Berlinale 2008
Berlinale Tag 7

Berlinale Tag 7

Filmmarathon: viel Neues, aber kaum Gutes im Dunkel des Kinosaals
Schon gestern äußerte ich den leisen Verdacht, dass diese Filmfestspiele in qualitativer Hinsicht in diesem Jahr unter ihrem sonst üblichen Niveau zurück bleiben. Heute Morgen stand das Gleiche in der täglich erscheinenden Ausgabe von „Variety“ und der Trend setzt sich fort. Die Wettbewerbsbeiträge des heutigen Tages kamen aus Japan, Italien und Frankreich und handelten über die Themen Krieg, Liebe, Mord und Totschlag. Was sie alle drei letzten Endes verbindet, ist ein gewisser Langeweileeffekt, hervorgerufen mit unterschiedlichen Mitteln, das Resultat ist jedoch ein ähnliches: das Sitzfleisch tut einem ganz besonders schnell weh und um die Zeit, die dabei vergeht, ist es ganz besonders schade. Nur beim italienischen Beitrag kommt so etwas wie Sympathie auf, weil Nanni Morretti den geläuterten Firmenchef, dessen Frau plötzlich stirbt mit soviel Herz darstellt, dass es den Film dann doch aus der Beliebigkeit ein wenig heraushebt. Preisverdächtig wird der Film dadurch aber meiner Meinung nach trotzdem nicht.

Was wäre heute für ein schönes Wetter in Berlin gewesen: strahlender Sonnenschein, leichter Wind. Gute Witterungsbedingungen für das Regiedebüt von Madonna mit ihrem Film „Filth & Wisdom“, der heute als Special im Panorama gezeigt wurde und für einen Riesenwirbel sorgte. Ich werde den Film erst am Samstag nachholen, mal sehen, ob er den Tagesschnitt nachträglich noch heben kann oder nicht. Bei den Pressevorstellungen gab es heute jedenfalls eine überdurchschnittliche Fluchtrate während der Vorstellungen, das sollte den Organisatoren des Festivals ebenso zu denken geben, wie die Tatsache, dass es immer wieder mal größere oder kleine Vorführpannen gibt. Bei allem Verständnis für Fehler, die immer passieren können, war das Niveau der Filmvorführungen in den letzten beiden Jahren jedenfalls deutlich höher als es in diesem Jahr ist. Immer wieder ist das Bild mal unscharf, kracht und brummt es aus den Lautsprechern oder beginnt eine Vorstellung verspätet.

Und wie sieht das Rennen um die edlen Bären aus? Nach wie vor sitzen die spärlichen Favoriten für die Bären fest im Sattel und niemand hat ihnen zumindest heute ihren Rang streitig gemacht. Wer weiß, ob überhaupt noch ein Film als ernst zu nehmender Rivale in Frage kommt, morgen bzw. übermorgen stehen nur noch insgesamt vier Filme auf dem Programm des Wettbewerbs, darunter ist auch der Film „Feuerherz“, der unter österreichischer Koproduktion entstand und morgen Früh gezeigt wird.

Speziell für unsere Leser in Mazedonien habe ich mir dann noch zum Abschluss des Tages den Film „Ja sum od Titov Veles“ in der Spätvorstellung um 22:45 Uhr angeschaut, der hier im Panorama gezeigt wird. Die Kritik könnt ihr auf der Filmseite nachlesen.

Der Autor
harry.potter_aadba0451b.jpg
Harry.Potter

Forum

  • Harry Potter

    VIELEN DANK für die Berichterstattung zu TITOV VELES! Dank Dir kann ich morgen meinem Kollegen aus Veles (ist der gegenwärtige Name der Stadt, vorher hiess sie Titov Veles) die interessante Kritik weitergeben!
    leandercaine_0fc45209c9.jpg
    14.02.2008, 18:34 Uhr
    • Danke !

      Tja, das sagen sie eh auch im Film, dass die Stadt jetzt nur noch Veles heisst. Der Tito hat die Fabrik dort hingestellt... Ja, Überhammer ist er wirklich keiner, obwohl er das Potential für einen harten,realistischen und beklemmenden Balkan-Nachkriegsfilm gehabt hätte, konzentriert er sich lieber auf künstlerische "Spielereien"... Es gibt da übrigens eine Sexszene, in der man Aces "bestes Stück" sieht, ob das in der endgültigen Kinofassung so bleibt?? ;-)
      harry.potter_aadba0451b.jpg
      14.02.2008, 19:03 Uhr
  • Kommentar

    Danke für die ganz lieben Grüße aus Berlin! Recht habts - auch Stärken ist wichtig, damit Ihr weiterhin so tolle Berichte abliebern könnt! Schade, dass TITOV VELES kein Überhammer ist!
    leandercaine_0fc45209c9.jpg
    14.02.2008, 18:31 Uhr