Berlinale 2008
Berlinale Tag 6

Berlinale Tag 6

Das Warten hat sich gelohnt: heute gab es endlich mal eine richtige Komödie im Wettbewerb zu sehen und eine gute noch dazu.
Juhuu!! Endlich! Es hat bis heute gedauert, bis wir hier unter den Wettbewerbsfilmen eine richtige Komödie zu sehen bekommen. Den einen oder anderen unfreiwillig komischen Moment hatte es ja schon gegeben, aber heute war es dann endlich wirklich mal soweit: Mike Leighs neuester Film „Happy-Go-Lucky“ feierte seine Weltpremiere und brachte das Publikum hier in Berlin mit seinem typisch britischen Humor und seiner herrlichen Situationskomik zum Lachen. Oh Gott, wie dringend hatten wir das alle notwendig! Noch dazu, wo am frühen Morgen der koreanische Wettbewerbsbeitrag mit seinem über 145 Minuten alle über die kurze Nacht gerade mal notdürftig erholten Gemüter hartnäckig strapazierte und eine große Portion Geduld und Ausdauer verlangte. Ich habe schon seit langem keinen so langweiligen, schlecht gespielten und öde inszenierten Film mit so wenig Handlung gesehen. Ein Film wie eine Schlaftablette, nur 8 Stunden zu spät. Mehrmals während des Filmes ertappte ich mich bei dem Wunsch, es möge doch die Hauptfiguren im nächsten Moment ein Auto überfahren, damit die Geschichte vorbei ist oder zumindest mal irgendeine Wendung eintritt.

Nach der bereits erwähnten Atempause über Mittag gab es dann gleich noch die nächste Portion menschlicher Abgründe zu sehen, als Erroll Morris seine Aufarbeitung der schrecklichen Ereignisse im US-Gefängnis Abu Girab im Irak präsentierte. Gott sei dank hat er es nicht geschafft, mir die gute Laune, die mir Mike Leighs Film geschenkt hat, wieder weg zu nehmen.

Meiner Meinung nach hat sich Sally Hawkins mit ihrer Darstellung von „Poppy“ für einen Bären qualifiziert und das Rennen um die begehrten Preise wieder ein wenig spannender gemacht. Trotzdem hat das Festival diesmal zur Hälfte seiner Laufzeit bei weitem nicht so viele Favoriten im Programm wie letztes Jahr. Entweder gibt es die wirklichen Schmankerln heuer erst in den nächsten Tagen zu sehen oder die Qualität der eingereichten Filme hat nachgelassen, mal sehen. Das werden wir ja erst in den nächsten Tagen beurteilen können. Fest steht jedenfalls, dass ich morgen auf den Film „Filth & Wisdom“, den Regieerstling von Madonna, der im Panorama außerhalb des Wettbewerbs gezeigt wird, dankend verzichten und mir statt dessen den japanischen Film „Kabei – Our Mother“ zu Gemüte führen werde, der zur gleichen Zeit läuft und in den ich, was die Bären und seine filmische Qualität betrifft, offen gesagt mehr Vertrauen und Hoffnung habe als in die Regiekünste von Madonna. Ich bin der Meinung, auch als Kritiker, der für Euch vom Festival berichtet und natürlich so viele Informationen liefern soll, wie möglich, möchte ich als Filmfreund Markus Löhnert meine Zeit lieber mit solchen Filmen verbringen, die mich auch interessieren. Da nehme ich den „Verlust“, in der medialen Welle rund um ihre Person nicht mitgeschwommen zu sein, gerne in Kauf.