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    Ein Homo, eine Frau und ein Bi

    Was hier unter ‘ Frühlingsgefühle‘ subsumiert wird, ist eine Parabel auf alle möglichen sexuellen Ausrichtungen: homo- und heteroerotische, getrennt und miteinander. Es gibt sogar einen flotten Dreier. Für uns Europäer ergeben sich dabei nur zwei Schwierigkeiten: erstens sind die Bilder bewusst sehr dunkel, so dass man z.B. in der letzten Einstellung nicht genau sehen kann, ob der Transvestit mit einem Mann oder einer Frau im Bett liegt, zweitens haben wir ‘Langnasen‘ Schwierigkeiten, zwischen den Figuren von ihrer Physionomie her zu differenzieren.
    Dabei geht es wild durcheinander aber keineswegs ausgeglichen zu: die homoerotische Seite wird entschieden überbetont. Da geht es im griechisch-römischen Stil zur Sache. Man verlässt sich und findet sich wieder, man streitet und prügelt sich. Ja man verletzt sich buchstäblich.
    Zwei absonderliche Nebenhandlungen bietet uns Regisseur Lou Ye: die monetären Transaktionen von Frau Li (Tan Zhuo), da wird viel mit Handcam gearbeitet und die lyrischen Karaoke Passagen. (‘Jeder Mensch ist eine gefallene Blume und kann sich wieder aufrichten.‘)
    Es zeigt, dass die Grenzen der sexuellen Neigungen fließend sind. Man sieht es, aber kann es nur schwer emotional nachvollziehen. Filmisch gesehen kann der Reiz in der Andersartigkeit liegen. Für die überwiegende Mehrheit der Normalos ist das alles ohnehin Science Fiction. Geht dann aber auch in Richtung von mehr Toleranz.
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    22.08.2013
    19:02 Uhr