Serie
Robert Kirkmans „Walking Dead“ Reihe, die seit Oktober 2003 monatlich im Image-Verlag erscheint, war etwas ganz neues für Graphic Novel wie auch Zombie-Fans: Eine Art nie-endende Zombie-Soap-Opera, die auch bewusst so konzipiert ist. Kirkman selbst weiß nicht, wohin er schreibt oder wann es enden soll. Er führt in Figuren ein (die er teilweise Schritt für Schritt durch Zombieattacken sterben lässt) und kreiert ein eigenes postapokalyptisches Universum ohne wirklichem Ende – und bisher auch unbekannten Anfang. Von Beginn an war also klar, dass die Graphic Novels an sich in dieser Form nicht wirklich verfilmbar sind. Zum Glück gibt es jedoch den US-Fernsehsender AMC („Breaking Bad“) und Regie- und Drehbuchlegende Frank Darabont („Die Verurteilten“, „The Green Mile“), die das Potential für eine Serie erkannt haben. In enger Zusammenarbeit mit Kirkman wurde die Serie von Darabont selbst entwickelt und bereits die ersten drei Minuten der Pilotfolge betonen, dass so etwas noch nie zuvor im Fernsehen zu sehen war: Rick Grimes (brillant gespielt vom Briten Andrew Lincoln mit US-Akzent) geht durch eine verwüstete Straße. Kadaver, Autowracks, Staub. Hier hat die Postapokalypse voll zugeschlagen. Plötzlich hat er ein Zombiemädchen vor sich, kaum zehn Jahre alt. Und er tut was man tun muss: Er schießt dem kleinen Mädchen in den Kopf.
Die Regeln der Welt werden unmittelbar etabliert. Splatter-Effekte, Grading und Musik sind vom Feinsten, doch überzeugen tut die Serie genauso wie das Graphic Novel vor allem dadurch, dass sie klar character-driven ist. Liebe, Mord, Eifersucht, Gier, Hass, Freundschaft... hier werden Komplexe Figurenkonstellationen erzählt, die in diesen Sätzen gar nicht konkret vorweggenommen werden sollen. Klar ist: Dies ist eine Geschichte über Menschen in einer postapokalyptischen Welt.
Fans der Graphic Novels werden ihre Freude haben. Viele Momente werden sie wiedererkennen, einiges vielleicht vorausahnen, doch die Serie entwickelt sich auch bewusst vom Graphic Novel weg. Kirkman und Darabonts entscheidung, die Serie storywise zu einer eigenen Geschichte zu machen, war richtig, denn so können sich sowohl Leser wie auch Unwissende direkt in die Welt von AMC’s „Walking Dead“ hineinbegeben. Einzig die letzte Folge der kurzen Staffel (6 Folgen – eine Art Probelauf, die soeben auf AMC gestartete zweite Staffel wird 13 Folgen beinhalten) sorgt für rege Diskussion unter Hardcore-Fans, da sie (für manche zu sehr) vom Konzept und von der Storyline Kirkmans abweicht.
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