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    Ein chaotisches aber durchaus magisches Fantasyepos

    Eldritch Advice
    Obwohl „Fürst der Dämonen“ im Jahr 2014 der erfolgreichste Film in seinem Heimatland Russland war, konnte dieser Erfolg im westlichen Ausland nicht wiederholt werden. Hierzulande erschien Oleg Stepchenkos lose Adaption der Horror-Novelle „Wij“ des Autors Nikolai Gogol sang- und klanglos im Heimkino und ist seither ein Stammgast in den Wühltischen diverser Elektromärkte. Man darf gespannt sein, ob es seinem Nachfolger genau so ergehen wird. Die 2019 in China und Russland produzierte Fortsetzung mit dem Titel „The Iron Mask: Mystery of the Dragon Seal“, hat zwar noch keinen Starttermin für den deutschsprachigen Raum, erschien am 10. April 2020 dafür digital in englischer Sprache in Großbritannien. Anders als „Fürst der Dämonen“, genießt „The Iron Mask“ medial wesentlich mehr Aufmerksamkeit, schließlich hat das Sequel mit Arnold Schwarzenegger und Jackie Chan zwei absolute Weltstars mit an Bord.

    Die im frühen 18. Jahrhundert begonnene Expedition zur Vermessung der Erde, führt den Kartografen Jonathan Green nach Moskau. Dort nimmt seine Mission einen unerwarteten Umweg gen China, als er die mysteriöse Chen aus ihrer Gefangenschaft befreit. Inzwischen gelingt es dem russischen Zaren, der in London unter falschen Namen und hinter einer eisernen Maske inhaftiert wurde, aus dem Tower of London zu fliehen. Ein Mithäftling gibt ihm ein rätselhaftes Drachensiegel mit auf den Weg, mit der Bitte dieses nach China zur richtigen Person zu bringen. Als sich beide Gruppen im Reich der Mitte treffen, stellen sie das ganze Land auf den Kopf.

    Ich muss sagen … wer den roten Faden findet, darf ihn behalten.

    „The Iron Mask“ wurde mit einem Budget von etwa 45 Millionen Euro produziert. Dies bedeutet für einen sehr CGI-lastigen Film zwar keine vollkommene Unterfinanzierung, Spezialeffekte am letzten Stand der Technik lassen sich damit allerdings nicht realisieren. Trotzdem muss ich gestehen, dass das Gebotene mich nicht aus dem Film gerissen hat. Obwohl ich einer übertriebenen Verwendung von digitalen Effekten äußerst kritisch gegenüberstehe, kann ich nicht verneinen, dass die glatte und farbenprächtige Optik diesem Film eine märchenhafte Präsenz verleiht. Selbst die herausragenden Kostüme wirken digital aufpoliert, und dadurch zwar etwas zu sauber, aber ebenfalls makellos in ihrer Ästhetik. Was dem Film ein Alleinstellungsmerkmal verleiht, ist die außergewöhnliche Mischung aus slawischer und fernöstlicher Mythologie, die sich nicht nur in seinem Erscheinungsbild, sondern in gleicher Weise auch im spektakulären Soundtrack von Aleksandra Maghakyan wiederfinden lässt.

    Auch wenn „The Iron Mask“ online äußerst prominent mit Arnold Schwarzenegger, Jackie Chan, Rutger Hauer und Charles Dance wirbt, muss einem klar sein, dass es sich dabei nicht um die Hauptdarsteller handelt. Hauer ist in seinem letzten Film vor seinem Tod leider nur ein paar Sekunden zu sehen und Dance lediglich wenige Minuten. Dafür wird der Film in seinem ersten Akt primär von Schwarzenegger und Chan getragen. Erfreulich ist, dass bis auf Hauer alle mit eigener Stimme sprechen und anders als viele der russischen und chinesischen Schauspieler nicht mehr schlecht denn recht synchronisiert wurden. Ein großes Problem von „The Iron Mask“ ist, dass man erst im zweiten Akt bemerkt wer die tatsächlichen Protagonisten sind, insbesondere wenn man seinen Vorgänger „Fürst der Dämonen“ nicht gesehen hat. Jason Flemyng als Jonathan Green und Anna Churina als Miss Dudley gehören zu den wenigen Schauspielern, die erneut in ihre Rollen aus dem ersten Teil schlüpfen. Generell wurden alle Charaktere sympathisch besetzt.

    Ist dieser Film eines freitäglichen Filmabends würdig?

    Diese Produktion wirkt als hätte man zwei bis drei Filme in gut zwei Stunden untergebracht. Dadurch fühlt sich der Handlungsbogen, sofern erkennbar, sowohl episoden- als auch lückenhaft an. Ein roter Faden ist insbesondere im ersten Akt kaum auffindbar. Nichtsdestotrotz habe ich mich in diesen zwei Stunden prächtig amüsiert. Keiner der erwähnten Schwächen gelingt es dem Film seiner Seele zu berauben, und diese strotzt nur so vor Abenteuersinn, unbeschwerten Humor und Fantasie. Somit kann man „The Iron Mask“ gut mit Brendan Frasers „Die Mumie“ (1999) vergleichen. Setzte der „Fürst der Dämonen“ noch primär auf Horror, sind derlei Elemente in seiner Fortsetzung nur noch spärlich vorhanden. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine faszinierende Mischung aus russischen Märchenfilm und Eastern.

    „The Iron Mask“ ist kein Film der seine Zuseher an der Hand nimmt, sondern rücksichtslos in ein Meer von Charakteren und Handlungsfäden wirft. Wer untergeht dreht nach 20 Minuten ab. Wer allerdings der starken Strömung trotzt, bekommt ein unterhaltsames sowie skurriles Werk geboten, das seine Genres zwar nicht neu erfindet, aber gut kopiert beziehungsweise interpretiert. Um diesen Film durch und durch genießen zu können, muss man mit der richtigen Einstellung an ihn herangehen; sprich, ein Herz für Märchen und Eastern haben, ohne dabei allzu puristisch zu sein. Keinesfalls empfehle ich es sich diesen Film ausschließlich wegen seiner Stars anzusehen, denn dann kann sich die zweistündige Laufzeit wirklich in die Länge ziehen. Ist man allerdings wie ich sowohl Schwarzenegger als auch Eastern Fan, kommt man hier durchaus auf seine Kosten und somit ist „The Iron Mask“ eines freitäglichen Filmabends würdig.
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    17.04.2020
    21:18 Uhr