?

    Iñárritu ist einer von diesen Ehrgeizlern, die mit einem Film nicht nur einen Baum, sondern einen ganzen Wald ausreißen wollen. Die vielleicht prätentiöseste Schuld- und Leidenstrilogie dieses Erdballs hat er uns mit „Amores Perros“, „21 Grams“ und „Babel“ hingeklotzt.
    In „Birdman“ ist die Hauptfigur die Kamera. Mit ewig langen Steadycam-Szenen à la Paul Thomas Anderson kann man mich leider nicht beeindrucken, höchstens nervös machen, weil ich die Last auf den Schauspielern und der Crew spüre. Aber ich anerkenne die künstlerische Entscheidung (auch die, ständig lästige Schlagzeugsoli als Begleitmusik einzuspielen) und kann mit den vier Oscars leben, auch wenn dem Ganzen eine angeberische Attitüde anhaftet. Aber: Michael Keaton war mir die längste Zeit egal und nach „Birdman“ hat sich das um keinen Deut geändert. Allein das deutet schon stark auf „Mission failed“. Edward Norton hat dank „Fight Club“ einen Platz auf meiner Heldenliste, aber hier ist er leicht fehlbesetzt und bringt auch nicht ganz die Klasse mit, um einen Vollblut-Bühnenschauspieler zu verkörpern. Seine Scharmützel mit dem Regisseur verfehlen auch die beabsichtigte komische Wirkung. Unübersichtlich führt uns die Kamera von einem Schauplatz zum nächsten (meistens nur Innenaufnahmen eines angestaubten Broadwaytheaters im typisch amerikanischen Billigbaustil), man fühlt sich eingesperrt in den engen Gängen und Garderoben dieses Hauses, sodass man bei den seltenen Außenaufnahmen auf New Yorks Theaterstraße befreit aufatmet. Mit höflichem Interesse verfolgt man Riggan Thomsons Ringen um einen Broadwayerfolg, von dem er sich ein großes Comeback erhofft. Aber warum gerade mit einem Stück von vorgestern, das noch unattraktiver ist als Keatons faltiges Gesicht? Nur in Marginalien kommt es in dem ganzen Wirrwarr zu Zweierszenen, die wirklich emotional sind (Emma Stone: thumbs up). Und am Rande lauert mit einem zusammenhangslosen Meteoritenabsturz schon wieder die ganz dicke Bedeutungskeule.
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    02.03.2015
    22:22 Uhr
  • Bewertung

    michael keaton hebt ab oder (die erhoffte macht der bilder)

    "...deshalb habe ich vor 20 jahren abgelehnt, birdman 4 zu spielen." – "wow, birdman 4...!"

    leider hat der japanische reporter den alternden ex-comic-helden-darsteller riggan thomson (michael keaton) falsch verstanden: kein weiterer birdman soll es werden, er will sich in der zweiten hälfte seines lebens doch noch als ernst zu nehmender schauspieler, als künstler beweisen – und das stück seines "mentors" raymond carver auf dem broadway aufführen.

    birdman springt sofort mitten in die szene, gleich wird ein untalentierter schauspieler durch einen herabfallenden scheinwerfer ausgeknockt, man weiß nicht genau, hat da der birdman vielleicht gar selber seine hand im spiel, hat er mit seinen telekinetischen gaben ein bissel nachgeholfen – iñárritu lässt uns keine pause zum nachdenken, die rolle muss wieder besetzt werden: wer wäre denn die traumbesetzung, wer verkauft tickets, wer bringt den text ordentlich rüber, wer ist überhaupt frei und nicht bereits für das nächste filmsequel oder den nächsten superheldenfilm verpflichtet... ein glücklicher zufall bringt mike shiner (edward norton) ins spiel, und gleich geht der zoff weiter, egos prallen aufeinander, ginkonsum, bühnensex und eine zugefallene bühnentür werden zum unerwarteten lacherfolg. immer mit im spiel die neurosen und eitelkeiten der schauspieler, die angst vergessen zu werden, unsichtbar zu sein und ungeliebt – kulminierend im krieg mit der times-kritikerin, höchste instanz der meinungsmacher und richter und henker in einem: sie wird ihn und sein stück zerstören, weil sie ihn hasst und alles was er repräsentiert, egoistische verwöhnte kinder, ungebildet und ohne kunstverstand, die einander preise für cartoons und pornografie zuschanzen. "sie sind kein schauspieler, sondern promi!"
    doch riggan trägt das volle risiko, beruflich wie finanziell – nicht die kritikerin mit ihren schubladen, beschissenen meinungen und noch beschisseneren vergleichen.

    was da an intelligenten dialogen, anspielungen und sonstiger handlung in das oscar-gekrönte drehbuch gepackt wurde, müsste mindestes für zwei filme reichen – der "star" des films ist aber weniger der plot oder das durchwegs hervorragende ensemble, sondern die optik, die birdman von allen anderen produktionen des jahres abhebt: nur 16 sichtbare schnitte, ein paar schwarze stellen im übergang (derselbe trick, der früher eingesetzt wurde, wenn wieder eine filmrolle zu wechseln war), ein bissel digitale retusche und bloß zwei wochen schneidearbeit – dank einer genialen kameraführung von emmanuel lubezki (nach gravity der zweite oscar in folge). moderner sound (drums und zwischendurch mahlers "ich bin der welt abhanden gekommen", tschaikowsky und ravels passacaglia), wohlüberlegter einsatz von farben und die minimalistisch-schlanken titel runden das bild zu einem gesamtkunstwerk ab, eine vielzahl von gelungenen filmplakaten wollen das publikum ins kino locken.

    fazit: künstlerisch rundum hervorragend gemeistert, mit witz, satire und all den unfassbar wichtigen problemen, die die abgehobene welt der künstler ausmachen. so schön anzusehen (und vielleicht nachzulesen) birdman auch ist – mich interessiert diese welt nicht wirklich.
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    23.02.2015
    23:12 Uhr
  • Bewertung

    One day i\'ll fly away...

    Ein ehemaliger Superhelden Darsteller will beweisen, dass er mehr kann als nur Action und Stunts.

    Riggan Thomson spielte in jüngeren Jahren den Superhelden Birdman und wurde berühmt damit. Viele Jahre später beschließt er etwas anspruchsvolles zu machen um dieses Klischee des Heros abzulegen und sich als Schauspieler zu beweisen. Er produziert ein Stück am Broadway, führt Regie und übernimmt die Hauptrolle. Doch tun sich viele Probleme auf: unbegabte Schauspieler, Finanzen und die Stimme des Birdman, die ihn in den Wahnsinn treibt...

    Zuerst muss der grandiose Schnitt dieses Films angesprochen werden - unbeschreiblich. Wie am Stück gedreht folgt die Kamera dem Geschehen ohne erkennbaren Schnitt. Fast wie im Reality TV folgt die Kamera den Protagonisten, nachts ist sie gen Himmel gerichtet und geht fließend wieder in die Handlung über. Großartig!

    Dir Geschichte selbst erinnert etwas an Noises Off von Michael Frayn - das Geschehen vor und hinter der Bühne ist der zentrale Angelpunkt des Films. Alles bekommt durch die Selbstgespräche(?) von Thomson einen surrealen Charakter, aber nur soweit, dass man sich selbst fragt, was Realität und was Fiction ist.

    Michael Keaton, bekannt als Batman in Tim Burtons Verfilmungen mimt Riggan Thomson - die perfekte Besetzung. Fans des DC Comics werden zahlreiche Batman Anspielungen entdecken - sein Hass auf George Clooney, die Stimme, die er hört... Abgesehen davon, dass ihm die Rolle auf den Laib geschneidert wurde, brilliert er in dieser - im Gegenspiel mit Edward Norton und vor allem in seinen Monologen!
    Auch Emma Stone als Tochter, die unter ihrem berühmten Vater litt und gerade einen Entzug hinter sich hat, überzeugt.
    Alles in allem ein perfekt besetztes Ensemble.

    Die Moral von der Geschicht'... Ist vielschichtig. Einerseits, sehr aktuell betrachtet, wird an den Pranger gestellt, dass viele Schauspieler als One Trick Ponys betrachtet werden - wenig Talent aber viel Publicity, das ist zumindest das was man hört. Viele dieser Akteure ergreifen die gleichen Mittel wie Riggan und wollen mehr, man siehe Angelina Jolie, Ryan Gosling und andere.
    Man kann aber noch viele andere Aspekte betrachten und hat einen Film, der mehr als nur die Summe seiner Bilder pro Sekunde beinhaltet: ein cineastisches Meisterwerk, das interpretiert und über das philosophiert werden kann!
    Unbedingt anschauen!
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    16.02.2015
    21:11 Uhr
  • Bewertung

    Bester Schnitt - ohne sichtbare Schnitte

    Noch bevor sich die tragische Geschichte des gescheiterten Filmstars, der mit seiner kommerziellen Vergangenheit am liebsten abgerechnet hätte, voll entfalten kann, überzeugt A. G. Inaritus neuester Film auf zwei technischen Ebenen: zum einen beim Schnitt und zum anderen bei den Spezialeffekten. Es ist bemerkenswert, wie nahtlos sich die Szenen ineinander fügen und man sich sehr anstrengen muss, Stellen zu entdecken, an denen wahrscheinlich ein Schnitt gesetzt wurde. Dadurch entsteht der Eindruck, Teil eines Theaterstückes zu sein, wie ein stummer Beobachter auf der Bühne, wo es ja auch keine Schnitte, nur den Vorhang gibt. Wenn für die Figuren des Filmes der Vorhang fällt, hat sich die Tragik der Ereignisse längst entfaltet. Die Spezialeffekte sind an so vielen Stellen des Filmes versteckt, dass man sie suchen muss, zugleich sind sie aber elementarer Teil der Story. Michael Keaton, aber auf jeden Fall auch Edward Norton sind in Höchstform und auch Emma Stone fällt hier deutlicher auf als in "Spiderman". Die Klangkulisse ist Geschmacksache. Mir persönlich ging das Schlagzeugspiel mit der Zeit auf die Nerven. Herrliche Anspielungen auf die Filmografie von Michael Keaton und eine große Portion Verachtung für Kritiker und deren Macht im Film und Theater machen den Film zu einem eindeutig sehenswerten, wenn auch höchst anspruchsvollen Erlebnis.
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    04.02.2015
    23:39 Uhr